Optionen für Fortgeschrittene (Teil 7): "Bull Call Spreads"
Alexander Hahn in Investoren Wissen zum Thema Derivate & Hebelprodukte
vom 6. Januar 2010, 16:00 Uhr
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der folgende Artikel setzt ein Grundwissen in der Thematik „Optionen" voraus. Unter den folgenden Links können Sie Ihr Wissen zu diesen Grundlagen wieder auffrischen. Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen beim Lesen:
Keine Angst vor Optionen (Teil 1 von 4)
Keine Angst vor Optionen (Teil 2 von 4)
Keine Angst vor Optionen (Teil 3 von 4)
Keine Angst vor Optionen (Teil 4 von 4)
Optionen für Fortgeschrittene (Teil 1)
Optionen für Fortgeschrittene (Teil 2)
Optionen für Fortgeschrittene (Teil 3)
Optionen für Fortgeschrittene (Teil 4)
Optionen für Fortgeschrittene (Teil 5)
Optionen für Fortgeschrittene (Teil 6)
Hinweis:
Der folgende Artikel bezieht sich auf eine Optionsstrategie, welche normalerweise nur von Profihändlern wie z.B. Hedgefonds, Optionstradern oder guten Vermögensverwaltern angewendet wird. Schrecken Sie daher bitte nicht gleich zurück, wenn Sie den Artikel mehrmals lesen müssen. Auch bietet es sich an, das vorgestellte Beispiel einmal selbst nachzurechnen (Und wenn Sie insgesamt „Lust auf mehr" bekommen sollten, so können Sie natürlich gerne auch meinen neuen Börsenbrief zum günstigen Kennenlernpreis testen).
Liebe Leser,
nur noch wenige Tage und die Abonnenten meines neuen Börsenbriefes US Options Extreme erhalten ihre ersten Handelsempfehlungen zugeschickt. Der Zeitpunkt ist damit ideal, Ihnen eine weitere Optionsstrategie vorzustellen und Ihr Wissen in diesem Bereich weiter zu vergrößern. Eins vorweg - Ihre „zeitliche Investition" wird sich lohnen...
Ein Bull Call Spread ist ein mögliches, logisches Gegenstück zum letzte Woche vorgestellten Bear Call Spread. In anderen Worten, wir wenden diese Strategie in der Regel an, wenn wir einen Basiswert haben, auf den wir leicht bullisch sind, aber trotzdem unser Risiko nach unten hin begrenzen wollen.
Bull Call Spread auf National Oilwell Varco (NYSE: NOV)
Unten sehen Sie den (historischen) Chart des Öl-Service-Unternehmens National Oilwell Varco (NYSE: NOV). Wie alle Erdölaktien ist NOV sehr volatil und damit gerade in turbulenteren Marktphasen nichts für schwache Nerven.

Abb.: Tages-Chart "National Oiwell Varco Inc." (Stand 30.12.2009)
Falls Ihnen eine Aktienposition in NOV zu gewagt erscheint, Sie aber trotzdem davon überzeugt sind, dass NOV in den nächsten Wochen eher steigt als fällt, dann wäre die Bull Call Spread Strategie sicher eine ganz gute Möglichkeit für Sie.
Um diese Strategie anzuwenden, müssen wir eine Call Option kaufen und gleichzeitig einen Call mit einem höheren Basispreis aber der gleichen Laufzeit verkaufen.
Wir kaufen bei NOV den 40er Februar 2010 Call (Kosten $530) und verkaufen den $42er Feb 10 Call (Einkommen: $410) dagegen. Somit betragen unsere Kosten $530- $410 = $120. Mehr als diese $120 können wir nicht verlieren, egal wie sich die Aktie bis zum Verfallstag der Option entwickelt.
Mit unserer gekauften $40er Call Option haben wir das Recht (aber nicht die Pflicht), 100 NOV Aktien für $40 am Verfallsdatum der Option zu kaufen.
