Optionen für Fortgeschrittene Teil 3: „Delta, Freund und Helfer"
Alexander Hahn in Investoren Wissen zum Thema Derivate & Hebelprodukte
vom 28. Oktober 2009, 16:00 Uhr
ENL5454
heute habe ich einen weiteren Teil meiner Options-Serie für Sie. Wir sehen uns einmal näher an, was es mit dem sog. Delta auf sich hat und vor allem, wie Sie dieses erfolgreich und profitabel für sich nutzen können.
Alexander Hahn
P.S.:
Oft habe ich mich in der Vergangenheit hier bei Investoren Wissen negativ über verschiedene "Journalisten" der Massenmedien geäußert, die keine unbequemen Fragen stellen und sich stattdessen in ihrer Berichterstattung lieber feige und devot als Hofberichterstatter betätigen. Gerechtigkeit in der Berichterstattung muss allerdings sein, denn dass es auch erfreuliche Ausnahmen gibt (bezeichnenderweise aber kein deutscher Medienvertreter...) zeigte kürzlich ein holländischer Journalist, als er Frau Merkel ein paar direkte Fragen stellte, welche sie offenbar lieber nicht gesehen hätte. Man beachte im eingebetteten Video vor allem die Reaktion und Gesichtsausdrücke aller im Raum anwesenden Personen...
Vielleicht verdirbt Geld tatsächlich den Charakter. Auf keinen Fall aber macht ein Mangel an Geld ihn besser.
John Steinbeck (1902-1968), amerikanischer Autor
Optionen für Fortgeschrittene Teil 3: „Das Delta, dein Freund und Helfer..."
Der folgende Artikel setzt ein Grundwissen in der Thematik „Optionen" voraus. Unter folgenden Artikeln können Sie Ihr Wissen zu diesen Grundlagen wieder auffrischen. Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen beim Lesen:
Keine Angst vor Optionen (Teil 1 von 4)
Keine Angst vor Optionen (Teil 2 von 4)
Keine Angst vor Optionen (Teil 3 von 4)
Keine Angst vor Optionen (Teil 4 von 4)
Optionen für Fortgeschrittene (Teil 1)
Optionen für Fortgeschrittene (Teil 2)
Liebe Leser,
im dritten Teil meiner Serie „Optionen für Fortgeschrittene" werde ich heute wiederholt auf das wichtige Thema „Delta einer Option" eingehen und Ihnen gleichzeitig zeigen, wie Sie dieses für sich nutzen können um
- größere Gewinne mit einem kleinen Kapitaleinsatz zu machen.
- Ihr Verlustrisiko gegenüber einer Aktienposition deutlich zu senken, indem Sie das Delta von ITM-Optionen für sich nutzen.
Was ist das Delta einer Option?
Das Delta einer Option zeigt an, wie stark sich der Preis einer Option ändert, wenn der Basiswert (=Underlying) um einen Punkt (i.d.R. in der Währung $ oder € gemessen) steigt oder fällt. Das Delta bewegt sich hierbei theoretisch innerhalb der Grenzen von -1 und 1, wobei der negative Bereich zwischen -1 und 0 Puts und der positive Bereich von 0 bis 1 Calls vorbehalten ist.
Beispiel:
Apple (AAPL) notiert gerade bei ca. $200. Der Preis für den Januar 2010 Call mit dem Basispreis (=Strikepreis) von $180 beträgt $2650. Das Delta dieser Option liegt bei 0,80. Das bedeutet, dass wenn Apple um einen Dollar von $200 auf $201 steigt, sich der Optionspreis um $0,8 pro Aktie erhöht. Da sich eine Option immer auf 100 Aktien bezieht, steigt die genannte Option um $80 (100 x $0,8 = $80).
Wie berechnet sich das Delta einer Option?
Je weiter eine Option im Geld liegt, desto höher das Delta; je weiter die Option aus dem Geld ist, desto niedriger. Bitte beachten Sie, dass das Delta maximal einen Wert von 1 bei Calls und einen Wert von -1 bei Puts erreichen kann. Unter diesem Link finden Sie eine gut verständliche Grafik, welche verbleibende Verständnisschwierigkeiten beseitigen sollte.
Faustregel Nummer 1:
Notiert eine Option „at the Money" (Strikepreis der Option = Kurs Basiswert) beträgt das Delta ca. 0,5 bei Calls bzw. -0,5 bei Puts.
Diese Regel gilt fast unabhängig vom Zeitwert, wie das folgende Beispiel für einen $200er-Call auf Apple (zum Kurs von $200) mit unterschiedlichen Laufzeiten zeigt:
$200, Nov 2009 Call - Delta = 0,585
$200, Jan 2010 Call - Delta = 0,562
$200, Jan 2011 Call - Delta = 0,597
$200, Jan 2012 Call - Delta = 0,627
Faustregel Nummer 2:
Das Delta einer Option nähert sich den Werten 0 und +1 bei Calls und 0 sowie -1 bei Puts an. Der Verlauf der Deltakurve verläuft keineswegs linear, wie auch hier das schon erwähnte Schaubild zeigt
Wählen Sie deshalb Ihre ITM-Option immer ca. 5 Punkte im Geld, wenn der Preis des Basiswerts unter $100 notiert.
