Optionsstrategien: Gamma-Scalping
Miriam Kraus in Devisen-Monitor zum Thema Derivate & Hebelprodukte
vom 21. Oktober 2009, 12:00 Uhr
ENL5454
Hallo liebe Leser,
ich freue mich sehr Sie auch heute wieder zu den Optionsstrategien begrüßen zu dürfen. Damit Sie sich richtig auf das heute beginnende Thema Gamma-Scalping einstimmen können, habe ich Ihnen heute zunächst noch einmal den Beitrag vom September (bevor wir das Thema Delta-Neutralität eingeschoben haben) mitgebracht:
Noch immer bewegen wir uns eigentlich im Rahmen des Long Straddle und wollen das Gamma-Scalping als eine der Ausstiegsstrategien aus einem Long Straddle lernen.
Noch einmal: natürlich kann der Trader aus einem Long Straddle aussteigen nachdem sich eine sehr starke Bewegung im Underlying vollzogen hat. Doch, ob eine solche Buy and Hold Strategie wirklich zum gewünschten Erfolg führt ist fraglich - vor allem fragt sich, ob die Bewegung stark genug ist um die Theta-Verluste tatsächlich auszugleichen.
Ein professioneller Trader wird sich also niemals nur zurücklehnen und abwarten. Er wird seine Position immer aktiv verwalten. So kann er Gewinne einfahren, unabhängig davon ob die starke Bewegung dann auch tatsächlich eintritt. Damit minimiert er zudem auch sein Risiko.
Dieses aktive Management der Position geschieht meist mit Hilfe des Gamma Scalping (oder der Trader steigt langsam aus seiner Position aus indem er Puts und Calls minimiert - doch damit beschäftigen wir uns erst im Anschluss an das Gamma Scalping).
Beginnen wir also heute zunächst einmal damit uns explizit mit dem Gamma Scalping auseinander zusetzen.
Gamma Scalping
Heute wollen wir uns das Gamma-Scalping einmal grundsätzlich ansehen. Mit dem Gamma-Scalping beim Long Straddle beschäftigen wir uns erst hernach.
Intraday-Trading verläuft äußerst selten nur in einer Richtung. Der Kurs einer Aktie mag höher oder niedriger schließen, aber dazwischen geschehen eine Reihe verschiedenster Bewegungen nach oben und unten. Typischerweise werden intraday verschiedene Spitzen und Tiefs erreicht.
Deshalb bleibt ein Delta-Neutraler Trader auch niemals Delta-Neutral so lange sich die verschiedenen Bewegungen vollziehen.
Delta-Neutralität
Obwohl es hier um die Delta-Neutralität geht, handelt es sich hier eigentlich um ein Gamma-Trading. Ein Long-Gamma-Trader erhält ein positives Delta, wenn das Underlying sich nach oben bewegt und umgekehrt ein negatives Delta, wenn das Underlying fällt.
Gehen wir zunächst davon aus, dass der Anstieg des Deltas zu einem Gewinn verhilft. Der Long-Gamma-Trader kann seinen Delta-Gewinn mitnehmen, indem er die Position so verändert, dass sie wieder Delta-Neutral steht. Dies geschieht indem er das Underlying verkauft (short stock). Denn, wenn der Kurs des Underlyings hernach wieder fällt, hat der Trader bereits seine Verluste begrenzt.
Tatsächlich wird das Delta, wenn der Kurs des Underlyings weiter fällt, nun negativ, was wiederum zu einem Gewinn führen kann. Um diesen Gewinn nun abzusichern, wird der Trader das Underlying nun kaufen (long stock). Dadurch wird er ebenfalls wieder Delta-Neutral.
Fazit
Aufgrund des positiven Gammas, wird der Delta-Neutrale Trader (also der bestrebt ist seine Delta-Neutralität immer wieder aufrecht zu erhalten)
A. Das Underlying verkaufen, wenn der Kurs gestiegen ist.
B. Das Underlying kaufen, wenn der Kurs gefallen ist.
Wir könnten das Ganze also auch Stock-Scalping nennen. Tatsächlich führt der Trader diesen Scalping-Prozess durch um seine Position erstens abzusichern, und durch aktives Management mehrere Gewinne einzufahren, anstatt eine große Bewegung abzuwarten und Tee zu trinken.
Kling logisch und auch einfach! Aber Vorsicht! So einfach wie es klingen mag, ist es nicht! Zum einen muss der Trader sich immer wieder aufs Neue richtig entscheiden, wann er kauft oder verkauft. Dabei hat er keine Garantie dafür, dass er tatsächlich bei den Spitzen des Tages verkauft und bei den Tiefs kauft. Zum anderen muss der Trader in erster Linie dafür sorgen, dass die Gewinne, welche er mit dem Scalping erzielt überhaupt die Verluste und Kosten übersteigen. Und ich spreche hier nicht nur von den Transaktionskosten. Der Trader hat nämlich einen weiteren Feind, der ihn jeden Tag Geld kostet: die Zeit. Aufgrund des Thetas verliert die Position nämlich stetig an Wert. Diesen Verlust muss der Trader mittels Scalping ausgleichen.
Im zweiten Teil geht's weiter...
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