Optionen für Fortgeschrittene: Positionsmanagement
Alexander Hahn in Investoren Wissen zum Thema Derivate & Hebelprodukte
vom 11. November 2009, 16:00 Uhr
ENL5454
wie am Montag angekündigt setze ich heute u.a meine Optionsserie der letzten Wochen fort. Lesen Sie heute über das Positionsmanagement bei Optionstrades.
Alexander Hahn
P.S.:
In der gestrigen Ausgabe von Investoren Wissen schlich sich der Fehlerteufel ein. Natürlich meinte ich in meinem ersten Artikel zu Herrn Blankfein nicht "schließen wir daher dieses Kapital", sondern "schließen wir daher dieses Kapitel"
P.P.S.:
Heute schon gelacht? Wenn nein, dann habe ich hier etwas für Sie...
Optionen für Fortgeschrittene Teil 4: „Management von Optionspositionen 1"
Der folgende Artikel setzt ein Grundwissen in der Thematik „Optionen" voraus. Unter den folgenden Links können Sie Ihr Wissen zu diesen Grundlagen wieder auffrischen. Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen beim Lesen:
Keine Angst vor Optionen (Teil 1 von 4)
Keine Angst vor Optionen (Teil 2 von 4)
Keine Angst vor Optionen (Teil 3 von 4)
Keine Angst vor Optionen (Teil 4 von 4)
Optionen für Fortgeschrittene (Teil 1)
Optionen für Fortgeschrittene (Teil 2)
Optionen für Fortgeschrittene (Teil 3)
Liebe Leser,
im vierten und vorletzten Teil meiner Optionsserie „Optionen für Fortgeschrittene" knüpfe ich nahtlos an die letzte Ausgabe „Das Delta einer Option" an und werde Ihnen anhand eines kleinen Beispiels zeigen, wie Sie Ihre eingegangene Optionsposition optimal managen.
Eine kleine Wiederholung
Wie Sie mit Sicherheit noch wissen, nutzen wir ITM-Optionen als Aktienersatz. Wir gehen auf diese Weise vor, weil wir so weniger Eigenkapital einsetzen müssen (nur ca. 20%-30%), um die gleiche Anzahl an Aktien „zu kontrollieren" und dadurch auch nur maximal den Kaufbetrag der Option aufs Spiel setzen. Dazu kommt, dass wir uns den Delta-Effekt zunutze machen. Mehr über den Delta-Effekt können Sie hier nachlesen.
Beispieltrade: 100 Aktien von Goldman Sachs
Verdeutlichen wir das Ganze anhand eines Beispiels:
Sie haben vor, 100 Aktien von Goldman Sachs (GS) zum aktuellen Kurs von $175 zu kaufen. Da Sie jedoch nicht über genügend Liquidität verfügen (Sie bräuchten 100x$175 = $17,500), entscheiden Sie sich stattdessen, die gleiche Anzahl an Aktien per Option „zu ersetzen". Sie wählen die April 2010 Call-Option mit dem Basispreis von $150. Diese Option hat ein Delta von 0,77 und kostet z.Z. ca. $3,400 (80% Ersparnis gegenüber dem Aktienkauf). Ihre gewählte Option liegt komfortable $25 im Geld ($175 - $150 = $25)
Bis hierhin habe ich nur die letzten 3 Ausgaben „Optionen für Fortgeschrittene" zusammengefasst.
Doch was nun? Sie besitzen die Option und wie geht es jetzt weiter? Nach dem Kauf geht es doch erst richtig los mit dem Trade. Deshalb ist ein anständiges Positionsmanagement unerlässlich und mindestens genauso wichtig, wie der eigentliche Kaufvorgang selbst.
Überlegen wir uns also, was auf Sie zukommen könnte - und da fallen mir ganz konkret 3 mögliche Situationen ein:
- Goldman Sachs dümpelt in einer engen Handelsspanne die nächsten 3 Monate langsam vor sich hin.
