Parasiten, Bürokratie und Sowjetstiefel - Teil 2
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 20. Januar 2010, 07:30 Uhr
ENL5462
Wenn also der Anteil der Wirtschaft, der von der Regierung beherrscht wird, weiter steigt, dann gilt das auch für die Verschwendung, die Ineffizienz und die Kontraproduktivität. Wie die Sowjetunion feststellte, kann man das Bruttoinlandsprodukt durch Regierungsbefehl steigern... aber das einzige, was man bekommt, ist eine ganze Menge Nichts.
Ich bin am Ende der Sowjetphase nach Russland gereist. Bis dahin waren die Russen unvorstellbarer Armut zum Opfer gefallen. Und das einzige, was sie den Touristen verkaufen konnten, war das Equipment, das sie von der Armee erbeutet hatten. Ich habe ein Paar Lederstiefel für einen Dollar gekauft. Das ist das beste Geschäft, das ich je gemacht habe. Heute, nach zwanzig Jahren, trage ich sie immer noch. Vor zwei Wochen haben sie mich davon abgehalten, ein Bein zu verlieren, als ich ausrutschte, während ich mit der Kettensäge einen Baum fällte. Die Säge hat in den Stiefel geschnitten, aber auf dem Bein war noch nicht einmal ein Kratzer.
Warum ist diese kleine Unterhaltung über die Regierungsausgaben so wichtig? Weil es der Rest der Geschichte" ist. Die Wirtschaftswissenschaftler drängen die Regierung dazu, dass sie Geld im Ausgleich für die Ausgaben aus dem Privatsektor ausgeben... und Stellen schaffen, die die Stellen ersetzen sollen, die im Privatsektor verloren gehen. Fast fünf Millionen Stellen sind im Jahr 2009 verloren gegangen - fast jeder davon im Privatsektor.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Hermann Barges (20.01. 2010 10:53 Uhr):
> Fast fünf Millionen Stellen sind im Jahr 2009 verloren gegangen - fast jeder davon im Privatsektor. Hallo, könnten Sie bitte zu dieser Aussage eine Quelle benennen. Danke
Antworten - Kommentar von walter bruno (20.01. 2010 15:07 Uhr):
Oh ja, ich kann Sie gut verstehen, wenn Sie ein Verfechter der sauberen Privatwirtschaft sind und mich ärgert es genauso, wenn man die vielen sinnlosen Ausgaben und Verschwendungen sieht, die von den Behörden ausgehen. Es ist wohl noch keinem gelungen, ein Gesellschaftssystem oder gar zunächst ein Modell davon aufzubauen, welches die Welt wirklich effizienter , gerechter und gesünder macht. Dafür sind die Verknüpfungen und Prozesse zu spezifisch. Aber es würde ja helfen, immer wieder die Dinge , die Prozesse so zu analysieren, dass man wieder auf das Wesentliche zurückkommt. Wer zur Hölle kann mir sagen, was denn das Wesentliche ist ? Ich versuche mich ja selbst immer wieder auf das Wesentliche zu konzentrieren, um mich nicht in der unendlichen Menge von Detailanalysen zu verzetteln oder zu verirren. Mal sehen, ob es mir nach diesem Artikel gelingt. Das Wesen des Staates ist doch der Erhalt des real existierenden Wirtschafts- und Verteilungsprinzipes, mit allen seinen Mitteln.Wir leben in einem martwirtschaftlich orientierten System des Kapitalismus in einer Phase der Globalisierung. Die Globalisierung des Kapitals hat noch mehr zur Folge, dass die Polarisierung der Welt in Arm und Reich noch ungehemmter und schneller voranschreitet (...wer heute arm ist, wird im Wesentlichen arm bleiben...). Die historische Rolle des Staates, für das Kapital die Verwertungsbedingungen und Kreisläufe aufrecht zu erhalten, wird lokal gesehen, zu einer immer schwierigeren Aufgabe. Das zeigt sich bis hin zu solchen Tautologien, dass der Staat Geld druckt, es in sog. Konjunkturprogrammen einbringt , und (vereinfacht)diese Gelder wiederum zu teurem Geld sich borgt, um nicht selber als Gebilde zusammenzubrechen. Die Phrase von der Vergesellschaftung der Verluste und der Privatisierung der Gewinne. Die Lasten, den "Abfall" der privatwirtschaftlichen Wirtschaft trägt kaum die Privatwirtschaft. Die kommen immer wieder auf den Staat zurück. Gerade die aktuelle Diskussion um die Äusserung von Herrn Koch, ist ja dafür buchstäblich. Ich fände es übrigens auch toll, wenn es durchsetzbare Auflagen geben würde, die die grosse Masse an Hartz4 - empfängern wieder in Lohn und Brot zu bringen, sie aus einem sinnlosen Randbereich der Gesellschaft zu befreien. Denn das erste was bei den Betroffenen verloren geht ist das Selbstwertgefühl und dann geht es weiter... Könnte sich der Staat selber als Teil der leistungs- und wettbewerbsorientierten Privatwirtschaft effektiv einbringen, so wäre man schon ein Schritt weiter. Aber zeigen Sie mir ein Land, wo es soetwas bereits gibt ? Warum gibt es das aber noch nicht ? M.E. nur, weil es die historische Rolle des Staates überschreitet. Ich hatte mir vor einigen Tagen die mutige