Optionsstrategien: Gamma Hedging
Miriam Kraus in Devisen-Monitor zum Thema Derivate & Hebelprodukte
vom 6. November 2009, 12:00 Uhr
ENL5454
Hallo liebe Leser,
ich freue mich sehr Sie auch heute wieder zu den Optionsstrategien begrüßen zu dürfen. Bislang haben wir uns mit dem Gamma Scalping beschäftigt. Hierzu haben wir in unserem Praxis-Beispiel Calls gekauft und entsprechend das Underlying verkauft um eine Delta-neutrale Position zu erreichen.
Durch das Auf und Ab des Aktienkurses und entsprechende Scalping-Aktivitäten des Traders kann das Scalping zu Gewinnen führen. (Kann, muss aber nicht! Dies hängt vom Markt und vom richtigen Timing ab.)
Das Gamma Scalping ist mit anderen Worten also ein Trade der auf eine hohe Volatilität setzt - also eine bullische Position in Bezug auf die realisierte Volatilität.
Doch was ist, wenn unser Trader eine bärische Position in Bezug auf die realisierte Volatilität eingehen will?! Wenn unser Trader davon ausgeht, dass nur minimale Schwankungen im Kurs des Underlyings zu erwarten sind?!
Dann geht unser Trader die umgekehrte Position ein und wird im weiteren Verlauf versuchen so gut es geht sein Gamma zu hedgen!
Gamma Hedging
Sehen wir uns das Beispiel für diese bärische Vola-Position ein und nehmen hierfür die bislang genutzten Beispieldaten:
Unser Trader wird hier nun die Call-Optionen nicht kaufen, sondern verkaufen. Zugleich verkauft er das Underlying nicht, sondern er kauft es.
Das sieht dann so aus:
Verkauf 20 40er Calls (atm) (mit einem 50er Delta) - (oder: Short 1.000 Deltas)
Kauf 1.000 Aktien zu 40 Euro (Long 1.000 Deltas)
Auch hier haben wir nun also wieder eine Delta-neutrale Position! Doch die übrigen Griechen tragen ein umgekehrtes Vorzeichen.
Sehen wir uns dies Griechen zu dieser Beispiel-Position an:
| Delta | 0 |
| Gamma | - 2,80 |
| Theta | + 0,50 |
| Vega | - 1,15 |
Das negative Vorzeichen des Gammas bedeutet, dass die Position unseres Traders bei jeder starken Bewegung des Underlyings verliert. Bei einer Kursschwankung um einen Euro erhält unser Delta (überspitzt) einen negativen Wert von -2,80. Zudem verliert die Position beim Anstieg der Volatilität, aufgrund des negativen Vega. Dagegen gewinnt die Position jeden Tag (in unserem Beispiel 50 Euro) aufgrund des positiven Vorzeichens des Theta.
Diese Position eignet sich also vor allem für Seitwärtsphasen und in einem extrem ruhigen Marktumfeld, wo die Position aufgrund des Theta täglich einen Gewinn verbuchen kann, wenn nichts passiert. Schwankt der Kurs des Underlyings dagegen stark kann die Position rasch zu einem großen Verlust werden - hier sind dann insbesondere die Hedging-Fähigkeiten des Traders gefragt um die Verluste so gering wie möglich zu halten.
In der nächsten Ausgabe am kommenden Mittwoch sehen wir uns noch einmal an, wie dieses Gamma Hedging in der Praxis aussehen könnte, bevor wir schließlich wieder zum Long Straddle zurückkehren.
Damit verabschiede ich mich für diese Woche, wünsche Ihnen ein schönes und erholsames Wochenende und bis nächsten Mittwoch, wenn wir uns wiederlesen...
Ihre Miriam Kraus
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Torsten Winkler (06.11. 2009 18:29 Uhr):
vielen Dank für die sehr interessanten Beiträge zum Thema Optionen, vielleicht könnten Sie auch in späteren Beiträgen auf Stillhalterstrategien eingehen
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