Optionsstrategien: Gamma-Hedging in der Praxis II
Miriam Kraus in Devisen-Monitor zum Thema Derivate & Hebelprodukte
vom 13. November 2009, 12:00 Uhr
ENL5454
Hallo liebe Leser,
und wieder freue ich mich Sie auch heute zu den Optionsstrategien begrüßen zu dürfen. Nach dem Gamma Scalping, beschäftigen wir uns aktuell mit dem Gamma Hedging bei einer bärischen Volaposition, also einer Vola-Verkaufsposition.
Während unser Trader beim Gamma Scalping gerade an starken Kursschwankungen partizipiert, wäre im vorliegenden Fall für unseren Trader eine reine Seitwärtsbewegung im Underlying optimal.
In der letzten Ausgabe vom vergangenen Mittwoch haben wir damit begonnen, dass Praxis-Beispiel vom Gamma Scalping auch auf die Vola-Verkaufsposition anzuwenden. An Tag 1 hat unser Trader in unserem Beispiel optimal gehandelt, indem er nach dem Kursanstieg der Aktie von 40 auf 42 Euro, sein Delta nicht abgehedgt hat, denn die Aktie fiel hernach wieder auf 40 Euro zurück. Doch dies war - wie gesagt - nur ein Best-Case-Szenario; es hätte durchaus anders kommen können.
Gehen wir nun also weiter in unserem Beispiel....
Tag 2
Sie erinnern sich: an Tag 2 erwies sich der Aktienkurs als nur wenig schwankungsanfällig. Die Aktie fiel um 0,40 Euro auf 39,60 Euro um hernach wieder bei 40 Euro zu schließen.
Tag 2 erweist sich damit als optimal für unseren Gamma-Hedger. Eine so schwache Bewegung wird von unserem Trader als typisch angesehen und er entschließt sich erneut nicht abzuhedgen.
Sein Gewinn an diesem Tag: erneut 50 Euro Theta-Gewinn!
Tag 3
Doch nun zu Tag 3! Sie erinnern sich: Tag 3 erweist sich als deutlich volatiler. Der Aktienkurs schließt an diesem Tag bei 42 Euro - eine Bewegung um 2 Euro.
Gehen wir nun davon aus, dass unser Trader - endlich aufgeschreckt -zum ersten Mal bei 41 Euro abhedgt.
Bei einem Delta von -2,8 bei 41 Euro kauft unser Trader 280 Aktien. Um das durchschnittlich generierte Delta zu evaluieren, teilen wir hier wieder durch 2.
Also:
Kauf 280 Aktien zu 41 Euro
-280 x 1 Euro / 2 = 140 Euro (Verlust auf die Position)
Unser Trader hedgt erneut bei 42 Euro, ein Delta von -2,80.
Also:
Kauf 280 Aktien zu 42 Euro
-280 x 1 Euro / 2 = 140 Euro (Verlust auf die Position)
Unter dem Strich...
hat unser Trader an diesem Tag einen Verlust von 230 Euro (- 280 Euro durch das Abhedgen + 50 Euro Theta-Gewinn) zu verbuchen!
Doch es hätte sogar noch schlimmer kommen können:
Nehmen wir an, unser Trader hätte nicht bei 41 Euro abgehedgt, sondern lediglich bei 42 Euro, ein Delta von - 5,6.
Sehen wir uns das an:
-560 x 2 Euro / 2 = 560 Euro (Verlust auf die Position)
Hätte unser Trader also nicht bei 41 Euro bereits zum ersten Mal seine Position Delta-Neutral gestellt, dann hätte er an diesem Tag sogar einen Verlust von 510 Euro (-560 Euro + 50 Euro Theta-Gewinn) verbucht.
So kann es also gehen! Sie sehen also: eine bärische Vola-Position ist deutlich risikoreich und kann - wenn sich die Aktie doch schwankungsanfälliger zeigt, als geplant - ins Auge gehen. Dabei hängt es zudem davon ab, wie gut das Gespür des Traders ist und in welchem Moment er sein Delta abhedgt, um Verluste geringer zu halten.
So viel für heute einmal, liebe Leser. Am kommenden Mittwoch geht es weiter an dieser Stelle. Ich wünsche Ihnen ein schönes und erholsames Wochenende und bis nächsten Mittwoch, wenn wir uns wiederlesen...
Ihre Miriam Kraus
ähnliche Beiträge:
- Optionsstrategien: Gamma Hedging in der Praxis
- Optionsstrategien: Gamma Hedging
- Optionsstrategien: Gamma Scalping in der Praxis
- Gamma Scalping: Praxis-Beispiel III
- Optionsstrategien: Gamma Scalping Praxis-Beispiel IV
- Aktives Gamma-Hedging von Vertikalen Spreads!
- Optionsstrategien: Auszahlungsdiagramm Short-Gamma
- Leserfrage: Gamma-Hedging von Vertikalen Spreads!
- Gamma Scalping: Praxis-Beispiel II