Mit unserer verkauften $42er Call Option geben wir dem Käufer der Option das Recht, uns 100 NOV Aktien am Optionsverfalldatum für $42 abzukaufen.
NOV stehe für unser Beispiel nun bei $44.60.
3 Szenarien für den weiteren Verlauf:
1) NOV schließt am Verfallstag der Option über $42
- Wir üben unser Recht aus und kaufen für $40 100 NOV Aktien
- Der Käufer unserer Option nimmt ebenfalls sein Recht wahr und kauft uns 100 NOV Aktien für $42 ab
- Unser Bruttogewinn beträgt somit $4200 (Erlös für Verkauf) - $4000 (Kosten für Kauf) = $200. Von diesen $200 ziehen wir jetzt noch unsere Kosten in Höhe von $120 ab und erhalten einen Nettogewinn in Höhe von $80 (dies entspricht einem Gewinn von 67%, bezogen auf die Nettokaufsumme von $120 ($80:$120= 66,66%).
2) NOV schließt am Verfallstag der Option unter $40
- Weder der Käufer unserer Option noch wir nehmen das Recht wahr, NOV zum jeweiligen Bezugspreis zu kaufen, da NOV am Markt günstiger gehandelt wird.
- Somit verfallen beide Optionen wertlos und wir verlieren unsere investierte Summe in Höhe von $120 (100% Verlust)
3) NOV schließt am Verfallstag der Option zwischen $40 und $42
- Der Käufer unserer Option wird darauf verzichten, NOV für $42 von uns abzukaufen, da er die Aktie zum aktuellen Marktpreis günstiger bekommt
- Wir nehmen wiederum unser Recht wahr und kaufen NOV für $40.
- Der Gewinn / Verlust hängt vom NOV Schlusskurs am Verfallstag ab. Der Break-Even-Kurs (d.h. der Schwellkurs, an welchem sich ein Gewinn in einen Verlust verwandelt) muss berechnet werden:
- Dazu addieren wir zum Kaufkurs von $40 die Kosten des Spreads pro Aktie in Höhe von $1.2 ($1.2 x 100 = $120) und erhalten $41.20.
- Sollte NOV am Verfallstag unter $41.20 schließen, so verbuchen wir mit unserem Bull Call Spread einen Verlust; Kurse über $41.20 bedeuten einen Gewinn.
- Die Formel, mit der Sie den Gewinn / Verlust ausrechnen können, lautet:
- Kurs NOV am Optionsverfallstag minus Break Even-Kurs = G/V
- z.B. $41.80 - $41.20 = $60 Gewinn oder $40.70 - $41.20 = -$50 Verlust
Strategie mit eingebautem Puffer...
Soweit zur Berechnung der Bull Call Spread Strategie. Jetzt mag sich der eine oder andere von Ihnen sicher denken: „Moment, ich kann maximal $80 gewinnen aber $120 verlieren... Warum sollte ich diesen Trade mit so einem schlechtem Chancen / Risikoverhältnis (R/R) überhaupt eingehen?"
Nun, Sie dürfen nicht übersehen, dass der aktuelle Kurs von NOV bei $44.60 steht (Schlusskurs vom 30.12.09). Wie oben beschrieben gewinnen Sie die $80, wenn der Kurs am Optionsverfallstag (Mitte Februar) über $42 steht. Damit haben Sie einen Puffer von 5,8% (($44.60-$42)/$44.60 = 5,8%) . Das heißt, NOV kann bis zum Verfallstag um 5,8% fallen und Sie bekommen trotzdem die $80 gutgeschrieben. Das relativiert das vordergründig schlechte R/R-Verhältnis sicherlich etwas.
