Optionsstrategien: Long Straddle und das Gamma/Theta-Problem
Miriam Kraus in Devisen-Monitor zum Thema Derivate & Hebelprodukte
vom 8. Juli 2009, 12:00 Uhr
ENL5454
Hallo liebe Leser,
ich freue mich sehr, Sie auch heute wieder zu den Optionsstrategien begrüßen zu dürfen. Wir beschäftigen uns seit der vergangenen Woche mit dem Long Straddle.
Sie erinnern sich:
Ein Long Straddle wird gebildet aus dem Kauf eines Calls und eines Puts mit gleichem Underlying, gleicher Laufzeit und gleichem Strikepreis.
Erwartungshaltung
Wir haben bereits besprochen, dass der Long Straddle dann zu einem Gewinn wird, wenn der Kurs des Underlyings sich so weit in eine Richtung bewegt, dass er unter oder über dem Break-Even (der durch die eingesetzte Nettoprämie entsteht) notiert. Dabei ist es egal in welche Richtung sich der Kurs des Underlyings bewegt. Wichtig ist nur, dass die Bewegung stark genug ist.
Das ist schon der springende Punkt:
Der Trader wird einen Long Straddle nur dann eingehen, wenn er eine sehr starke Bewegung im Underlying erwartet. Denn, würde sich der Kurs des Underlyings nicht bewegen, verliert der Trader seine komplette eingesetzte Nettoprämie, da sowohl Call als auch Put wertlos verfallen.
Das Gamma
Der Long Straddle ist in diesem Zusammenhang sozusagen ein Gamma-Play. Denn der Long Straddle gewinnt durch die Bewegung im Underlying aufgrund eines positiven Gammas.
Denn bei einem Long Straddle ist das Gamma immer positiv. Je höher das positive Gamma, desto mehr positives Delta ergibt sich, wenn das Underlying steigt und umgekehrt, desto mehr negatives Delta ergibt sich, wenn das Underlying fällt.
Doch das Gamma ist am höchsten, wenn der Strikepreis gleich dem Kurs des Underlyings ist. Entfernt sich der Kurs des Underlyings vom Strikepreis, dann fällt der Wert des Gammas.
Dagegen steigt der Wert des Gammas, je näher der Straddle dem Laufzeitende kommt (oder wenn die implizite Volatilität fällt - doch dazu in einer folgenden Ausgabe mehr).
Das heißt: Bei einem Long Straddle mit einer langen Restlaufzeit verändert sich das Delta nicht so stark (wenn sich der Kurs des Underlyings bewegt), als bei einem Long Straddle mit kürzerer Restlaufzeit. Mit anderen Worten: der Preis des Straddles verändert sich (aufgrund des Gammas) bei kürzerer Laufzeit stärker.
Warum also nicht einen Long Straddle kurz vor dem Ausübungsdatum kaufen?
Antwort: Aufgrund des Thetas!
Das Theta ist umso höher, je kürzer die Restlaufzeit ist, also je näher der Long Straddle dem Ausübungsdatum kommt.
Und was ein hohes Theta bedeutet, wissen Sie ja bereits: einen enormen Zeitwertverfall!
Das bedeutet, dass es durchaus möglich sein kann, dass das Theta am Ende den gesamten Gamma-Gewinn wieder auffrisst. Dies ist der Grund dafür, dass ein Trader einen Long Straddle meist nicht bis zur Ausübung halten wird, und stattdessen versucht seinen Gamma-Gewinn vorher mitzunehmen.
Mein Rat: Geben sie einem solchen Trade Zeit! Wählen Sie die Restlaufzeit nicht zu kurz (auch wenn das die Gamma-Gewinne etwas schmälert), denn Theta kann sehr gefährlich werden! Wichtig ist es vor allem eine ausgewogen Balance zwischen den drei für diesen Trade bestimmenden Griechen zu finden: Gamma, Theta und Vega (mit welchem wir uns in der kommenden Ausgabe beschäftigen werden).
Somit verabschiede ich mich für heute, wünsche Ihnen noch einen schönen Tag und bis zum nächsten Freitag. Liebe Grüße...
Ihre Miriam Kraus
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