Pariser Pläne
Mr N. N. in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 2. Oktober 2008, 07:30 Uhr
ENL5454
Liebe Leserin, lieber Leser!
Nun ist die große Finanzkrise auch im alten Europa" angekommen und die französische Regierung plant fürs Wochenende gar einen EU-Krisengipfel. Ein Notfonds im Volumen von 300 Milliarden Euro (angeblich drei Prozent des EU-Bips) solle gebildet werden, um marode europäische Banken zu retten.
Deutsche Regierung skeptisch
Interessant ist indes, dass es aus dem deutschen Finanzministerium insofern eher skeptische Kommentare gab. Ein Ministeriumssprecher betonte, dass die Bundesregierung von solchen Plänen gar nichts halten würde. Gut möglich, dass sich das Berliner Nein" damit erklärt, dass die Bundesrepublik als größte Volkswirtschaft Europas den Löwenanteil des Rettungspakets stemmen müsste. Im übrigen äußerte sich auch die britische Regierung verhalten.
Vorbereitung auf Ausweitung der Krise
Sehr spannend allerdings ist, dass IWF-Chef Strauss-Kahn die europäischen Regierung dazu auffordert, sich mit einem gemeinsamem Konzept auf die Ausweitung der Bankenkrise vorzubereiten. Und auch Deutsche Bank Chef Ackermann spricht sich für eine EU-weite Abschirmung aus. Laut Ackermann würde es zwar keinen aktuellen Bedarf geben, aber man müsse für den Fall der Fälle vorbereitet sein.
Abkehr vom Fair Value Prinzip" in den USA
In den USA geht man indes dazu über, für die Banken die Bilanzierungsregeln signifikant zu lockern. Insbesondere soll den Instituten mehr Spielraum bei der Bewertung der einzelnen Papiere eingeräumt werden. Die diversen Ramschpapiere müssten nicht mehr mit Ausverkaufspreisen bilanziert werden, sondern fortan können die Verantwortlichen bei nicht mehr liquiden Papieren die eigene Bewertungseinschätzung vornehmen.
Ja, liebe Leserin, lieber Leser, wer hätte gedacht, dass immer wieder ein phantasiereicher Trick gefunden wird, sich zumindest kurzfristig aus der Schlinge zu befreien.
Am Ende des Tages ist aber sehr zweifelhaft, ob mit dieser Regeländerung die Krise einfach wegbilanziert werden kann.
Denn die Krisensignale aus der Realwirtschaft häufen sich. Einbrechende Einkaufsmanagerindizes und Maschinenbauauftragseingänge in Europa, deutlich schrumpfende Einzelhandelsumsätze in Deutschland, zweistellige Absatzeinbussen der großen Autobauer in den USA lassen sich auch nicht durch kreativste Phantastereien eliminieren".
Aber, vielleicht schaffen es die Statistiker und Regierungsvertreter aus einem Wirtschaftskollaps einen Jahrhundertboom zu kreieren.
Zumindest auf dem Papier. Und das ist bekanntlich geduldig.
Apropos Papier, es fällt immer schwerer, zu vertretbaren Aufgeldern Papiergeld" in ewiges Geld" zu täuschen. Auch der Vatikan hat es jüngsten Medienberichten zufolge getan, und knapp eine Tonne des gelben Edelmetalls erworben.
Schwer vorstellbar, dass die Kirchenleute kurzfristig agierende zittrige Hände" sind...
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