Optionsscheine und die Emittenten-Sicherheit
Michael Vaupel in Traders Daily zum Thema Derivate & Hebelprodukte
vom 10. Juni 2010, 12:00 Uhr
ENL5454
Ein Leser schrieb mir:
„Sie haben (...) die Sicherheit der Emittenten (angesprochen...). Wie sieht es aber nun mit den Optionsscheinen aus? Geht ein Emittent pleite, ist dann mein Optionsschein und damit mein Geld auch weg, wie bei den Zertifikaten? Ich habe in letzter Zeit versucht etwas darüber zu erfahren, außer den Zertifikaten habe ich auf diese spezielen Frage keine Antwort gefunden! Vielleicht könnten Sie diese Thematik einmal aufnehmen."
Meine Antwort:
Klare Sache: Das Emittenten-Risiko besteht auch bei Optionsscheinen
Denn: Auch Optionsscheine sind letztlich nichts anderes als Schuldverschreibungen des Emittenten.
Bedeutet nichts anderes als bei Zertifikaten: Wenn der Emittent insolvent werden sollte, dann sind Sie nur einer von zig Gläubigern, welcher Ansprüche gegen den Emittenten hat. Ob und wieviel Sie dann von Ihrem Geld wiedersehen, steht in den Sternen.
Bei Optionsscheinen gilt also im Prinzip dasselbe wie bei Zertifikaten, was das „Emittenten-Risiko" betrifft.
Und hier möchte ich Sie nochmal an eine Möglichkeit zur Einschätzung des „Pleite-Risikos" eines Emittenten erinnern: Die Kennzahl CDS.
Steht für „credit default swap". Diese Kennzahl bezeichnet (vereinfacht gesagt) das Kreditausfall-Risiko des jeweiligen Emittenten. Es gilt: Je höher diese Zahl, desto größer das Risiko.
Dies ist ein wirklich wichtiges Instrument! Und zwar sagt es dies aus:
Ab Werten von 400 Punkten wird es „kritisch", und Scheine eines Emittenten mit einem Wert von 500 Punkten oder noch mehr würde ich mit der Kneifzange nicht anfassen.
Wenn Sie dies im Hinterkopf behalten und den CDS Wert der Emittenten überprüfen, dann hätten Sie wohl kaum kurz vor der Pleite von Lehman Brothers auf deren Zertifikate gesetzt. (Hätten Sie ohnehin nicht, denn die Trader´s Daily-Gemeinde war ausreichend lange vor der Lehman Brothers Pleite genau davor gewarnt.)
Völlig ausschließen können Sie das Emittenten-Risiko nicht, das möchte ich deutlich aussprechen bzw. ausschreiben. Doch wenn Sie bei der Auswahl des Emittenten den Faktor „CDS" berücksichtigen, dann können Sie das Risiko minimieren.
Und hier ein Link, wie Sie zu der „CDS"-Liste gelangen können (Sie müssen sich ein wenig durchklicken, der Link stimmt aber):
Bleiben Sie wachsam.
Ihr
Michael Vaupel