Optionsstrategien: Ausstieg aus einem Long Straddle
Miriam Kraus in Devisen-Monitor zum Thema Optionen und Optionsscheine
vom 17. Februar 2010, 12:00 Uhr
ENL5462
Hallo liebe Leser,
es freut mich sehr Sie auch heute wieder zu den Optionsstrategien begrüßen zu dürfen. Wir beschäftigen uns nun wieder mit dem Long-Straddle, nachdem wir alle eingeschobenen Themen beendet haben. Am vergangenen Freitag haben wir uns zunächst noch mit einer zusammengefassten Wiederholung, dessen, was wir bislang über den Long-Straddle gelernt haben, beschäftigt.
Zunächst möchte ich an dieser Stelle noch einmal wiederholen, was wir über den Einstieg in einen Long-Straddle gelernt haben:
Mit einem Long-Straddle spielt der Trader im Grunde auf einen Anstieg der Volatilität. Doch der Trader wird immer versuchen, sowohl am Vega, als auch am Gamma zu profitieren, und dabei die Theta-Verluste so gering wie möglich zu halten.
Fehler vermeiden bei Aktien als Underlying
Machen Sie nicht den Fehler einen Long Straddle gerade dann zu kaufen, wenn beispielsweise ein (Quartals-) Bericht ansteht, weil sie davon ausgehen, dass sich die Aktie stark bewegen wird. Denn die Bewegung des Underlyings ist nur die eine Seite der Medaille. Fakt ist nämlich, dass eine Optionsprämie, gerade bevor ein Bericht veröffentlicht wird, bereits seht teuer sein kann, da meist die erwartete starke Bewegung im Underlying bereits eingepreist worden ist. Das ist dann schlichtweg zu spät gekauft!
Der beste Zeitpunkt um Volatilität günstig zu kaufen ist...
....bevor die erwartete Bewegung eingepreist worden ist, also praktisch bevor es jeder andere tut! Das klingt nicht unbedingt einfach...ich weiß! Aber betrachten Sie das Konzept einmal von Seiten der Aktie: Sie kaufen eine Aktie ja auch nicht, nachdem die bullischen Neuigkeiten bereits eingepreist worden sind, also nachdem die Aktie bereits stark gestiegen ist, sondern davor! Das Ziel (egal in welchem Markt) ist immer das gleiche: Kaufen Sie am Beginn eines Trends, nicht am Ende! Das gleiche Ziel gilt im Grunde auch, wenn es darum geht gezielt die Volatilitäten zu spielen. Hierfür ist es wichtig Vola-Charts zu kennen und die Situationen in denen Vola-Änderungen auftreten richtig zu analysieren.
Suchen Sie sich also eine Option mit einem Ausübungsmonat bei der die implizite Volatilität niedrig ist im Vergleich zur historischen Volatilität und zur historischen, impliziten Volatilität.
So viel noch einmal zum Einstieg, doch im Grunde genommen ist der Einstieg noch das Einfachste an der ganzen Sache. Komplizierter wird es erst wenn es darum geht die Position richtig zu managen, zu entscheiden wann gehedegt werden muss und vor allem wann man aussteigt. Denn der Long Straddle ist keine einfache Buy and Hold Strategie - der Long Straddle ist eine Position die aktiv gemanagt werden will.
Ausstiegsstrategien
Es gibt verschiedene Wege um aus einem Long Straddle wieder auszusteigen. In den meisten Fällen wird der professionelle Trader aber nicht einfach warten, bis sich die erwünschte Bewegung einstellt und so lange untätig verharren. Stattdessen wird er versuchen bereits vorher periodisch kleine Gewinne zu generieren. Ich möchte hier zwei Möglichkeiten vorstellen:
Gamma Scalping
Vereinfacht ausgedrückt kauft und verkauft der Trader hierbei immer wieder das Underlying (also in unserem Fall die Aktie) nach Bewegungen, um Delta-Neutral zu bleiben. Der Trader wird also innerhalb eines Tages mehrere Trades machen um die Aktie bei einer Bewegung nach oben zu verkaufen und einer Bewegung nach unten zu kaufen. Die Differenz beschert dann einen Gewinn, abzüglich der Transaktionskosten versteht sich. Dies ist aber eine zeitaufwändige und keinesfalls die einfachste Strategie, denn es gibt natürlich keine Garantie dafür, dass der Trader auch tatsächlich angemessene Gewinne einfährt, oder die Gewinne überhaupt die Verluste übersteigen!
Langsamer Ausstieg
Anstelle von Gamma-Scalping kann der Trader seine Delta-Neutralität auch erreichen indem er einfach Calls und Puts, die Bestandteil seines Long Straddle sind, verkauft und damit periodisch seine Position verringert.
Hierbei würde der Trader, wenn der Kurs des Underlyings steigt, so viele Calls verkaufen wie nötig sind um das Delta auf Null zu reduzieren. Und umgekehrt, wenn der Kurs des Underlyings fällt, so viele Puts verkaufen, bis auch hier die Postion wieder Delta-Neutral ist.
Hierbei kann der Trader Gewinne einfahren und zugleich das Risiko verringern.
So viel einmal für den Anfang liebe Leser! Am kommenden Freitag geht's weiter...
Bis dahin, liebe Grüße und noch einen schönen Tag, wünscht
Ihre Miriam Kraus
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