Palladium in 2011 – auf 2 Faktoren kommt es an
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 22. Februar 2011, 20:00 Uhr
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Nachdem wir uns in der letzten Woche schon einen Rückblick auf die Palladium-Preis-Entwicklung im vergangenen Jahr, sowie einen Überblick über Angebot und Nachfrage gegönnt haben, möchte ich heute an dieser Stelle weitermachen, mit einem Ausblick auf das Palladium im aktuellen Jahr.
Fassen wir zunächst noch einmal unsere bisherigen Erkenntnisse zusammen:
Die Nachfrage seitens der Industrie und hier vor allem seitens der Automobilindustrie wächst stark. Auch die Investmentnachfrage wächst weiter.
Auf der anderen Seite wächst zwar auch das Angebot, aber nicht so schnell wie die Nachfrage. Deshalb dürfte sich der Angebotsüberschuss im Palladium-Markt im letzten Jahr auf nur noch 45.000 Unzen reduziert haben, nach einem Überschuss von 780.000 Unzen in 2009.
Unsere Ausgangslage umfasst also ein recht enges Angebotsverhältnis und eine wachsende Nachfrage. Für 2011 kommt es aber in diesem Zusammenhang ganz besonders auf 2 Faktoren an: die chinesische Nachfrage und das russische Angebot.
China und die Nachfrageentwicklung
Im vergangenen Jahr hat sich die weltweite Nachfrage nach Palladium seitens der Industrie (mit Ausnahme der Schmuckindustrie) bereits deutlich erholt. Das beeindruckende Wachstum hat voraussichtlich sogar das Wachstum der weltweiten Investmentnachfrage übertrumpft.
Für dieses Jahr bleibt abzuwarten, wie sich das Wirtschaftswachstum insbesondere in Europa und den USA nun tatsächlich entwickeln wird. Auf der anderen Seite dürfte aber gerade China, trotz der Straffungsmaßnahmen, ein anhaltend starkes Wachstum begründen - schließlich haben auch im letzten Jahr die Straffungsmaßnahmen dem starken chinesischen Wachstum keinen Abbruch getan.
Hier kommt es dann insbesondere auf die Nachfrage seitens der chinesischen Automobilindustrie an, die sowieso den größten Anteil an der chinesischen Gesamtnachfrage begründet. In anderen Ländern und Regionen ist es ebenfalls die Automobilindustrie, deren Anteil an der Gesamtnachfrage am höchsten ist. Im vergangenen Jahr ist die Nachfrage nach Palladium seitens der chinesischen Automobilindustrie um 36% gestiegen. Selbst wenn wir für dieses Jahr sogar von einem etwas weniger dynamischen Wachstum ausgehen, so dürfte das dennoch hohe Nachfragewachstum, so wie das zu erwartende dynamische Nachfragewachstum außerhalb der OECD-Staaten, stark genug sein, um den Palladium-Markt zumindest in ein ausgeglichenes Angebotsverhältnis zu versetzen.
Denn immerhin hat nicht nur Chinas Automobilmarkt noch ein gewaltiges Potenzial aufzuholen. Und ich spreche hierbei nicht nur von den Personenkraftwagen, deren Absatz, bei steigendem Wohlstand und stärkerer Ausrichtung auf den Konsum, langfristig weiter wachsen wird. Tatsächlich sind die meisten PKWs in China und anderen Emerging Markets mit Benzinmotoren ausgestattet und deren Abgaskatalysatoren enthalten zum größten Teil Palladium.
Lastkraftwagen sind dagegen hauptsächlich mit Diesel-Motoren ausgestattet. Deren Abgaskatalysatoren enthalten zwar überwiegend Platin, doch so lange Palladium günstiger ist als Platin, steigt auch die Verwendung von Palladium in Diesel-Abgaskatalysatoren, als Ersatz für Platin. Und tatsächlich sind in China im letzten Jahr die LKW-Verkäufe um fast 30% gestiegen gegenüber dem Vorjahr - trotz Straffungsmaßnahmen, aber dank des anhaltend starken chinesischen Wirtschaftswachstums.
Russland und die Angebotsentwicklung
Während wir also für dieses Jahr durchaus von einer weiter wachsenden Nachfrage ausgehen können, ist der Angebotsüberschuss im Palladium-Markt mittlerweile nur noch sehr gering. Läuft alles "normal", dann könnte der Palladium-Markt in diesem Jahr ein ausgeglichenes Nachfrage- und Angebotsverhältnis erreichen. Doch, wie ich in der letzten Woche schon schrieb, könnte sich die Angebotssituation spätestens im kommenden Jahr noch drastisch verschärfen. Das Zünglein an der Waage ist hierbei Russland. Sie wissen, die drittgrößte Angebotsquelle sind die russischen Verkäufe aus den staatlichen Lagerbeständen. Im vergangenen Jahr wurden durch diese über 1 Million Unzen Palladium bereit gestellt. Sollte diese Angebotsquelle versiegen, wie von Norilsk Nickel bereits vorgewarnt, dann könnte der Markt sogar in ein Angebotsdefizit rutschen.
Nun ja, es bleibt am Ende immer abzuwarten, wie sich das Verhältnis von Angebot und Nachfrage schließlich tatsächlich entwickeln wird, aber die fundamentalen Aussichten sprechen zumindest für weiterhin hohe Preise.
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