Optionsstrategien: Time Spreads – Chancen und Risiken
Miriam Kraus in Devisen-Monitor zum Thema Derivate & Hebelprodukte
vom 12. Juni 2009, 12:00 Uhr
ENL5454
Hallo liebe Leser,
ich freue mich herzlich Sie auch heute wieder zu den Optionsstrategien begrüßen zu dürfen. Wir beschäftigen uns gegenwärtig mit den Time-Spreads, welche wir in das übergeordnete Thema Jelly Rolls eingeschoben haben. In der letzten Ausgabe vom vergangenen Mittwoch, haben wir die 4 verschiedenen Time-Spreads behandelt und festgehalten, dass eine Jelly Roll immer aus einer Kombination von 2 verschiedenen Time-Spreads besteht.
Heute wollen wir uns noch einmal ausführlicher mit den Chancen und Risiken der Time-Spreads und mit der zugrunde liegenden Erwartungshaltung des Traders beschäftigen.
Time-Spreads
...Wenn der Trader einen Time-Spread kauft (also Long Time Spread), dann tritt das zu favorisierende Szenario ein, wenn der Kurs des Underlyings, bei Ende der Laufzeit, beim Strike-Preis liegt.
...Wenn der Trader einen Time-Spread verkauft (also Short Time Spread), dann tritt das zu favorisierende Szenario ein, wenn der Kurs des Underlyings, bei Ende der Laufzeit, so weit wie möglich vom Strike-Preis entfernt liegt.
Erwartungshaltung - ein Beispiel
Nehmen wir als Beispiel einen Long Time Spread. Für den Trader könnte sich ein Long Time Spread als eine gute Position herausstellen, wenn er davon ausgeht, dass der Kurs des Underlyings zunächst bis zu einem bestimmten Strike-Preis läuft und dann dort verharrt, bis die Option mit kürzerer Laufzeit ausläuft.
Das maximale Verlustrisiko wären hier dann die eingesetzten Kosten.
Das maximale Gewinnpotenzial hängt hier dann vom Wert der Option mit längerer Laufzeit, bei Ende der Laufzeit der Option mit kürzerer Laufzeit ab.
Ein besonderes Risiko bei Time-Spreads besteht natürlich aufgrund der Short Optionen
Wir immer, wenn eine Option verkauft wird, besteht ein ganz bestimmtes Risiko: das Pin Risk (also das Risiko, welchem sich der Verkäufer einer Option gegenüber sieht, wenn der Kurs des Underlyings dem Ausübungspreis nahe kommt. Das Risiko besteht dann darin, dass sich der Käufer der Option entscheiden könnte, die Option auszuüben.).
Ein Beispiel:
Ziehen wir als Beispiel einen Long Put Time Spread hinzu. Sie erinnern sich: dieser besteht aus dem Verkauf einer Put-Option mit kürzerer Laufzeit und dem Kauf einer Put-Option, mit längerer Laufzeit.
Wenn der Käufer der Put-Option (in unserem Beispiel ein Juli-Put auf Aktie X), sich dazu entscheidet, seine Option auszuüben, dann wird unser Trader plötzlich Long Stock. Das heißt, er muss dem Käufer Aktie X zum Strike-Preis abkaufen.
Dadurch verändert sich seine Gesamtposition. Zusammen mit dem - in unserem Beispiel - Oktober-Put, den der Trader ja noch hält, ist er nun plötzlich Synthetic Long Call.
Es ist nicht so, dass diese Position nun ein unlimitiertes Verlustrisiko bereit hält, der springende Punkt aber ist folgender:
Unser Trader (also der Verkäufer der Put-Option), war gezwungen vom Käufer der Put-Option Aktie X zum Preis von 100 Euro zu übernehmen.
Das bedeutet, unser Trader war gezwungen eine ganze Menge Cash in die Hand zu nehmen um Aktie X zu kaufen. Hoffen wir also, dass seine Cash-Position - oder im praktischen Falle die hinterlegte Margin - hoch genug ist!
Dieses Risiko müssen Sie als Verkäufer einer Option immer bedenken!!!!
So, liebe Leser, das soll es fürs Erste wieder einmal gewesen sein. Am kommenden Mittwoch werde ich zunächst noch einmal ganz gezielt auf das einzelne Gewinn- und Verlustpotenzial bei den 4 Time-Spreads eingehen.
Ich wünsche Ihnen noch ein schönes und sonniges Wochenende, liebe Grüße und bis nächsten Mittwoch...
Ihre Miriam Kraus
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