Party in Europa
Miriam Kraus in Rohstoff Daily
vom 21. Juli 2011, 20:30 Uhr
ENL5454
Ja, Eurozonenland feiert den Tag an dem der nächste Schritt zur Transferunion beschlossen wurde. Na ja, eigentlich feiern nur die Märkte, aber am allermeisten dürfte sich die EZB freuen.
Was vom Gipfel durchsickert
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Griechenland bekommt weiter Geld
Ja, die Griechen brauchen wohl noch mindestens 115-120 Milliarden Euro bis 2014. Kein Problem mehr, wir werden die Überweisung der nächsten Kredite vorbereiten...Allerdings soll Griechenland zu seiner eigenen Rettung wohl auch 30 Milliarden Euro selbst beitragen - aus Privatisierungen.
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Niedrigere Zinsen, längere Laufzeiten
Griechenland bekommt seine Softi-Umschuldung. Die Kredite, die über den EFSF vergeben werden, sehen wohl eine Laufzeitverlängerung von 7,5 auf 15 Jahre vor. Außerdem soll die Zinsbelastung der Hilfskredite von 4,5 auf 3,5% sinken, ebenso für Portugal und Irland.
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Die Banken machen auch mit
Wie gewünscht, sollen die Banken auch mitmachen. Freiwillig natürlich. In welcher Höhe steht noch nicht fest, aber nach einem Plan der Internationalen Bankenlobby könnten die Banken bis zu 17 Milliarden Euro durch Anleihentausch, Laufzeitverlängerung oder Schuldenrückkauf mit tragen. Sollten die Rating-Agenturen aufgrund des Abschreibungsbedarfs, aber trotz der großen Freiwilligkeit, den teilweisen Default erklären, ist es mittlerweile egal. Warum, dazu gleich später...
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Der EFSF wird Anleihen kaufen
Das ist die wichtigste Neuigkeit des Tages. Der EFSF soll künftig zu dem Instrument werden, dass die Eurozone einen Schritt weiter in die Transferunion laufen lässt. Denn der EFSF soll künftig Staatsanleihen der Länder aufkaufen, die drohen in Gefahr zu geraten. Die müssen dafür dann ein Reformprogramm auflegen.
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Marshallplan
Offenbar wird es auch einen Marshallplan geben. Soll heißen, man hat endlich verstanden, dass vor allem die Wirtschaft der maroden Schuldenstaaten ein Problem ist. So will man nun mit besserer Verteilung von Hilfsgeldern die Wirtschaft Griechenlands wieder aufbauen. Na dann, Viel Erfolg (uns allen)!
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Die EZB sträubt sich nicht mehr gegen die Teil-Pleite
Urplötzlich ist es nun doch nicht mehr so schlimm, wenn Griechenland der Teil-Default erklärt würde. Bislang hatte sich die EZB vehement dagegen ausgesprochen, eine Szenario zu kreieren, in dem Griechenland von den Rating-Agenturen auf "zahlungsunfähig" abgestuft werden könnte. Das ist nun vom Tisch - wie schnell der Jean-Claude doch seine Meinung ändern kann. Denn seit heute hat die EZB kein Problem mehr damit, auch griechische Anleihen, die mit einem D bewertet würden, als Sicherheiten zu akzeptieren. So einfach ist das...und so verhindert man auch, dass der griechische Bankensektor nicht austrocknet.
Warum sich die EZB am meisten freuen dürfte
Nanu, was ist das passiert?! Haben Angie, Nic und die anderen Häuptlinge, den armen Jean-Claude etwa eingeschüchtert?
Weit gefehlt, für Jean-Claude ist jetzt alles in bester Butter, denn die Hauptlast ist von seinen Schultern genommen: die EZB hat nun die große Verantwortung, wie sie es schon seit langem angestrebt hatte, an die Politik weiter gegeben. Namentlich an den EFSF. Denn dieser ist es nun, der künftig die Anleihen der Problemländer aufkaufen muss und nicht mehr die EZB. Europa wächst zusammen und die EZB hofft, sich nun bald wieder gemütlich nur noch der reinen Zinspolitik hingeben zu dürfen. Na dann, Herzlichen Glückwunsch Jean-Claude!
Und sollte jemand die EZB fragen warum sie nun doch eventuelle Default-Anleihen als Sicherheiten akzeptieren wird, dann wird sie antworten: "Diese werden nur kurzfristig als Teil-D bezeichnet werden....keine Sorge, der EFSF wird's schon schaukeln." Und sollten die griechischen Banken dennoch in Bedrängnis geraten (was wohl passieren dürfte, wenn die Rating-Agenturen den Default der Griechen-Anleihen erklären), dann antworten wir alle: "Die griechischen Banken können rekapitalisiert werden...keine Sorge, wir alle (Eurozonenbürger) werden das auch noch schaukeln."
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Kasa (22.07. 2011 16:51 Uhr):
Guten Tag, Frau Kraus, schon über längere Zeit lese ich Ihre Artikel zum Geschehen rund um die Rohstoffmärkte. Ihre lockere und trotzdem sachlich informative Art zu schreiben bereitet Freude beim Lesen. Sie könnten damit auch eine erfolgreiche politische Kabarettistin werden. Allerdings habe ich das Gefühl, dass in den letzten Artikeln die bittersüße Ironie die Satire überwiegt, was bei der gegenwärtigen Situation angemessen ist. Die Finanz-Administration übernimmt zumindest die witschaftspolitische Führung über Europa. Die Souveränität der Nationalstaaten wird deutlich eingeschränkt. Gegen weitere Schritte zur Einigung Europas wäre nichts einzuwenden, wenn diese Einigung nicht einseitig auf den Rücken der Bürger ausgetragen würde und Zulasten der Einflussnahme der durch die Bürger gewählten Parlamente ginge. Doch was machen unsere obersten Politiker? Offensichtlich ist ihr Handlungsspielraum schon so weit eingeschränkt, dass sie den faulen Kompromissen des EU-Sondergipfels zustimmen müssen und diese uns dann auch noch als Erfolgsmeldung unterjubeln wollen. Wie kommen wir raus aus diesem Schlamassel? Was halten Sie vom Trennbankensystem, um Geld wieder seiner ursprünglichen Aufgabe zuzuführen? Freundliche Grüße Kasa
Antworten - Kommentar von Hartmut Fischer (22.07. 2011 18:14 Uhr):
Ja, liebe Bürger, jetzt wisst Ihr, was Gesetze, Verträge, politische Schwüre, Versprechungen und letztlich das gesamte Parlament und die Regierung wert sind ! Und den Preis dafür werden wir alle noch herb zu spüren bekommen! Wen wollt Ihr in dieser ganzen EUphorie eigentlich noch wählen?
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