- Goldman Sachs fällt im Zuge einer heftigen Marktkorrektur.
- Goldman Sachs schießt nach oben.
(Natürlich ist eine Kombination aus den 3 Situationen auch möglich, aber ich möchte ganz bewusst die oben beschriebenen Varianten mit Ihnen durchsprechen)
Szenario 1) - Goldman Sachs dümpelt in einer engen Handelsspanne die nächsten 3 Monate langsam vor sich hin.
Das ist für einen Optionshalter im Vergleich zum Aktionär die denkbar ungeschickteste Variante, denn Ihre Option verliert innerhalb der drei Monate stetig an Zeitwert. Die besprochene Option ist mit insgesamt 25 Punkten im Geld. Sie zahlen für die Option $3,400. Somit beträgt der Zeitwert bis zum Auslaufen der Option $900 ($3400 - $2500 = $900). Bei linearer Rechnung würden so jeden Monat ca. $180 an Zeitwert verfallen. Allerdings verfällt dieser Wert nicht linear, wie Sie unter diesem Link sehen können.
Der größte Zeitwertverlust findet innerhalb der letzten drei Monate statt. Deshalb sollten Sie spätestens 3 Monate vor dem Verfallsdatum die Option wechseln (im Trader-Jargon „rollen" genannt). Mit „rollen" meine ich, die alte Option zu verkaufen und dafür eine andere Option mit einem späteren Verfallsdatum zu kaufen (bei dieser Gelegenheit können Sie eventuell auch einen neuen Basispreis wählen, abhängig vom Delta).
Konkret auf das Beispiel bezogen würde das für unsere $3,400-Option bedeuten:
Sie halten die Option bis Januar 2010 und Goldman Sachs steht zu diesem Zeitpunkt wieder genau bei $175. Die Option hätte dann ungefähr noch einen Wert von $3,100. Sie hätten ca. $300 an Zeitwert verloren. Das ist zwar ärgerlich, aber diesen Verlust können Sie etwas kompensieren, wenn Sie die gegenüber dem Aktienkauf eingesparten $14,100 auf ein Tagesgeldkonto legen und dafür Zinsen kassieren oder eben andere Trades mit dem verbleibendem Kapital durchführen.
Szenario 2) - Goldman Sachs fällt im Zuge einer heftigen Marktkorrektur
Schon beim Kauf hatten Sie dieses dumpfes Gefühl im Bauch... Kaum steigen Sie per Call-Option in GS ein, fällt die Aktie innerhalb einer Woche auf $148 (-15,48%). Zum Glück hatten Sie vorher für sich einen Stop-Loss (kurz: SL) gesetzt (vgl. P&F-Chart Goldman Sachs). Eine sinnvolle SL-Setzung wäre die Marke von $156 (unter den Septembertiefs). Mit einer Aktienposition (100 Aktien) hätten Sie in diesem Fall $1,900 verloren. Mit einer Option beläuft sich Ihr Verlust "nur" auf ca. $1,400.
Es ist sehr wichtig, dass Sie Ihre SL-Setzung vom Kurs des Basiswerts abhängig machen und sich nicht an der Option selbst orientieren. Es machst also in unserem Beispiel keinen Sinn, die Option zur Verlustbegrenzung bei $2,000 zu verkaufen, ohne auf den aktuellen Chart von Goldman Sachs und die dortigen Unterstützungen zu achten.
Szenario 3) - Goldman Sachs schießt nach oben
Dieses Beispiel hebe ich mir für den letzten Teil der Optionsserie für nächste Woche auf. Mit einer paar kleinen Tricks können Sie nämlich Ihre Optionsposition so managen, dass Sie während des laufenden Trades Gewinne einstecken und gleichzeitig Ihr Risiko durch das Rollen einer Option deutlich senken.
Mehr zu dieser Vorgehensweise gibt es nächste Woche bei Investoren Wissen, im vorerst letzten Teil der Serie „Optionen für Fortgeschrittene".
Beste Grüße
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