Optionsstrategien: Wann ein Bear Call Spread angewendet wird
Miriam Kraus in Devisen-Monitor zum Thema Derivate & Hebelprodukte
vom 27. März 2009, 12:00 Uhr
ENL5454
Hallo liebe Leser,
ein weiteres Mal heiße ich Sie Herzlich Willkommen zu den Optionsstrategien. Nach wie vor beschäftigen wir uns mit dem Bear Call Spread, nachdem wir zuvor den Bull Call Spread abgeschlossen haben.
Am vergangenen Mittwoch haben wir uns mit den Vorteilen des Bear Call Spread beschäftigt, die uns allerdings schon an die zugrunde liegende Erwartungshaltung des Traders, der einen solchen Spread eingeht herangeführt haben.
Als ersten Vorteil haben wir ausgemacht, dass der Trader bereits dadurch dass er die Position überhaupt eingeht, eine Nettoprämie - in unserem Beispiel 1,50 Euro - generiert". Diese Nettoprämie kann der Trader allerdings nur dann tatsächlich in einen Gewinn umwandeln, wenn das zugrunde liegende Underlying den Break Even nicht überschreitet (in unserem Beispiel dürfte Aktie X nicht höher als 51,50 Euro notieren, damit die Strategie noch einen Gewinn abwirft).
Das zu favorisierende Ergebnis tritt allerdings erst dann wirklich ein, wenn Aktie X bei 50 Euro oder darunter notiert. Erst dann kann der Trader die volle Nettoprämie in einen Gewinn umwandeln.
Was sagt dies über die zugrunde liegende Erwartungshaltung des Traders aus?
Nun, das negative Delta (siehe Ausgabe vom Mittwoch) besagt, dass diesem Spread eine bärische Erwartungshaltung zugrunde liegt.
Aber...erwartet der Trader denn einen massiven Kursrückgang in Aktie X?
Nein, das tut er nicht! Würde er einen massiven Kurssturz erwarten, hätte er die Position wohl erstens nicht durch den Kauf des 60er Calls abgesichert, sondern zweitens wohl eher gleich einen Put gekauft.
Was erwartet der Trader nun eigentlich genau?
Im besten Fall einen leichten Kursrückgang von Aktie X, oder zumindest nur äußerst geringe Bewegungen im Underlying (vor allem wenn er die Position eingegangen ist, während Aktie X bereits leicht unter 50 Euro notiert).
Der Trader hat also nur eine leicht bärische, bis fast schon neutrale Erwartungshaltung.
Im Grunde kann man die Handlungen des Traders so beschreiben:
Der Trader erwartet nur wenig Kursbewegung im Underlying, im besten Fall einen leichten Kursrückgang. Dann geht er die Position ein und wartet einfach ab. Wenn am Ende Aktie X tatsächlich knapp unter 50 Euro notiert, dann hat er sein Ziel erreicht: der Spread verfällt schließlich einfach wertlos und der Trader kann die gesamte Nettoprämie als Gewinn einstreichen. Zudem sind im Ernstfall - falls sich der Markt entgegen seiner Erwartungshaltung bewegt - seine Verluste limitiert.
Was passiert nun aber, wenn Aktie X frühzeitig sehr stark fällt?
Dann wird der Trader den 50er Call frühzeitig schließen und seinen Gewinn (ich sage einmal den Löwenanteil des Gewinns - denn der Trader muss natürlich in diesem Fall immer noch ein wenig Geld in die Hand nehmen, um die Option zurückzukaufen) mitnehmen.
Den 60er Call dagegen wird er vorerst behalten, denn ein Verkauf macht zu diesem Zeitpunkt keinen Sinn.
Schließlich bestehen für den Trader dann noch immer zwei Möglichkeiten:
Entweder der 60er Call verfällt am Ende wertlos (was sowieso der eigentlichen Erwartungshaltung entsprochen hätte).
Oder Aktie X steigt bis zum Ende der Laufzeit doch noch einmal sehr stark und der Trader (der durch den Verkauf des 50er Calls ja nun eine bullische Position hält) profitiert noch einmal vom Anstieg des Underlyings.
Das wars für heute liebe Leser. Am kommenden Mittwoch geht es dann weiter mit den Schaubildern der beiden Spreads zur Verdeutlichung und einer Zusammenfassung der beiden Strategien.
Ich wünsche Ihnen ein sonniges Wochenende und bis nächsten Mittwoch...
Liebe Grüße
Ihre Miriam Kraus
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