Die etwas aggressivere B/C-Spread Variante
Das Schöne an der Bull Call (wie auch an der Bear Call) Strategie ist, dass Sie sich selbst aussuchen können, ob Sie einen Trade mit oder ohne Puffer eingehen wollen. Ohne Puffer bedeutet, dass Ihr gekaufter / verkaufter Call im oder außerhalb des Geldes liegen. Um dies zu verdeutlichen, zeige ich Ihnen ein Beispiel für einen „aggressiveren" Bull-Call Spread. Wir bleiben bei NOV:
- Wir kaufen den $46 Feb 2010 Call (OTM) für $180 und verkaufen gleichzeitig den $48 Feb 2010 Call (OTM) für $110. Der Kaufpreis beträgt damit $180-$110 = $70. Mehr können wir nicht verlieren.
- Steht NOV am Verfalltag unter $46 verlieren wie die $70 (-100%). Schließt NOV jedoch über $48 (was gerade einmal einen Anstieg der Aktie um 7,6% bedeutet), streichen wir einen Gewinn von $130 (=185%) ein ($200 - $70 = $130).
Sie sehen, Ihrer Kreativität sind bei solchen Strategien keinerlei Grenzen gesetzt. Natürlich muss das Szenario, welches Sie sich „zusammenbauen", einigermaßen realistisch sein und sich auch rechnen (eine Optionsstrategie zu Beginn durchzurechnen und alle möglichen relevanten Ausgänge sauber durchzuspielen ist Pflicht).
Passen Sie den Spread Ihrem Porftolio individuell an
Sie können sowohl bei der Bear Call als auch bei der Bull Call Spread Technik auf 3 verschiedene Strategieanpassungen zurückgreifen:
1) Sie wetten darauf, dass der Basiswert in Ihre gewünschte Richtung läuft (wie im zweiten Bull Call Spread Beispiel)
- kein Puffer
- gutes R/R (bis zu 3:1 und mehr ), wenn sich der Basiswert in die gewünschte Richtung bewegt (je besser das R/R, desto stärker muss sich der Wert in Ihre gewünschte Richtung entwickeln, damit Sie am Ende gewinnen)
- Die Zeit arbeitet gegen Sie, wenn der Basiswert sich nicht bewegt
2) Sie wetten darauf, dass sich der Basiswert kaum/ leicht bewegt
- kleiner Puffer
- R/R von ca. (1:1)
- Der Zeitwertverfall arbeitet für Sie
3) Sie setzen darauf, dass sich der Basiswert kaum bewegt / leicht gegen Sie läuft
- sehr große Puffer möglich
- schlechtes R/R (1:3, manchmal sogar noch schlechter) aufgrund des Puffers (je schlechter das R/R, desto größer der Puffer)
- Der Zeitwertverfall arbeitet für Sie, selbst wenn der Basiswert leicht gegen Sie läuft
Ich kann es übrigens kaum erwarten, meinen Lesern von US Options Extreme diverse Spreads zu empfehlen. Im Gegensatz zu vielen meiner Kollegen (welche nur direktional in eine Richtung traden können bzw. dürfen), werde ich tief in die Trickkiste greifen und versuchen, zu jeder Marktlage die passende Strategie zu finden. Auch plane ich, einen prozentualen Anteil der Portfolios immer mit marktneutralen Strategien zu besetzen, so dass sich die Volatilität des Portfolios etwas in Grenzen halten wird.
Beste Grüße

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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von W Eckert (06.01. 2010 16:38 Uhr):
Hallo Herr Hahn, ich kann es auch kaum noch erwarten, habe aber noch kein Online- Broker, könnten sie mir da einen empfehlen, Mit freundlichem Gruß W.Eckert
Antworten - Kommentar von Jürgen Lenk (08.01. 2010 10:54 Uhr):
Hallo Herr Hahn, handelt es sich bei diesen Optionen nicht um "amerikanische "???? Was machen wir bei diesen Spreads ( verkaufte Option im Geld) wenn die verkaufte Option ausgeübt wird???? Ihre Options Serie ist wirklich super ......weiter so ......viele Grüße Jürgen Lenk
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