Palladium ... und dreiste deutsche Vorstände

in Traders Daily zum Thema Edelmetalle
vom


von Michael Vaupel

*** Wo sich derzeit Anlagechancen bieten? Auf die großen Aktienindizes setze ich weiterhin nicht. Denn weiterhin ist kein klarer Trend zu erkennen – die Financial Times Deutschland schreibt zu Recht, dass die "Börsianer ratlos sind, welcher Impuls die Indizes aus ihrer Handelsspanne befreien könnte, sei es nach oben oder nach unten."


Aber schauen Sie sich doch einmal den Preis von Palladium an! Dieser Chart sieht doch sehr interessant aus. Hier handelt es sich um keinen heiß gelaufenen Rohstoff, sondern um einen, der in den letzten Monaten sogar deutlich an Boden verloren hatte. Und der im Bereich 200/210 Dollar nun eine massive Unterstützungszone aufgebaut hat, die mit sehr großer Wahrscheinlichkeit halten sollte. Ein schöner Rebound ist jetzt wahrscheinlich!

Bei anderen Edelmetallen warte ich weiterhin auf Kaufkurse. Beispiel Gold: Hier lässt sich hoffentlich noch ein etwas besserer Einstiegskurs auf der Longseite ausreizen, im Bereich 380+ Dollar.

*** In der Financial Times Deutschland vom 4. August war eine interessante Aufstellung über die Höhe der Vorstandsbezüge der DAX-Unternehmen. Interessanter noch als die Höhe der Bezüge fand ich die Tatsache, dass sage und schreibe 20 der 30 DAX-Unternehmen auf eine individualisierte Veröffentlichung verzichten! Das bedeutet, dass diese Unternehmen zwar angeben, wie viel alle Vorstandsmitglieder zusammen verdienen, jedoch nicht, wie viel z.B. der Vorstandsvorsitzende alleine.

Das ist doch wohl unglaublich! Denn letztlich sind die Vorstandsmitglieder ja nur ANGESTELLTE ihres Unternehmens. Und dass sie den Aktionären – also den Eigentümern – die Auskunft verweigern, wie viel sie verdienen, ist doch wohl ein starkes Stück. Stellen Sie sich vor, Sie wären Besitzer eines mittelständischen Betriebes. Und einige Angestellte würden a) die Höhe ihres Gehaltes selbst bestimmen und b) auf Nachfrage sich weigern, mitzuteilen, wie sich die gesamte Gehaltssumme verteilt. Was würden Sie mit diesen Angestellten wohl tun?

Wirklich dreist finde ich auch die Begründung, die die besagten Manager für das Zurückhalten dieser Information gewählt haben. So heißt es bei Adidas-Salomon, dass die Nennung der individuellen Bezüge "nicht kapitalmarktrelevant" sei. Die Metro und die Lufthansa verweisen auf ein "Recht auf Privatsphäre" bzw. "Persönlichkeitsschutz". Versuchen Sie einmal, mit diesem Argument bei Ihrem Chef (sofern Sie Angestellter sind) durchzusetzen, dass er die Höhe Ihrer Bezüge nicht mehr wissen darf ...

Die Allianz verweigert diese Infos wegen der "Gefahr der Nivellierung" und Infineon spricht wohlklingend von der "gemeinschaftlichen Verantwortung" – als ob das ein Argument gegen die individualisierte Veröffentlichung der Vorstandsbezüge wäre.

Das regt mich wirklich auf. Und man sieht daran auch, dass die Arbeit von der sogenannten "Corporate-Governance-Kommission" nichts gebracht hat. Diese Kommission sollte Richtlinien für die Unternehmensführung/-kommunikation erarbeiten. Die genannten Vorstände waren an der Arbeit beteiligt. Wenn dabei aber noch nicht einmal die Pflicht zur individualisierten Veröffentlichung der Vorstandsbezüge herausgekommen ist, dann hat es sich wohl um eine große Luftnummer mit wohlklingenden Namen gehandelt. Naja, wenigstens reichlich Spesen werden die Beteiligten dieser Kommission für ihre "Arbeit" ja geltend machen können.

Mein Rat: Wenn Sie Aktionär der betreffenden Gesellschaften sind, dann unterstützen Sie auf der Hauptversammlung die Anträge derjenigen Kleinaktionäre, die auf eine individualisierte Veröffentlichung der Vorstandsbezüge drängen und den Vorständen sonst die Entlastung verweigern wollen! Befolgen Sie keineswegs nur blind die Vorschläge, die Ihnen z.B. die depotführende Bank macht ("Wir empfehlen, bei allen Punkten im Sinne des Vorstands zu entscheiden" ...). Nur so lässt sich wirklich Druck auf die betreffenden Vorstände aufbauen! Obwohl meine Hoffnung da leider sehr gering ist ...

Freundliche Grüße,

Michael Vaupel

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Michael Vaupel
Michael Vaupel

Michael Vaupel ist einer der führenden Rohstoff- und Derivate-Experten. Bereits während seiner Studienzeit hat er als Finanzjournalist und Analyst gearbeitet.

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