Optionsstrategien: Die Vorteile eines Bull Call Spreads
Miriam Kraus in Devisen-Monitor zum Thema Derivate & Hebelprodukte
vom 11. März 2009, 12:00 Uhr
ENL5454
Hallo liebe Leser,
und wieder einmal recht Herzlich Willkommen zu den Optionsstrategien. Nun beschäftigen wir uns aktuell mit dem Bull Call Spread. In der letzten Ausgabe haben wir festgestellt, dass der Bull Call Spread drei mögliche Schlussszenarien in sich birgt: das Underlying kann entweder unterhalb der beiden Strikepreise notieren, dazwischen oder oberhalb der beiden Strikes. Wenn das Underlying unterhalb des Break Even der Position notiert, dann ist die Position ein Verlust, der aber auf die Summe der beiden Optionspreise beschränkt ist. Notiert das Underlying dagegen oberhalb des Break Even, dann ist die Position im Gewinn. Allerdings haben wir zudem festgestellt, dass die Gewinne der Position limitiert sind.
Was sind nun die Vorteile eines Bull Call Spread?
- die Kosten sind geringer
Erinnern wir uns an das Beispiel aus der letzten Woche: eine reine Long Call Position hätte den Trader 2 Euro gekostet (Kauf 50er Call). Der Bull Call Spread hat den Trader allerdings nur 1,50 Euro gekostet. (Kauf 50er Call zu 2 Euro - Verkauf 60er Call zu 0,50 Euro).
Bei vielen guten Brokern ist deshalb auch die Marge geringer.
- das Gesamtrisiko ist geringer
Sehen Sie sich folgende Beispieltabelle der Griechen eines 100er Calls gegenüber einem 100-110 Bull Call Spread an:
|
| 100er Call | 100-110 Bull Call Spread |
| Delta | 0,523 | 0,358 |
| Gamma | 0,044 | 0,017 |
| Theta | -0,047 | -0,020 |
| Vega | 0,141 | 0,054 |
Positive Deltas besagen, dass beide Positionen bullisch sind. Doch der Spread hat ein geringeres Delta. Dies trägt dem Umstand Rechnung, dass die Gewinne beim Spread limitiert sind.
Aber sehen Sie sich nur einmal Vega und Theta an!
Die Spread-Position weist sowohl ein deutlich niedrigeres Theta, als auch ein niedrigeres Vega auf. (Noch einmal zur Erinnerung: Vega gibt die Wertveränderung der Option in Abhängigkeit zur impliziten Volatilität an; Theta gibt den Wertverlust der Option in Abhängigkeit zur Zeit an.)
Wir sehen also:
Beim Spread ist sowohl der Zeitwertverlust geringer, als auch das Risiko durch Veränderungen der impliziten Volatilität - im Vergleich zum reinen Long Call.
Da nimmt man bisweilen gerne auch das niedrigere Delta in Kauf.
Wann dies der Fall ist, sprich in welchen Fällen ein Bull Call Spread lohnenswerter ist als ein reiner Long Call, damit wollen wir uns am kommenden Freitag beschäftigen.
Bis dahin und liebe Grüße
Ihre Miriam Kraus
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