Outbreak: Die Gefahr einer Pandemie für die Finanzmärkte
Markus Miller in Kapital & Steuern Global zum Thema Kapitalschutz
vom 19. Juni 2008, 16:00 Uhr
Die Kreditkrise, Inflationsgefahren, Unternehmensgewinne, Gold, Rohstoffe und vor allem der Ölpreis, der Ölpreis und nochmals der Ölpreis. Das sind die Themen welche aktuell an den Finanzmärkten gespielt werden. Ich habe Ihnen in der letzten Ausgabe ja einmal die Geopolitischen Risiken unserer Welt vorgestellt, auch im Hinblick auf Terrorgefahren die mittlerweile fast schon zu stark in den Hintergrund gerückt sind.
Ein Themenbereich über den ich mittlerweile fast gar nichts mehr lese, sind im Übrigen die Gefahren durch mögliche Virulenten Epedemien und Pandemien. Ohne hier einen Dauerpessimismus ins Spiel bringen zu wollen, bin ich der festen Überzeugung, dass es nur eine Frage der Zeit sein wird, bis eines Tages ein bakterieller Virus unsere Gesellschafts- und Wirtschaftssysteme bedrohen wird.
An den Virus HIV und Aids haben wir uns ja mittlerweile gezwungenermaßen gewöhnt. Was aber wenn einst fiktive Filme wie "Outbreak - Lautlose Killer" - ein Krankheitserreger mutiert und springt von einem Tier auf den Menschen über, verbreitet sich dramatisch schnell und führt ebenso schnell zum Tod - einmal Wirklichkeit werden sollte?
Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Epedemie und Pandemie?
Eine Epidemie ist die zeitliche und örtliche Häufung einer Krankheit innerhalb einer Population, wobei es sich dabei im engeren Sinn um Infektionskrankheiten handelt. Epidemisch auftretende Krankheiten sind viele Tropenkrankheiten wie die Dengue, aber auch Cholera, Grippe, Typhus, Pest oder die Kinderlähmung.
Unter Pandemie versteht man eine länder- und kontinentübergreifende Ausbreitung einer Krankheit, im engeren Sinn einer Infektionskrankheit. Bei Tierkrankheiten wird der Begriff Panzootie verwendet. Im Gegensatz zur Epidemie ist eine Pandemie somit örtlich nicht beschränkt. Auch bei Pandemien gibt es Gebiete, die nicht von der Krankheit betroffen werden. Durch ihre abgeschiedene Lage können manche Gebirgstäler, Völker im Urwald oder Bewohner einsamer Inseln von einer Infektion beispielsweise verschont bleiben.
Es gab und gibt auch in unserer jüngeren Geschichte grosse Pandemien. Die Spanische Grippe (1918-1920) mit weltweit 500 Millionen Kranken und 25 bis 50 Millionen Toten. Die Asiatische Grippe (1957) mit einer Million Toten. Die Hongkong-Grippe (1968) mit 700.000 Toten oder natürlich wie schon gesagt AIDS (seit etwa 1980). Mittlerweile dürfte es weit mehr als 25 Millionen Tote geben und circa 40 Millionen Infizierte.
Pandemiephasen laut WHO
Die WHO unterscheidet zwischen insgesamt sechs Pandemiephasen:
+ Phase 1: Es wurde ein neuer Virus-Subtyp in Tieren entdeckt, ohne dass eine Gefahr für den Menschen besteht.
+ Phase 2: Es wurde ein neuer Virus-Subtyp in Tieren entdeckt, der als möglicherweise gefährlich für den Menschen eingeschätzt wird.
+ Phase 3: Beginn der Alarmphase: Vereinzelt werden Menschen infiziert, es erfolgt aber keine Übertragung von Mensch zu Mensch oder nur sehr selten und dann auch nur bei engstem Kontakt der Infizierten zueinander.
+ Phase 4: Kleine, örtlich begrenzte Häufungen von Infektionen mit vereinzelten Mensch-zu-Mensch-Ansteckungen, was nahelegt, dass das Virus nicht gut an den Menschen angepasst ist.
