Optionsscheine vs. Zertifikate
Michael Vaupel in Traders Daily
vom 14. Dezember 2006 12:00 Uhr
ENL5462
*** Trader's Daily-Leser Dirk K. schreibt mir:
"Ich lese täglich Ihren Traders Daily und hatte verschiedentlich auch die 'Derivate Strategie' abonniert (...). Sie gehen ja auch im Trader' Daily häufig auf Derivate ein. Mich, und vielleicht auch andere Leser, würde mal interessieren wann Sie mit welchem Instrument im Hebelbereich arbeiten. Ich bin z.B. von Optionsscheinen eigentlich komplett zu Zertifikaten gewechselt, weil mich die Unberechenbarkeit der Optionsscheine aufgrund der impliziten Vola stört. Meiner Meinung nach kann man doch hier gar nicht mit StopLoss Ordern an markanten Punkten des Underlyings arbeiten, und ich sitze halt nicht den ganzen Tag am Rechner um selbst zu verkaufen. Und wenn ich noch eine ketzerische Bemerkung zu Ihrem Co-Schreiber machen dürfte, ich hätte nichts dagegen wenn der unreflektierte Hurra Patriotismus eines Herrn Amberger auf Dauer durch die glänzenden Beiträge des Herrn Corbett ersetzt würden."
Meine Antwort:
Was die Optionsscheine betrifft: Sehe ich im Prinzip genauso...von denen bin ich auch fast ganz weggekommen. (Übrigens hat der Verlag deshalb meinen Börsendienst "Optionsschein-Profits" konsequenterweise in "Derivate Strategie" umbenannt.) Es hat auch mich oft genug genervt, dass der Emittent bei Optionsscheinen einen gewissen willkürlichen Kursstellungs-Spielraum hat, indem er - Fachjargon: "An der Vola dreht". Das bedeutet:
Da bei Optionsscheinen die Volatilitaet (grob gesagt die Schwankungsfreudigkeit des Basiswertes) in die Kursstellung mit einfliesst, kann der Emittent einen recht willkürlichen Kurssprung immer damit begründen, dass sich eben die "implizite Volatilitaet des Basiswertes" geaendert hat (die gleichzeitig vom Emittenten selbst geschaetzt wird). Na, danke!
Allerdings möchte ich Optionsscheine auch nicht verteufeln. Wenn sie Zertifikaten in allen Bereichen unterlegen waeren, haetten sie schliesschlich überhaupt keine Existenzberechtigung mehr. Die haben sie aber, denn in einer ganz konkreten Marktsituation setze ich durchaus auf Optionsscheine:
Wenn die aktuelle (Börsensprache: "implizite") Vola sehr niedrig ist (was "sehr niedrig" ist, bestimme ich durch historischen Vergleich) - dann sind Optionsscheine interessant. Denn wenn die Vola dann steigt, profitieren Optionsscheine von dieser Entwicklung.
*** Soviel für heute. Jetzt treffe ich mich mit einem US-Analysten, um etwas über die türkischen volkswirtschaftlichen Kennzahlen zu fachsimpeln.
Bis morgen dann!
İhr
Michael Vaupel
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Günter Conrad (04.02. 2010 08:24 Uhr):
Könnten Sie bitte versuche, mir den Mechanismus eines Optionsscheines z.B. auf US-$ als Mittel zur währungssicherung eines $-Depots erklären? Besten Dank G. Conrad
Antworten
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