Osteuropa: Krise hat heftige Spuren hinterlassen
Volkmar Michler in Profit Radar
vom 11. Februar 2011, 19:00 Uhr
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Weiter geht es hier im Profit Radar zu den Anlagechancen in Osteuropa.
Mit der Finanz- und Wirtschaftskrise der letzten Jahre auch der Absturz. Die meisten osteuropäischen Länder haben sich vom Hoffnungsträger zum Albtraum entwickelt. Aus diesem Grund haben wir um die Börsen Osteuropas lange einen großen Bogen gemacht. Dass, was Griechenland und Irland jetzt durchmachen (und vielleicht folgen ja noch Portugal und Spanien), haben eine ganze Reihe von osteuropäischen Ländern schon hinter sich. Nämlich einen Beinahe-Staatsbankrott.
Als eines der ersten Länder musste Ungarn beim IWF betteln gehen, die Ukraine, Lettland und Weißrussland waren ebenfalls fast pleite. Hinzu kamen politische Turbulenzen, nicht nur in Ungarn. Die Folge: Anleger haben in Scharen die Region verlassen und sämtliche Börsen über einen Kamm geschoren.
Auch in Russland hat die Krise heftige Spuren hinterlassen und gleichzeitig die Schwachstellen schonungslos offengelegt. Als einer der größten Energieproduzenten der Welt konnte Russland bei steigenden Öl- und Gaspreisen lange Zeit sehr gut leben und hohe Überschüsse erzielen. Durch die einseitige Ausrichtung auf den Energie- und Rohstoffsektor hat sich in Russland aber auch ein gigantischer Modernisierungsbedarf aufgestaut. Während die westlichen Industriegesellschaften in den letzten Jahren, ja sogar Jahrzehnten einen nachhaltigen Modernisierungsprozess durchlaufen haben, wurde das postsowjetische Russland davon weniger erfasst.
Doch darin liegt für Sie als Anleger jetzt eine besondere Chance. Denn nach verhaltenem Start im letzten Jahr befindet sich Russland jetzt wieder eindeutig auf Erholungskurs. Der Staatshaushalt ist sogar besser als geplant ausgefallen, das Haushaltsdefizit fällt geringer als erwartet aus.
Das hat natürlich mit den wieder anziehenden Rohstoffpreisen zu tun. Aber auch die Industrieproduktion nimmt wieder zu, die Beschäftigung wächst, Löhne und Renten steigen ebenfalls. Deshalb wird auch der anziehende Konsum den russischen Aktienmarkt beflügeln.
Während in Deutschland die Ausstattung mit Konsumgütern längst an Sättigungsgrenzen stößt, hat Russland in vielen Bereichen noch ein gewaltiges Aufholpotenzial vor sich. Nehmen Sie als Beispiel die Ausstattung der Haushalte mit Autos, Fahrrädern, Videorekordern, Hifi-Anlagen, Computern, Mikrowellen und Geschirrspülern. Hier liegen die Ausstattungsraten der deutschen Haushalte zwischen 70% bis 90%.
In Russland liegt diese Rate eher im Bereich von 20% bis 35%. Noch nicht einmal 20% der russischen Haushalte haben einen Computer, ähnlich sieht es bei Mikrowellen und Geschirrspülern aus. Nur rund ein Drittel der Russen haben ein Auto. Entsprechend hoch sind die Wachstumsraten. Während der deutsche Automobilmarkt bestenfalls stagniert und die deutschen Autobauer immer abhängiger von China werden, holt Russland gewaltig auf und hat sich bereits zum drittgrößten Automobilmarkt in Europa entwickelt. Mit über 140 Mio. Einwohner ist Russland der mit Abstand wichtigste Absatzmarkt des ehemaligen Ostblocks. Auch deshalb zählt Russland in Osteuropa zu unseren Favoriten.