Pause oder keine Pause, das ist hier die Frage
John Mauldin in Investors Daily
vom 19. September 2005 18:00 Uhr
ENL5454
Ich bin der Ansicht, dass die Fed bei dem "kalkulierten Anziehungszyklus" eine Pause einlegen sollte, zumindest beim Treffen am 20. September, bis man die Auswirkungen von Katrina und der Ölkrise auf die amerikanische Wirtschaft besser absehen kann. Bis zum 20. September werden wir noch nicht viel weiter sein und beachtet man, wie viel Wert die Fed darauf legt, dass die Zentralbank das Risikomanagement zu ihren Aufgaben zählt, dann erscheint dies die vernünftigste Vorgehensweise.
Eine Pause von vierzig Tagen bis zum Treffen im November würde die Wirtschaft auch nicht plötzlich in eine Krise der Inflation treiben. Wenn sich die Wirtschaft angepasst hat, und die Ölraffinerien und die Schifffahrt den Betrieb wieder aufgenommen haben, was sehr wahrscheinlich ist, dann kann man danach mit dem "Anziehungszyklus" wieder fortfahren, ohne dass er eine Gefahr für die Wirtschaft bedeuten würde. Aber wenn es doch Probleme gibt, dann scheint mir das Risiko auf der anderen Seite immer noch zu groß.
Es ist immer noch nicht sicher, dass die Schifffahrt auf dem Mississippi bis zur Ernte im Herbst wieder hergestellt sein wird. Weitere Krisen (wir befinden uns immer noch in der Hurrikansaison) würden zu dieser Zeit eine wirkliche Bedrohung darstellen. Vierzig Tage und Nächte der Geduld sind das, was wir wirklich gerade brauchen. Selbst Gott hat so lange gebraucht, um die Dinge wieder in ihren Normalzustand zu bringen, als es eines großen Aufräumens bedurfte.
Nach Katrina haben drei Senatoren der Fed gesprochen. Offen gesagt, sie schienen alle immer noch auf der Linie zu fahren, dass die Gefahr einer Rückkehr der Inflation im Vordergrund der Überlegungen stehen sollte.
Lassen sie uns hier eine Pause machen, und uns den Immobilienpreisen zuwenden. Dieser Aspekt kommt von Martin Barnes von Bank Credit Analyst:
"Der gegenwärtige Gewinn von 11 Prozent im Zeitraum von einem Jahr bei Hauspreisen steht einem Durchschnittwert in fünfzig Jahren von nur zwei Prozent gegenüber. Das gegenwärtige Wachstum weicht um drei Standardabweichungen vom Mittelwert ab und historisch betrachtet ist dieser Mittelwert ein rückschrittlicher gewesen. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass das Wachstum bei Immobilienpreisen in ein paar Jahren unter Null liegen wird."
"Das niedrige Niveau der langfristigen Zinssätze hat ein Auffangkissen für die Immobilien dargestellt, wird aber den Markt nicht vor einer Abkühlung bewahren können. Die größte Hemmnis bedeutet vielleicht der sinkende Vorrat an Hypotheken und nicht der eher typische Nachfragerückgang, der sich aus den steigenden Zinssätzen ergibt. Dennoch werden die Regulatoren rigoros gegen die spekulativen Kredite vorgehen und das wird die Nachfrage nach Häusern noch weiter einschränken. Darüber hinaus konnte man in der Vergangenheit schon in Großbritannien und Australien erleben, dass schon ein Gleichbleiben der Preise einen hinreichenden Grund für einen deutlichen Rückgang des Wachstums bei den Verbraucherausgaben darstellten."
Die letzten Zahlen legen nahe, dass die Immobilienpreise zunehmend unter Druck geraten. Es gibt eine sehr enge Beziehung zwischen den Immobilienpreisen, der Zuversichtlichkeit der Verbraucher und den Verbraucherausgaben. Jeder Rückgang der Verbraucherausgaben wird zusätzlich zu den Rückgängen wirken, die von Cumberland weiter oben aufgezählt wurden. All das bedeutet, dass es an der Zeit ist, wachsam zu sein. Selbst wenn die Fed die Zinssätze anheben würde, ist man doch in der Nähe des Zyklus. Es gibt keine Notwendigkeit, diesen Prozess zu beschleunigen, und jeden Grund, zu warten. In der Vergangenheit hat die Fed immer dazu geneigt, bei den Zinssatzzyklen zu lange und zu weitreichen dabei zu bleiben. Es gibt keinen Grund, diesen Fehler zu wiederholen.
Bei einem Anruf machte Martin Barnes heute deutlich, dass er glaubt, die Fed werde eine Pause einlegen. Martin ist der aufmerksamste Beobachter der Fed, den ich kenne. Als ich ihn zu den letzten Reden von der Fed befragte, sagte er nur, dass sie mit der alten Fedpolitik fortfahren und dass die Dinge sich ändern werden, wenn Greenspan beim nächsten Treffen entscheidet, dass sie das tun werden. Es ist die Entscheidung von Greenspan, auf die es hier ankommt. Schließlich hat Martin auch schon vor Katrina einen Konjunkturrückgang vorhergesehen, aber er glaubt nicht, dass wir in eine Rezession geraten werden. Er schätzt es eher wie einen Konjunkturrückgang in der Mitte des Zyklus ein, ähnlich dem, den wir Mitte der Neunziger erlebten.
Es gibt immer mehr Rufe danach, dass die Fed am 20. September eine Zinserhöhung aussetzen soll. Die Märkte scheinen ganz deutlich damit zu rechnen, dass sie es tun wird und das hat dem Aktienmarkt zum Aufschwung verholfen. Es gibt eine perfekte Entschuldigung und einen sehr einfachen Grund: Sie würden einfach sagen, dass sie warten, bis sie mehr Klarheit haben, aber einige Daten zurückhalten, die einen Rückgang der Wirtschaft nahe legen würden. Dann werden sie fortfahren, die Zinssätze anzuheben.
Und doch gibt es eher weniger als mehr Klarheit darüber, was sie tun werden. Dieses Treffen, wird, solange Greenspan nichts sagt, eines der interessantesten Treffen seit langer Zeit. Nachdem jeder bei den letzten 10 Anhebungen der Leitzinsen gewusst hat, dass sie in einem Takt von 25 Basispunkten pro Treffen steigen würden, gibt es hier wenigstens darüber Unklarheit.