Optionsstrategien: Vola-Szenarien verstehen
Miriam Kraus in Devisen-Monitor zum Thema Derivate & Hebelprodukte
vom 22. Juli 2009, 12:00 Uhr
ENL5454
Hallo liebe Leser,
ich freue mich sehr, Sie auch heute wieder zu den Optionsstrategien begrüßen zu dürfen. Während wir uns mit dem Long Straddle beschäftigt haben, (welcher noch nicht abgeschlossen ist) haben wir herausgefunden, wie wichtig es ist auf Veränderungen in der impliziten Volatilität zu achten, um den richtigen Einstieg zu finden.
Aus diesem Grund habe ich in der letzten Ausgabe vom vergangenen Freitag damit begonnen, ein Zwischenthema einzuschieben, mit welchen wir uns nun vorerst ausführlicher beschäftigen wollen: verschiedene Vola-Szenarien zu analysieren.
Sie erinnern sich: wichtig ist es, sowohl die historische/realisierte, als auch die implizite Volatilität zu betrachten.
In der letzten Ausgabe haben wir uns mit dem Szenario beschäftigt in dem sowohl die historische, als auch die implizite Volatilität ansteigen.
Heute nun zum nächsten Szenario:
- Wenn sowohl die historische, als auch die implizite Volatilität fallen
In manchen Situationen, wenn eine ausgedehnte Zeitperiode mit extrem hohen historischen Volatilitäten zum Ende kommt, ist es möglich eine Aussage über das Verhalten der impliziten Volatilität zu treffen. Sicher, im Grunde kann niemand in die Zukunft blicken, aber dennoch...
Evaluieren wir zunächst, wie es möglicherweise zu einer ausgedehnten Zeitperiode mit hohen Volatilitäten gekommen ist: da wir uns ja mit dem Underlying der Aktien beschäftigen, handelt es sich hier wahrscheinlich um eine Zeitperiode mit extrem wichtigen News, oder der Erwartung auf wichtige Events, wodurch starke Bewegungen im Underlying immer wahrscheinlicher werden - also hohe Volatilitäten.
Nehmen wir nun an, es handelte sich hierbei um die Erwartung eher negativer Szenarios: vielleicht war das Unternehmen in ein Gerichtsverfahren verstrickt, oder es gab Gerüchte über einen unpopulären Wechsel im Management, oder politische Auflagen haben das Unternehmen unter Druck gesetzt, oder ähnliches....
Und nun nehmen wir an, dieses negative Event löst sich plötzlich in Wohlgefallen auf: das Unternehmen gewinnt das Gerichtsverfahren, Gerüchte stellen sich als falsch heraus, politische Auflagen werde zurückgezogen usw.
Dies ist nun der Punkt an dem - ich sage es einmal so - eine Entspannung eintritt und die realisierte/historische Volatilität wieder fällt. In diesem Szenario ist es dann sehr wahrscheinlich, dass auch die implizite Volatilität nun entlang der realisierten Vola fällt.
Bisweilen kann es nach einer langen Zeitspanne mit sehr hohen Volatilitäten, oder wenn ein Ereignis eintritt, welches die Aktie fundamental verändert (zum Beispiel bei einer Fusion, oder einem Spin-Off), schwer sein zu evaluieren, wie weit die Volas eigentlich fallen sollten, welcher Wert sozusagen einer "normalen", durchschnittlichen Vola entspricht und wann die Volas günstig erscheinen.
In diesem Falle kann es sich lohnen die Volas anderer Aktien, aus dem gleichen industriellen Sektor als Benchmark zu betrachten!
So viel für heute, liebe Leser. Am kommenden Freitag geht es dann weiter mit verschiedenen Vola-Szenarien und deren Interpretation....
Bis dahin, liebe Grüße und noch einen schönen Tag wünscht
Ihre Miriam Kraus
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