+ Phase 5: Erhebliches Pandemie-Risiko: Große, aber noch immer vereinzelte Häufungen von Infektionen mit örtlich begrenzten Mensch-zu-Mensch-Übertragungen, was nahelegt, dass das Virus zunehmend besser an den Menschen angepasst ist, aber noch nicht vollständig von Mensch zu Mensch übertragbar ist.
+ Phase 6: Beginn der Pandemie: Wachsende und anhaltende Übertragungen von Mensch zu Mensch in der gesamten Bevölkerung.
Verbreitung und Ausbreitung
Flugrouten sind heute die schnellsten Ausbreitungswege von Infektionskrankheiten. So entwickelte sich AIDS, das durch das HI-Virus verursacht wird, unter anderem durch den Flugtourismus von einem lokalen zu einem weltweiten Problem.
Deutlich wird dieser Effekt auch an der Verbreitung von SARS im Jahre 2003. Während man in Asien noch von klassischen Verbreitungswegen ausgehen konnte, zeigte die zunehmende Zahl der Erkrankungen in Kanada diesen Reise-Effekt recht deutlich. Die Pest im Mittelalter kam wahrscheinlich an Bord von Handelsschiffen von Asien nach Europa.
Natürlich können sich manche Krankheitserreger, je nach Übertragungsweg, auch ohne solche "technischen Hilfsmittel" schnell über große Flächen und Entfernungen ausbreiten, doch verhindern dabei meist geographische Barrieren die weltweite Verbreitung.
Selbst eine Grippepandemie hätte gravierende Auswirkungen auf die Weltwirtschaft
Trotz der Befürchtungen 1976 in New Jersey (Schweinegrippe), der weltweiten Ängste des Jahres 1977 (Russische Grippe) und bestimmter Vermutungen in Hongkong 1997 (Vogelgrippe) gab es nach der Infektionswelle 1968 keine weitere große Pandemie mehr. Ein verbesserter Immunschutz durch Antikörper und die Entwicklung von Grippeimpfstoffen vereitelten die Verbreitung des Virus und konnten bisher weitere dramatische Pandemien verhindern.
Angesichts einer Weltbevölkerung von 6.5 Milliarden, die sich seit 1918 mehr als verdreifacht hat, könnte allerdings heute sogar eine relativ harmlose Pandemie viele Millionen Menschenleben kosten.
Experten halten eine neuerliche Pandemie für unvermeidlich. Doch wann wird sie ausbrechen?
Während uns die Grippewelle des Jahres 1918 (die Spanische Grippe) leider kaum Aufschluss über ihre Auswirkungen auf die Finanzmärkte gibt, lassen sich die Folgen für die Weltwirtschaft und der Einfluss auf die Finanzmärkte doch abschätzen. Umsätze und Gewinne in allen Sektoren hätten unter einer Grippepandemie zu leiden. Die volkswirtschaftlichen Kosten des Ausbruchs von Infektionskrankheiten werden heute zunehmend zu einem globalen Problem. Es gibt Branchen die dramatisch darunter zu leiden hätten wie beispielsweise die Luftfahrtindustrie, aber natürlich auch Branchen die enormen Profit daraus schlagen könnten wie beispielsweise Pharmaunternehmen mit entsprechenden Impfstoffen.
Übrigens die Themenausgabe Spezial "Internationale Bankplätze" von Kapital & Steuern vertraulich ist auch ein Beispiel dafür, wie wichtig die Strategie auch für Sie ist. Sie sollten Ihr Vermögen auf unterschiedliche Bankplätze und Anbieter verteilen. Was machen Sie wenn Sie Ihr ganzes Geld nur bei einer Bank oder einem Discountbroker haben und gerade dort fallen aufgrund von Krankheiten, Umwelteinflüssen oder Missmanagement Ihre gesamten Ansprechpartner aus? Mehrere voneinander unabhängige Bankverbindungen sind aus meiner Sicht - vor allem bei größeren Vermögenswerten - unbedingt notwendig im Sinne eines ganzheitlichen Risikomanagements!
Ihr Markus Miller