Parallelen zwischen Investieren und Pokerspiel
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 6. August 2010, 07:30 Uhr
ENL5462
Das Investieren hat viele Ähnlichkeiten mit dem Pokerspiel. So teilt sich z.B. eine kleine Minderheit der Profis den Löwenanteil der Gewinne. Das Haus nimmt mit akribischer Genauigkeit seinen Anteil von allen, die kommen. Die Möglichkeiten erlauben Zuversicht, aber niemals Sicherheit - es gibt kein Blatt, das nicht geschlagen werden kann und kein Blatt, das nicht gewinnen könnte.
Bei beiden Spielen hat das Glück kurzfristig einen maßgeblichen Einfluss, langfristig beherrschen Genauigkeit und Fähigkeiten das Spiel. Und nur sehr selten ist Erfolg auf eine einzige richtige Entscheidung zurückzuführen. Vielmehr sind es unzählige kleiner Entscheidungen, die im Laufe der Zeit dazu führen, dass man die Oberhand gewinnt.
Der typische Pokerspieler kehrt immer wieder zu dem Stil zurück, mit dem er oder sie sich am wohlsten fühlt. Dieser Mangel an Variation lässt den Profi die Oberhand gewinnen und verweist direkt auf die beste Art, an das Geld des Anfängers zu kommen. Lauernde Pokerprofis teilen ihre Beute in der Regel in drei Klassen ein: Den Maniac', den Rock' und die Calling Station'. Unter diesen dreien ist die Calling Station' die zuverlässigste Quelle für Gewinne. Der Maniac ist gefährlich aggressiv und oft zu heiß. Der Rock' ist ein notorischer Geizkragen und normalerweise so kühl wie ein Felsen. Aber die lauwarme Calling Station' ist genau richtig.
Als passiv aggressiver Typus, hat die Calling Station' kein Gefühl für Strategie, fühlt sich jedoch dennoch angezogen, mitzumachen. Er oder sie übernimmt gerne die Mehrheit der Wetten und hat nur selten die Kontrolle über das Blatt. Der Analyse kommt nur minimale Bedeutung zu, die Handlungen verlaufen mechanisch.
Die Haltung der Calling Station' kann man zusammenfassend mit: ich weiß zwar nicht was ich tue, aber ich bin froh, hier zu sein", zusammenfassen. Ein gutes Blatt lässt diesen Typus hin und wieder einen Sieg feiern, aber Verluste überwiegen unvermeidlich über eine längeren Zeitraum. Die Calling Station' liefert so einen ständigen Fluss der Gewinne für diejenigen, die die Wichtigkeit von Strategie verstehen und einzusetzen wissen.
An der Wallstreet entspricht der passive Indexer der Calling Station' beim Poker. Das ist derjenige, der ohne sich weiter Gedanken zu machen versucht, die Performance des Dow Jones oder des S&P 500 nachzuahmen. Wie sein Gegenstück beim Poker ist auch dem passiven Indexer nicht klar, dass es eine Strategie gibt oder aber er ist von ihrer Notwendigkeit nicht überzeugt.
Er ist einfach nur froh, mit dabei zu sein und hofft, dass Glück oder Vorsehung ihm zu einer anständigen Altersversorgung verhelfen werden. Natürlich wird der passive Indexer oft dazu ermutigt, zu glauben, dass die Vorsehung alles ist, was er braucht. Das ist so, als würden die Wölfe die Schafe davon überzeugen, dass der Wald für sie sicher ist.
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