Optionsstrategien: Long Straddle und das Vega
Miriam Kraus in Devisen-Monitor zum Thema Derivate & Hebelprodukte
vom 10. Juli 2009, 12:00 Uhr
ENL5454
Hallo liebe Leser,
ich freue mich sehr Sie auch heute wieder zu den Optionsstrategien begrüßen zu dürfen. Gegenwärtig beschäftigen wir uns mit dem Long Straddle. In der letzten Ausgabe vom vergangenen Mittwoch haben wir uns ausführlich mit Gamma und Theta - Überlegungen bei einem Long Straddle auseinandergesetzt. Doch Gamma und Theta sind nicht die einzigen Griechen, die einen Long Straddle Käufer interessieren.
In vielen Fällen ist es oft nur ein Grieche, der den Trader wirklich brennend interessiert:
Das Vega
Ganz zu Beginn der Long Straddle-Reihe, schrieb ich, dass wir uns mit Volatilitätsstrategien beschäftigen werden.
Ein Long Straddle weist immer ein positives Vega auf! Aus diesem Grund ist er vor allem eine sehr beliebte Strategie um auf Volatilitätsveränderungen zu setzen. Wenn ein Trader davon ausgeht, dass die Volatilität steigen wird, sich aber unsicher in Bezug auf die Richtung der Kursveränderung des Underlyings ist, dann ist ein Long Straddle eine gute Strategie mit limitiertem Risiko.
Das Vega im Long Straddle hat den höchsten Wert, wenn...
...der Kurs des Underlyings gleich dem Strike-Preis ist
...und noch wichtiger: wenn die Restlaufzeit höher ist
Vega und Gamma und Theta
Dies steht natürlich nun im Gegensatz zum Gamma. Wir erinnern uns: wenn ein Trader einen Long Straddle als Gamma-Trade betrachtet, wird er Optionen mit kürzerer Restlaufzeit kaufen. Doch hier liegt eben auch eine Vega-Gefahr: ein Gamma-Trade kann sehr schnell zu einem Verlust werden, aufgrund der impliziten Volatilität.
Auf der anderen Seite, muss ein Trader der einen Vega-Trade eingeht auch das Theta bedenken. Auch hier besteht ein Risiko: die Zeit kann bisweilen den ganzen Vega-Gewinn wieder auffressen.
Hier heißt es also aufpassen: ein Long Straddle der wunderbar auf Veränderungen der impliziten Volatiliät ausgelegt ist, funktioniert nicht zwangsläufig auch so gut, bei Veränderungen des Underlying-Kurses - und umgekehrt.
Wichtig ist es deshalb eine ausgeglichene Balance zwischen Vega, Gamma und Theta zu finden. Bevor Sie sich für einen Long Straddle entscheiden, müssen Sie diese Einflussfaktoren unbedingt bedenken.
Ein Tipp: wenn die implizite Volatilität gespielt werden soll
Wie gesagt: für einen reinen Gamma-Trade wäre es richtig auf Optionen mit kürzerer Restlaufzeit zu setzen. In der letzten Ausgabe habe ich Ihnen jedoch bereits geraten, aufgrund der anderen wichtigen Einflussfaktoren, einem Long Straddle lieber etwas Zeit zu geben, obwohl dies die Gamma-Gewinne etwas schmälert.
Heute noch ein ergänzender Tipp, ganz gezielt auf die implizite Volatilität bezogen: wählen Sie eine Option mit einem Ausübungsmonat, bei welchem der Wert der impliziten Volatilität, im Vergleich zur historischen impliziten Volatilität und zur historischen Volatilität, niedrig ist.
Wenn Sie diesen Tipp beherzigen, ergeben sich bisweilen auch Möglichkeiten einen Vega- UND Gamma-Trade zu spielen, wenn eine Option mit kürzerer Restlaufzeit ein niedriges Vega aufweist.
So viel für heute, liebe Leser. In der nächsten Ausgabe am kommenden Mittwoch wollen wir uns noch einmal gezielter mit ein paar Faktoren beschäftigen, auf die der Trader achten sollte, wenn er einen Long Straddle eingeht.
Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende, liebe Grüße und bis wir uns am Mittwoch wiederlesen....
Ihre Miriam Kraus
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