Optionsstrategien: einen Long Straddle verwalten
Miriam Kraus in Devisen-Monitor zum Thema Optionen und Optionsscheine
vom 24. Februar 2010, 12:00 Uhr
ENL5462
Hallo liebe Leser,
ich freue mich wieder sehr Sie auch heute zu den Optionsstrategien begrüßen zu dürfen. Wir beschäftigen uns wieder mit dem Long Straddle (nachdem wir eine ganze Reihe von Zwischenthemen, wie das Gamma (Stock) Scalping, die Delta-Neutralität, die Analyse von Vola-Szenarien, das Gamma Hedging und das Rollen von Spreads abgeschlossen haben). In den letzten Ausgaben haben wir uns noch einmal - nach der langen Reihe an Zwischenthemen - eine kleine Wiederholung zum Thema Long Straddle gegönnt.
Heute wollen wir nun damit beginnen, uns beispielhaft damit zu beschäftigen, wie der Ausstieg aus einem Long Straddle aktiv gemanagt werden kann.
Beginnen wir mit nun mit unserer Beispielposition:
Wir nehmen an:
Der Kurs des Underlyings (Aktie X) notiert bei 75 Euro
Wir kaufen nun:
Einen Call mit Strikepreis 75 Euro zu 2,90 Euro
Und einen Put mit Strikepreis 75 Euro zu 2,85 Euro
Wir nehmen an, eine Option bezieht sich auf 100 Aktien
Die Restlaufzeit beträgt 1 Monat
Also:
Kauf 75er Call (1 Monat) zu 2,90 Euro pro Aktie (= 290 Euro)
Kauf 75er Put (1 Monat) zu 2,85 Euro pro Aktie (= 285 Euro)
Wir bezahlen folglich insgesamt eine Prämie von 575 Euro.
Die eingesetzte Prämie entspricht auch dem Break-Even.
Wie ich Ihnen bereits schrieb, ist der Long Straddle eigentlich ein Vola-Play, d.h. unser Trader setzt hier aktiv auf eine steigende Volatilität.
[Dies wird auch schon daran ersichtlich, wenn man sich die verschiedenen Möglichkeiten zum Ausübungsdatum vor Augen hält (hier gehen wir jetzt beispielhaft von einem Bezugsverhältnis von 1:1 aus):
Wenn Aktie X über 75 Euro notiert
Dann weist der Call einen inneren Wert auf, während der Put wertlos verfällt. Doch erst wenn Aktie X über 80,75 Euro (75 Euro + eingesetzte Prämie von 5,75 Euro) notiert, wirft der Trade einen Profit ab. Je höher der Kurs der Aktie X steigt, desto höher auch der Gewinn - wobei das Gewinnpotenzial praktisch unlimitiert ist.
Wenn Aktie X unter 75 Euro notiert
Dann weist der Put einen inneren Wert auf, während der Call wertlos verfällt. Doch erst wenn Aktie X unter 69,25 Euro (75 Euro - eingesetzte Prämie von 5,75 Euro) notiert, wirft der Trade einen Profit ab. Je tiefer der Kurs der Aktie X fällt, desto höher der Gewinn - wobei das Gewinnpotenzial auch hier praktisch unlimitiert ist (zumindest bis Aktie X auf Null fällt).
Das Risiko besteht darin, dass Aktie X zum Ausübungsdatum immer noch bei 75 Euro notiert
Dann befinden sich weder der Put, noch der Call in the money und der Straddle verfällt im Grunde wertlos. Verlust: die komplette eingesetzte Prämie von 5,75 Euro.]
Absicherung mittels Stock Scalping
Allerdings werden die meisten Trader einen Long Straddle nicht bis zur Ausübung halten. Die Kunst beim Long Straddle besteht nämlich darin, den Ausstieg aus einem Long Straddle so gewinnbringend wie möglich und damit hochaktiv zu managen. Dies geschieht zum Beispiel mittels Stock Scalping.
So ein aktives Management der Position ist vor allem auch dazu da, eventuelle Verluste auszugleichen. In unserem Beispiel weist die Position ein Theta von -0,09 auf. Das bedeutet, dass die Position jeden Tag einen Verlust macht. Unser Trader hofft nun darauf, dass Vega-oder Delta-Gewinne diesen Verlust ausgleichen. Sollte dies nicht der Fall sein, muss unser Trader aktiv mittels Stock Scalping den täglichen Verlust von 9 Euro auf diese Position ausgleichen.
Damit werden wir uns am kommenden Freitag genauer beschäftigen und uns vor allem auch die zugehörigen Griechen ansehen.
Somit verabschiede ich mich für heute und wünsche Ihnen noch einen schönen Tag!
Liebe Grüße
Ihre Miriam Kraus
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