Optionsstrategien: Wann Sie einen Bull Call Spread vorziehen sollten
Miriam Kraus in Devisen-Monitor zum Thema Derivate & Hebelprodukte
vom 13. März 2009, 12:00 Uhr
ENL5454
Hallo liebe Leser,
ich freue mich Sie heute wieder zu den Optionsstrategien begrüßen zu dürfen. Nach wie vor beschäftigen wir uns mit dem Bull Call Spread. In der letzten Ausgabe konnten wir zwei übergeordnete Vorteile, welche der Bull Call Spread gegenüber einem schlichten Long Call aufweist, ausmachen:
- die Kosten sind geringer
- das Gesamtrisiko ist geringer (Griechen)
Doch in welchen Situationen ist ein Bull Call Spread überhaupt die bessere Alternative?
Ich halte folgende zwei Szenarien für besonders wichtig:
Geringere Bewegungen des Underlyings
Ein besonderer Vorteil besteht natürlich darin, dass der Bull Call Spread günstiger ist als der Long Call, allerdings sind die Möglichkeiten oder Gewinnchancen des Spreads nicht die gleichen wie beim Long Call.
Vergessen wir nicht: die Gewinne sind beim Bull Call Spread limitiert und zwar bis zum oberen Strikepreis bei der Ausübung.
Wenn das Underlying über den oberen Strikepreis steigt profitiert man beim Spread daran nicht mehr, beim Long Call dagegen schon.
Grundsätzlich kommt es daher natürlich auf Ihre Erwartungshaltung an: wenn Sie kleinere Bewegungen erwarten (also keinen kräftigen, sondern einen im Vergleich geringeren Anstieg des Underlyings) dann ist der Bull Call Spread das Mittel der Wahl.
Wenn die Zeit vergeht!
Auch auf die Zeit kommt es zwingend an! Denn je mehr Zeit vergeht, desto einträglicher wird der Bull Call Spread mit seinem niedrigeren Theta.
Ziehen wir ein Beispiel, anhand unserer zuvor genutzten Beispieldaten zu Rate:
Wir nehmen an:
Aktie X notiert bei 49 Euro
Der 50er Call kostet 2 Euro.
Der Spread kostet 1,50 Euro.
Wenn Aktie X nun zum Ausübungsdatum bei 60 Euro notiert:
Dann ist sowohl der Call 10 Euro wert, als auch der Spread.
Daraus ergibt sich für den Call ein Gewinn von 400%. Der Spread dagegen hat sogar um 566 % zugelegt, ist also die gewinnbringendere Alternative.
Wenn Aktie X nun aber schon nach kurzer Zeit (also weit vor dem Ausübungsdatum) bei 60 Euro notiert, dann ist der Call etwas mehr wert als 10 Euro, der Spread allerdings etwas weniger als 10 Euro. Steigt Aktie X aber nach kurzer Zeit bereits viel höher, zum Beispiel bis auf 70 Euro, dann ist der Long Call schon wesentlich mehr wert als der Spread, dessen Gewinne ja limitiert bleiben.
Der Spread muss also bis zur Ausübung gehalten werden um - durch den rückläufigen Einfluss der Short-Option - seine Gewinnmöglichkeiten voll zu entfalten.
So viel vorerst zum Bull Call Spread, liebe Leser. Am kommenden Mittwoch geht es dann weiter mit dem Bear Call Spread und schließlich den zugehörigen Schaubildern zu beiden Spread-Positionen.
Ich wünsche Ihnen ein wunderschönes Wochenende, liebe Grüße und wir lesen uns am Mittwoch an dieser Stelle wieder!
Ihre Miriam Kraus
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