Dokumentation von ARTE über die Praktiken des Konzerns "MONSANTO" angesehen. Es beantwortet viele Fragen, in welche Richtung die Staaten mit ihren Politikern verkommen. Sprach man in den 60ern vom "Stamokap", so würde ich es heute mit "Globokap" überschreiben. Die Wahlen in Chile brachten einen Milliardär an die Spitze des Staates. Mal sehen, ob er besser weiss, wie man die Verwertungsbedingungen für das Kapital aufrecht erhält. Sollte man annehmen, wenn Millionen von Chilenen der Ansicht sind. Er muss ja wohl ein höchst effektiver Mensch sein, wenn er es zu so viel Vermögen gebracht hat. Ich wage jedoch zu bezweifeln, ob er den Staat als Institution so umformen kann, dass die in Ihrem Beitrag beschriebene Klassifikation (Von 10 Regierungsanstellten, tun vermutlich zwei etwas Sinnvolles...) sich in Richtung Effizienz verschiebt. Aber ich bin schon wieder auf dem besten Wege, mich vom Wesentlichen zu entfernen. Ja, was war das doch ? ;-) Zurück zum Ursprünglichen. Alles wirtschaftliche, politische und kulturelle Tun und Handeln sollte doch vor ALLEM dazu dienen, die grundsätzlichen Lebensbedingungen der Natur und der Menschen zu sichern. Wenn dann der Staat seiner Verantwortung gerecht werden könnte, so wären wir schon viel weiter. Vielleicht liegt darin auch die Antwort zum Verhältnis Staatswirtschaft und Privatwirtschaft. Dann brauchte sich vielleicht der Staat nur um eine effektivere und gerechtere Verteilung der Werte kümmern und um die Integration derer, die aus den Prozessen der Privatwirtschaft herausfallen, sinnvoll zu machen. Vielleicht könnte dann ein davon Betroffener wieder Ihre Sowjetstiefel für 50 Cent so reparieren, dass sie wenigstens den Gebrauchswert zurückerhalten... aber da ginge der Konflikt zwischen Staats-und Privatwirtschaft erneut los. Die einzigste Lösung scheint mir nur eine Art "Weltkonzern" , der die Rolle der Staaten übernimmt oder haben Sie eine bessere Idee ?
Antworten- Antwort von Peter Harting (20.01. 2010 20:44 Uhr):
Der Staat hatte einmal in der Rolle des Königs oder seiner Ministerialen die Aufgabe, für Rechtssicherheit zu sorgen. Das hat in Sizilien im Mittelalter unter den Normannen und Staufern eine Kulturblüte hervorgebracht. Großer Sprung in die Neuzeit: Als Wilhelm von Humboldt preußischer Bildungsminister wurde und die Schul- und Universitätsrektoren zu einer Konferenz rief, soll eine seiner wichtigsten und Ernst gemeinten Äußerungen gewesen sein: Meine Herren, meine Aufgabe ist es, mich überflüssig zu machen! Doch dann das Heute: Statt des sich überflüssig gemacht habenden Ministers von einst haben wir ein überquellendes System, das immer noch mehr kostet, und gemäß Bill Bonners These immer schlechter werden muss, damit immer mehr Bildungsprogramme, -posten, -institutionen in teuerer Nutzlosigkeit ihre Notwendigkeit beweisen (und ihre Notdurft verrichten). Da haben Sie weiß G. ein wichtiges Gesetz wieder mal zum Bewusstsein gebracht. Danke Kassandra. Glückwunsch zum Stiefelkauf! Gruß von Peter E. Harting
- Antwort von Peter Harting (20.01. 2010 20:44 Uhr):
- Kommentar von Stefan Bahr (20.01. 2010 19:22 Uhr):
Brilliant aufgebaut; präzise, zutreffende Kritik am System (was man nur selten zu lesen bekommt). Ich bin froh den Newsletter zu beziehen! Vielen Dank für diese Verönffentlichung!
Antworten - Kommentar von Peter Jaunecker (22.01. 2010 08:16 Uhr):
Sehr geehrter Herr Borner, auch die heutigen Kommentare finden meine volle Zustimmung. Zum Thema Wirtschaftswissenschaftler/Wissenschaftler anderer Bereiche ergeben sich für mich die Fragen 1.) Warum glauben die Menschen, daß Wissenschaftler Halbgötter sind und deren Meinung Dogma ist? Es kann wohl nicht sein, daß die ganze Welt ein wissenschaftliches Versuchslabor ist, in der krause Ideen auszuprobieren sind 2.) Warum muß aus jeder noch so lapidaren Handlung eine Wissen- schaft (un damit wesentlcih teurer) gemacht werden? 3.) ist es so schwer, Tatsachen (auch unwissenschaftliche) als gegeben anzunehmen? z.B. Was bringt Ihnen die Erkenntnis, daß der nächste bewohnbare Stern/Planet nur n Lichtjahre von der Erde entfernt ist. Reicht es nicht aus, das All als für unsere Größenvorstellungen, riesig zu bezeichnen? Womit ich in den Fragen hin will ist der Wunsch nach einfacheren längerlebigen Produkten, die in ihrer Art übersichtlich und fallweise auch reparabel sind (Vorteile für Finanzen und Umwelt). Dazu müßte auch eine Kontrollinstanz geschaffen werden, die es ermöglicht mit geringem Risiko, über längere Zeiträume gültige Entscheid-ungen zu fällen (z.B. Vorsorgesicherheit). MfG Peter Jaunecker.
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