Parallelen zwischen Investieren und Pokerspiel - Teil 2
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 6. August 2010, 07:30 Uhr
ENL5462
Wenn man die mittelmäßigen Gewinne der passiven Indexer mit den noch weniger guten Erträgen aus Gemeinschaftsfonds vergleicht, dann greifen die Index-Anwerber zu einem netten Trick, indem sie das Schlechte gut aussehen lassen, weil sie es mit etwas noch schlechterem vergleichen. Und um den Spott zum Schaden hinzuzufügen:
Viele der großen Gemeinschaftsfonds sind eigentlich versteckte Indexer", die einem die aktive Verwaltung in Rechnung stellen, sich aber eigentlich doch nur an die Richtlinien klammern. Das ist so, als würde man am tiefsten Punkt ansetzen und dann auch noch ein Loch graben.
Eigentlich ist das sture Vertrauen auf die Indizes nichts anderes, als ein Hund, der seinem eigenen Schwanz nachjagt. Verschiedene Firmen werden größer, wenn das Geld von den Indizes ihre Marktkapitalisierung mechanisch anschwellen lässt. Während die Bewertung steigt, lassen sich die Indexer durch diesen Zuwachs auch noch weiter ermutigen. Dieser Prozess wiederholt sich immer wieder, ohne dass man sich Gedanken über den wahren Wert dieser Firmen, die diesen Zustrom erhalten, machte.
Nur wenige stellen diesen Mangel an Logik in Frage. Verantwortlich dafür ist ein Zirkelschluss: die Theorie der effizienten Märkte besagt, dass alle Bewertungen gerechtfertigt sind. Dieses akademische Diktum verstärkt die Sogwirkung des nicht nur dummen, sondern völlig schwachsinnigen Geldes. Die meisten von uns wissen, dass der entscheidende wirtschaftliche Nutzen des Aktienmarktes in der vernünftigen und effizienten Verteilung des Kapitals liegt.
Aber wir vergessen dabei, dass Vernunft intelligentes Denken voraussetzt. Solange die Popularität des passiven Indexings zunimmt, wird die Idee der vernünftigen Kapitalverteilung auf den Kopf gestellt und aus dem Fenster geworfen.
Diejenigen, die das passive Indexing verteidigen, verweisen ausnahmslos alle auf den historischen Auftrieb der Aktien. Aber genauso wie die Calling Station', die gerade eine Glückssträhne hat, übersehen die Indexer die zyklischen Bewegungen des Marktes, und legen eine zu starke Betonung auf das außergewöhnlich gute Blatt.
Die Rydex Tabelle zeigt, dass der Markt wesentlich mehr Zeit damit verbringt, nirgendwohin zu gehen, als zu steigen. Dazwischen liegt gewöhnlich der typische Bärenzyklus, der sich in Jahrzehnten bemisst. Ob die Dinge auch langfristig so laufen ist eine entscheidende Frage für all diejenigen, die bald auf die Altersversicherung angewiesen sein werden. Oder wie Lord Keynes weise sprach: langfristig gesehen werden wir alle gestorben sein.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Peter Jaunecker (09.08. 2010 10:10 Uhr):
Sehr geehrter Herr Bonner, zu obigem Artikel kann man Ihnen nur Recht geben. Es ist wie ein Spiel in dem die Mächtigen (Reichen) beliebig an den Strippen (Aktienkurse) ziehen und durch gezielten Kapital-/Aktieneinsatz (oft auch Fremdkapital) den Kurs bestimmen. Während in der längeren Vergangenheit durch den Erwerb einer Aktien Anteil am Unternehmenserfolg gekauft wurde und damit eine längerfristige Kapitalbindung vorgesehen war, ist es im Zeitalter des Internets oft nur eine Frage von Stunden aus gezieltem Verkauf und Wiederankauf Gewinn zu erzielen. Ein Modell, daß jedem Kleinaktionär nur zum Nachteil gereichen kann. Auch die weitverbreitete Fixierung an Leitindizes (Dow/S&P/Dax usw) ist Krankheit, da hier lediglich das Handelsvolumen des laufenden Tages zum Wertpapier darge- stellt wird. Eine Bilanz wird von den Unternehmen normalerweise nur 1 x im Jahr gelegt. Der Zugriff auf Auftragsbücher/Produktions- und Verkaufszahlen etc. ist dem Außenstehenden verwehrt. Vielleicht gelingt es in Zukunft, andere Kriterien (möglichst unbeeinflußbare) zu finden. Mit freundlichen Grüßen Peter Jaunecker
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