PANIK, PANIK, PANIK im Zuckermarkt
Andreas Lambrou in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 25. September 2006 20:45 Uhr
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Am 23.8.2006 schrieb ich im Rohstoff-Daily davon, dass die Aussichten für Zucker mittel- und langfristig besser geworden sind. Ich hatte mich damals bewusst mit denkurzfristigen Aussichten zurückgehalten, da der Markt noch in Verkaufsstimmung war und die Liquidation noch nicht eingesetzt hat.
Zitat: "Ausgehend vom absoluten Preisniveau ist der Zuckeranbau immer noch attraktiv. Sobald die Zuckerpreise ein Niveau von 10-11 US-Cents je Pfund erreichen sollten dürfte auch der Anreiz zum Anbau von noch mehr Zucker jedoch zurückgehen. Solche Preisniveaus wären wenn überhaupt also nur kurzfristiger Natur."
Was in den letzten 3 Tagen jedoch am Zuckermarkt passierte, dass ist PANIK, PANIK, PANIK
Heute sanken die Preise für Rohzucker an der New Yorker Board of Trade auf das niedrigste Level innerhalb eines Jahres.Seit Freitag ist da ja eine richtige Verkaufspanik ausgebrochen. Der grösste Kursrutsch seit 1999. Liebe Leser, Sie merken ich bekomme kaum noch Luft.
Sie wissen ja, Brasilien versucht zurzeit den Zuckermarkt zu kontrollieren, aber bislang haben sie damit doch so einige Probleme, jedenfalls auf kurzfristige Sicht.
Die Märzkontrakte für 2007 fielen um 97 Punkte auf 11,38 cent pro Pfund und die Oktoberkontrakte rutschten gleich um 110 Punkte auf 10,46 cent pro Pfund.
Fonds und Spekulanten verkauften ihre Longpositionen, was dazu führte dass die Verkäufe von Oktober bis März in Rollovern förmlich ertranken. Nach wie vor sitzen die Spekulanten jedoch auf einer Nettolongposition von 41.380 Kontrakten, sie haben in der versuchten Bodenbildungsphase von letzter Woche sogar noch 10.000 Kontrakte hinzugekauft. Mit dem jetzigen Kursrutsch ist es also zu regelrechten Panikverkäufen gekommen. Ich bin gespannt wie der COT Report am Freitag reinkommen wird...
Die Verkäufe wurden durch den schwachen Erdölpreis und die kürzlich zugetragenen Verluste bestimmter Fonds im Erdgasgeschäft, sowie Verluste in anderen Energiemärkten bestimmt. Liquidationen am laufenden Meter.
Sie sehen liebe Leser, der Zuckerpreis fiel, aber er fiel nicht aus realen Gründen, er fiel weil er ganz einfach nach unten gehandelt wurde.
Auch wenn es sehr heftig ist, noch sehe ich den Markt als eine Preiskorrektur an und noch keinen lang anhaltenden Abwärtstrend.
Denn Rohstoffe im Allgemeinen und Zucker im Besonderen befinden sich nach wie vor an historischen Tiefs.
Weisses Gold
Wenn im Oktober die Erntesaison des Zuckerrohrs beginnt, wird die Produktion zum ersten Mal seit einigen defizitären Jahren wieder die Nachfrage decken können, so die Internationale Zucker Organisation.
Doch die globale Nachfrage nach Ethanol aus Zuckerrohr steigt unaufhaltsam.
Die brasilianische Regierung will nun den Ethanol – Anteil am brasilianischen Treibstoff – Gemisch wieder von 20 % auf 25 % zurücksetzen.
Noch wehren sich die Benzinverkäufer dagegen.
So erklärte eine Sprecherin von Fecombustiveis (das Unternehmen hält 30 000 Tankstellen ), der Moment sei schlecht gewählt. Denn gerade erst sind die Preise für den Konsumenten gefallen, nun verlangt die Regierung den alten Mix zurück, so die Sprecherin.Eine Rückkehr zum alten Treibstoffmix würde wohl die Preise für Benzin in Brasilien kurzfristig erhöhen.
ABER die brasilianische Regierung wird wohl schlussendlich ihre Entscheidung durchsetzen.
Noch einer der immer bullish für Zucker ist
Jim Rogers der Indiana Jones der Finanzen, schrieb nicht nur den Finanzbestseller „Hot Commodities“ sondern ist auch einer der erfolgreichsten Anleger aller Zeiten.
Unter anderem rief er den International Commodity Index ins Leben (RICI) der sich aus Metall und Agrarrohstoffen zusammensetzt und seit seiner Entstehung einen Wertzuwachs von 265 Prozent erzielte.
Rogers glaubt, dass vor allem in China die Nachfrage nach Lebensmitteln steigen wird.
Erstens befinden sich die Preise für die meisten Agrarprodukte sehr weit unten, zweitens werden die Menschen im boomenden China bald mehr Geld für den Konsum zur Verfügung haben. Und dies sind immerhin 1,3 Milliarden.
In China wird sich wohl, so Rogers, eine solide Mittelschicht bilden deren Nachfrage nach Lebensmitteln wie Kaffee (siehe Rohstoff Daily der letzten Woche) und Orangensaft zunehmen wird.
Auch Fleisch und damit Soja (zur Ernährung des "Fleisches") wird steigen.
Aber erst jetzt wir deutlich, dass das Riesenreich China seine Bevölkerung gar nicht ernähren kann. Deshalb wird dort bereits verstärkt in die Landwirtschaft investiert.
Doch bis das inländische Angebot sich der enormen Nachfrage anpassen kann, werden die Preise für alle so genannten Soft Commodities steigen.
Darunter fallen unter anderem Zucker, Baumwolle, Wolle, Holz, Gummi, Korn und Ölsamen.
Nun lieber Leser, gönnen Sie sich ruhig etwas Zucker am Tag und trinken Sie Ihren Kaffee ab jetzt wieder mit Zucker und helfen Sie den Zuckerpreis wieder nach oben zu treiben ;-). Kurzfristig ist die Lage Schlecht, aber nicht Hoffnungslos, so ein österreichisches Sprichwort. Ich denke wenn das gröbste im Ölpreiseinbruch vorbei ist wird es auch dem Zuckermarkt wieder besser gehen.
Ihr
Andreas Lambrou