Optionsstrategien: Wann ein Bear Put Spread angewendet wird
Miriam Kraus in Devisen-Monitor zum Thema Devisen & Devisenhandel
vom 17. April 2009, 12:00 Uhr
ENL5462
Hallo liebe Leser,
und wieder freue ich mich, Sie herzlich Willkommen heißen zu dürfen, zu den Optionsstrategien. Heute wollen wir uns damit beschäftigen wann ein Bear Put Spread angewendet wird, oder besser gesagt welche Erwartungshaltung der Trader überhaupt hat, wenn er einen Bear Put Spread eingeht.
In der letzten Ausgabe vom Mittwoch haben wir festgestellt, dass die Nettoprämie, welche der Trader für den Spread bezahlt niedriger ist als jene für den einfachen 80er Put.
Doch, ist dieser Vorteil wirklich ausschlaggebend dafür den Spread dem Put vorzuziehen?
Nun zum einen ist zwar das Verlustrisiko (welches sich auf die eingesetzte Prämie beschränkt) beim Spread geringer als beim Put.
Zum anderen ist beim Spread aber auch das maximale Gewinnpotenzial limitiert. In unserem Beispiel auf 3,70 Euro.
Warum also zieht der Trader, wenn er eine bärische Grundhaltung hat (was schon das negative Delta impliziert), den Spread dem Put vor?
Die Antwort ist einfach: der Trader erwartet zwar durchaus, dass der Kurs von Aktie X fällt, aber nur moderat. In unserem Beispiel würde der Trader in etwa einen Kursrücksetzer auf 75 Euro erwarten.
Wie könnte der Trader zu dieser Erwartungshaltung kommen?
Nun, möglicherweise hat Aktie X zuvor eine stärkere Rallye hingelegt und notiert nun knapp über 80 Euro. Der Trader erwartet nun schlicht und ergreifend einen kurz- bis mittelfristigen (und das ist wichtig) langsameren, moderaten Kursrücksetzer auf etwa 75 Euro.
Wichtig: der Faktor Zeit!
In der letzten Ausgabe haben wir das niedrigere Theta als Vorteil ausgewiesen. Tatsächlich ist der Faktor Zeit sehr bedeutsam und der Spread im Grunde eine Income-Generating-Position über die Zeit hinweg. Aber der Trader erwartet im Grunde, dass Aktie X bei Ausübung der Optionen in etwa bei 75 Euro notiert.
Was passiert nun aber, wenn Aktie X sehr rasch (also weit vor dem Ausübungsdatum) um 5 Euro fällt?
Nun, nehmen wir an dieser Kursrücksetzer geschieht innerhalb eines Tages. Ein Delta von etwa - 0,36 impliziert dann einen Profit von circa 1,80 Euro (OS-Rechner), wenn der Trader dann die Position auflöst.
Doch 1,80 Euro sind deutlich weniger als die maximale Gewinnchance von 3,70 Euro. Was wird der Trader also tun?
Erneut kommt es auf die Erwartungshaltung des Traders an. Wenn der Trader nun davon ausgeht, dass der Kursrücksetzer gelaufen ist und Aktie X in der Folge wieder steigen wird, wird er mit Sicherheit den Gewinn mitnehmen.
Geht er allerdings davon aus, dass Aktie X nun zunächst eine Seitwärtsbewegung vollziehen wird, wird er die Position weiter halten und einfach abwarten. Denn über die Zeit wird der Wert der Position (sofern der Trader mit seiner Erwartungshaltung richtig liegt) steigen und - wie gesagt sollte der Trader richtig liegen - am Ende bei Ausübung dann doch noch einen höheren Gewinn abwerfen.
Fazit
Wie gesagt, erwartet der Trader eine rasche Kursbewegung (also einen raschen Kursrücksetzer) wird er mit Sicherheit den 80er Put vorziehen. Erwartet er allerdings, dass der Kursrücksetzer sich nur langsam und bis zum Ausübungsdatum hinzieht, dann kann der Spread die Position sein, welche der Trader vorzieht. Der Faktor Zeit muss in diesem Fall miteinbezogen werden!
So viel fürs Erste zum Bear Put Spread, liebe Leser. Am kommenden Mittwoch geht es dann weiter mit dem Bull Put Spread.
Bis dahin, liebe Grüße und ein sonniges Wochenende wünscht
Ihre Miriam Kraus
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