Optionsstrategien: (Long Straddle) Vola-Bewegungen analysieren
Miriam Kraus in Devisen-Monitor zum Thema Derivate & Hebelprodukte
vom 17. Juli 2009, 12:00 Uhr
ENL5454
Hallo liebe Leser,
ich freue mich Sie auch heute wieder zu den Optionsstrategien begrüßen zu dürfen. Wir beschäftigen uns aktuell noch immer mit dem Long Straddle.
Sie erinnern sich: in der letzten Ausgabe vom vergangenen Mittwoch habe ich Ihnen ein paar Tipps für den Kauf eines Long Straddle gegeben. Unter anderem haben ich darauf hingewiesen, wie wichtig es ist auf den richtigen Zeitpunkt zu achten um Volatilität günstig zu kaufen. Ich schrieb: Hierfür ist es wichtig Vola-Charts zu kennen und die Situationen in denen Vola-Änderungen auftreten richtig zu analysieren.
Aus diesem Grund werden wir uns ab heute zunächst mit einem eingeschobenen Thema beschäftigen, bevor wir wieder konkret auf den Long Straddle zu sprechen kommen. Das Thema lautet:
Vola-Bewegungen analysieren
Auch wer mit Volatilitäten spielt muss zu einem Teil auf Fundamentales achten: Kaufe die Gerüchte und verkaufe die Neuigkeiten, oder anders gesagt: Kaufe bevor die Vola stark ansteigt.
Um Vola-Bewegungen aber zu evaluieren bedarf es so genannter Vola-Charts. Und zwar solche, die sowohl die Entwicklung der historischen/realisierten Volatilität, als auch die Entwicklung der impliziten Volatilität wiedergeben.
Anhand dieser Charts können verschiedene Bewegungsmuster beobachtet und auf die verschiedenen auslösenden Situationen hin analysiert werden.
Beginnen wir zunächst mit folgendem Szenario:
- Wenn sowohl die historische, als auch die implizite Volatilität steigt
Um Grunde können hier drei verschiedene Möglichkeiten auftreten: entweder steigt die implizite Volatilität stärker an, als die historische Vola - oder umgekehrt. Oder beide Volas steigen relativ gleichmäßig an.
Betrachten wir die Situation in der die implizite Volatilität wesentlich stärker ansteigt als die historische/realisierte Volatilität. Solche Bewegungen gibt es öfter bei aktiv gehandelten Aktien mit einer Menge an News. Zum Beispiel: bei den Internet-Aktien der Tech-Stock-Bubble in den späten 90ern, aber auch bei Aktien wie Apple kurz vor der Veröffentlichung des iPhone 2007.
Wer also zu Beginn des Anstiegs der impliziten Volatilität eingestiegen ist - also im Grunde bevor die tatsächlichen Neuigkeiten herauskamen - der konnte mit Hilfe des Gammas deutliche Gewinne einfahren.
Doch was passiert danach, also wenn die implizite Volatilität schon wesentlich höher ist, als die historische Volatilität?
Ab hier wird es nun gefährlich!
Im Grunde genommen besagt ein stärkerer Anstieg der impliziten Vola, dass der Markt einen starken Anstieg der realisierten Volatilität in der Zukunft, in die Aktie einpreist.
Doch die Frage ist, ob der Markt Recht hat?!
Wenn der Markt Recht hat, wäre ein Gamma-Play keine schlechte Überlegung - doch auch Theta will in diesem Szenario gut abgesichert sein. Wenn tatsächlich wichtige News erwartet werden, kann ein starker Anstieg der Aktie, einen guten Gewinn einbringen - wie gesagt, so lange Theta nicht die Zeit hat den Gewinn zu schmälern.
Wenn der Trader aber davon ausgeht, dass die Erwartungen des Marktes nicht richtig sind, wird er eher zu einer Delta-neutralen Vola-Verkaufsstrategie greifen und darauf setzen, dass die realisierte Vola eben nicht weiter steigt. Doch dies ist eine hoch-risikoreiches Strategie, denn niemand kann sagen, was die Zukunft wirklich bringt.
Alles in allem gilt also auch hier wieder die alte Weisheit als der beste Rat: Kaufe am Beginn eines Trends, oder Kaufe die Gerüchte, oder Kaufe bevor die Vola stark gestiegen ist und nicht erst danach.
So viel einmal für den Anfang liebe Leser. Am kommenden Mittwoch geht es weiter mit verschiedenen Vola-Szenarien und ihrer Interpretation.
Ich wünsche Ihnen ein schönes und sonniges Wochenende, liebe Grüße und bis nächsten Mittwoch, wenn wir uns wiederlesen...
Ihre Miriam Kraus
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