Notiert der Basispreis zwischen $100 und $150, sollten Sie 10 Punkte ins Geld gehen.
Zwischen $150 und $200 sind 20 Punkte „in the Money" zu empfehlen.
Und wenn der Kurs des Basiswertes über $200 beträgt, können Sie 30 Punkte oder mehr ins Geld gehen.
Warum diese Regeln? Wir machen uns das Delta als nützliches Hilfsmittel zu nutze.
Was nützt mir das Delta bei ITM-Optionen?
Fassen wir das bisherige Wissen noch einmal zusammen. Das Delta einer Option bewegt sich immer zwischen 0 und (+,-) 1. Je nach Basispreis der Option ändert sich das Delta und damit auch die Korrelation zwischen der Bewegung des Optionspreises und dem Kurswert des Basiswertes.
Und genau diesen Effekt nützen wir aus. Indem wir immer ITM-Optionen kaufen, welche mindestens 5 Punkte im Geld sind, liegt das Delta einer solchen Option zwischen 0,7 und 0,9.
Läuft nun der Basiswert in die von uns gewünschte Richtung, steigt das Delta automatisch an. Das bedeutet, dass die Option pro Punktgewinn im Basiswert immer sensitiver wird und damit die Bewegung stärker nachbildet. Läuft jedoch der Basiswert gegen uns, so fällt das Delta und damit wird der Punktverlust im Basiswert nur abgeschwächt im Optionspreis nachgebildet.
Stark vereinfachte Beispielrechnung:
Die Aktie XY notiert bei $100. Eine ITM-Call-Option mit Strikepreis $90 und einer Restlaufzeit von 6 Monaten kostet $1360. Steigt die Aktie nun um $10 (10%), steigt der Wert der Option auf $2180 was einem Gewinn von ca. $820 oder 60% entsprechen würde.
Fällt die Aktie jedoch um $10, sinkt der Wert der Option „nur" um $655 auf $705. Der Verlust beträgt hier nur 48%.
Einem möglichen Gewinn von $820 steht ein potentieller Verlust von $655 gegenüber. Hätten Sie stattdessen 100 Aktien von XY gekauft, würde Ihr möglicher Verlust gleich dem potentiellen Gewinn entsprechen, nämlich $1000.
Dieser „Delta-Effekt" ist umso stärker, je größer die Bewegung des Basiswertes ist.
Bitte beachten Sie aber, dass ich diese Rechnung um wesentliche Kennzahlen wie Volatilität, Dividende und Restlaufzeit bereinigt bzw. die Rechnungen der Anschaulichkeit halber teils stark vereinfacht habe.
Zusammenfassung :
Mit einer ITM- Option und einem Delta zwischen (+,-)0,7 und (+,-)0,9 bei Call / Put-Optionen nutzen Sie den Delta-Effekt für sich. Sie steigern Ihr Gewinnpotential und senken gleichzeitig Ihr Verlustrisiko, da das Delta in die Richtung, in die Sie wetten, steigt und andersherum sinkt.
Vergleichen Sie das mit einer Rakete, welche beim Start zusätzliche Triebwerke zündet und beim Landen die Geschwindigkeit mittels eines Fallschirms abbremst.
Genau das gleiche Prinzip bieten Ihnen ITM-Optionen. Und das alles ohne Emittentenrisiken wie bei Optionsscheinen oder Zertifikaten. Wenn das nicht überzeugt?
Beste Grüße
ähnliche Beiträge:
- Optionen für Fortgeschrittene 8 - Die Griechen (Teil I)
- Optionen für Fortgeschrittene: „In, Out & At the Money“-Optionen
- Grundwissen wiederholt: Optionen für Fortgeschrittene
- Optionen für Fortgeschrittene: „Positionsgröße von ITM-Optionen"
- Optionen für Fortgeschrittene 9 - Die Griechen (Teil II)
- Optionen für Fortgeschrittene (Teil 7): "Bull Call Spreads"
- Spread-Trading mit Optionen (Teil 1)
Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Helmut Wenzel (29.10. 2009 16:19 Uhr):
Sehr geehrter Herr Hahn, leider ist mein Drucker im Eimer, deshalb möchte ich Sie bitten, ob es möglich ist, mir alle Infos über Optionen per Post zu zusenden, gerne auch mit Rechnung. Oder können Sie mir Literatur nennen über dieses Optionen-Fachwissen? Mit freundlichem Gruß Helmut Wenzel aus Nürnberg
Antworten