Optionsscheine: 2 Dinge, die Sie wissen sollten
Michael Vaupel in Traders Daily zum Thema Derivate & Hebelprodukte
vom 11. September 2007 12:00 Uhr
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*** Trader´s Daily-Leser Klaus S. schreibt mir:
“Am 31.08.2007 kaufte ich den Call Optionsschein AA0LQH auf den Hang Seng China Enterprise an der Börse Stuttgart zum Preis von 0,88 Euro. (Basis 16000 zu Ende 12.2007). Zu diesem Zeitpunkt notierte der Basiswert bei ca. 14.300 Punkten. Am 07.09.2007, also eine Woche später, notierte der Hang Seng China Enterprise bei 14.489, er ist also weiter gestiegen, um ca. 1,2%. Soweit, so gut. Jetzt kommt es aber, der Schein jedoch notiert bei nur noch 0,58 Euro. Ein Minus von ca. 35% im Schein, obwohl der Basiswert steigt. Dies alles innerhalb von 5 Handelstagen!!! Lässt sich so etwas überhaupt mit Volatilität erklären oder ist dies schon Betrug?“
Meine Antwort:
Ich habe mir den Schein gerade angesehen: Das ist ein Optionsschein, der weit „aus dem Geld“ notiert. „Aus dem Geld“, das ist Börsendeutsch und bedeutet: Dieser Schein hat keinerlei inneren Wert.
Er erhält erst dann einen inneren Wert, wenn der Basiswert über 16.000 Punkte steigt (Basispreis in dieser Höhe). Und an besagtem 7. September stand der Basiswert bei 14.489 Zählern, also deutlich darunter.
Solche Scheine ohne jeglichen inneren Wert leiden unter einem recht großen Zeitwertverlust.
Der wird umso größer, je näher das Laufzeitende rückt. Ist ja auch klar: Denn bei Laufzeitende muss der Schein den Wert „0“ erreichen, wenn der Basiswert bis dahin nicht über 16.000 gestiegen ist.
Dieser Zeitwertverlust kann sogar einen Gewinn des Basiswertes übersteigen. Und genau das war hier der Fall.
Schade, denn der Basiswert (es handelt sich um den Index der von mir favorisierten H-Aktien) ist im selben Zeitraum gestiegen! Die Scheine, die ich meinen zahlenden Abonnenten empfohlen hatte, sind entsprechend im Plus. (Sie wissen es: Wie üblich darf ich hier im Trader´s Daily, einem kostenlosen Newsletter, keine konkreten Empfehlungen geben. Strikte Vorgabe des Verlags.)
Da sehen Sie, wie wichtig die Auswahl des richtigen Instrumentes ist.
Eine generelle Warnung: Meiden Sie solche Optionsscheine ohne jeglichen inneren Wert! Sonst haben Sie es mit genau diesem Zeitwertverlust zu tun.
Setzen Sie stattdessen auf Long-Zertifikate. Auch „Turbo Bull“ genannt, Sie wissen, was ich meine (von Emittent zu Emittent heißen die anders).
Also Optionsscheine völlig meiden? Na, das auch nicht. Sonst wäre diese Gattung quasi durch „natürliche Selektion“ auch schon ausgestorben = verschwunden.
Optionsscheine machen in einer Situation Sinn: Wenn die „Volatilität“ historisch niedrig ist, und wieder steigt. Denn steigende Volatilität ist ein Faktor, der Optionsscheine tendenziell steigen lässt. Sowohl Puts als auch Calls.
Aber auch dann rate ich Ihnen, auf keinen Fall Optionsscheine „aus dem Geld“ zu kaufen! Denn dieser Volatilitäts-Einfluss ist bei Scheinen „am Geld“ am stärksten. Und am Geld, das sind Scheine, bei denen der aktuelle Stand des Basiswertes dem Basispreis entspricht.
*** War das jetzt zu kompliziert? Dann merken Sie sich bitte einfach zwei Dinge (damit kein weiteres Mitglied der Trader´s Daily-Gemeinde aufgrund dieser Faktoren einen Verlust erleidet):
- Optionsscheine generell meiden. Lieber Long- und Short-Zertifikate kaufen
- Optionsscheine sind nur dann attraktiv, wenn die Volatilität niedrig ist. Das ist derzeit nicht der Fall. Und selbst dann auf keinen Fall Optionsscheine „aus dem Geld“ kaufen.
Beste Grüße,
Michael Vaupel
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