Optionen für Fortgeschrittene: „In, Out & At the Money“-Optionen
Alexander Hahn in Investoren Wissen
vom 14. Oktober 2009, 16:00 Uhr
ENL5462
wie letzte Woche bereits angekündigt, befasse ich mich ab heute in den nächsten Mitwochs-Artikeln mit dem Thema "Optionen für Fortgeschrittene". Ob und welche bisherigen Voraussetzungen für die jeweiligen Artikel nötig sind, erfahren Sie jeweils zu Beginn.
Alexander Hahn
Auch für den eigenen Handel an der Börse öfter zutreffend als einem als Anleger lieb ist...
Die Suche nach Sündenböcken ist von allen Jagdarten die einfachste.
Dwight D. Eisenhower (1890-1969), amerikanischer General und Politiker, 34. Präsident der USA
Optionen für Fortgeschrittene: „In, Out & At the Money"-Optionen
Der heutige Artikel setzt ein Grundwissen im Bereich „Optionen" voraus. Unter folgenden Links können Sie Ihr Wissen zu diesen Grundlagen wieder auffrischen, falls überhaupt nötig. Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen beim Lesen.
Keine Angst vor Optionen (Teil 1 von 4)
Keine Angst vor Optionen (Teil 2 von 4)
Keine Angst vor Optionen (Teil 3 von 4)
Keine Angst vor Optionen (Teil 4 von 4)
Liebe Leser,
kaum etwas ist ärgerlicher als folgende Situation:
Sie wetten, dass sich ein bestimmter Basiswert in die von Ihnen erwartete Richtung entwickelt. Mit Ihrer Wette liegen Sie richtig, der Basiswert steigt bzw. fällt wie erwartet und Sie freuen sich über Ihre potentiellen Gewinne. Doch ein Blick auf Ihren Depotauszug offenbart Schlimmes: Ihr Optionsschein (OS) bzw. Ihre Option partizipiert einfach nicht von dieser Bewegung, sondern stagniert oder verfällt stattdessen sogar im Preis.
Worin lag also der Fehler? Die Richtung der Bewegung haben Sie ja richtig vorhergesagt? Die Antwort: Sie haben zum falschen OS bzw. zur falschen Option gegriffen.
Je nach Ihrer gewählten Strategie müssen Sie gerade beim Handeln von Optionen darauf achten, dass Ihre gewählte Option zu dieser Strategie überhaupt passt.
Zeit also, die Thematik rund um das Thema "Zeitwert" und "innerer Wert" einer Option weiter zu ergänzen und zu vertiefen.
Wir unterteilen die Optionen eines Basiswertes in 3 verschiedene Kategorien:
- „At the money"-Option
- „In the money"-Optionen (Optionen im Geld)
- „Out of the money"-Optionen (Optionen außerhalb des Geldes)
„At the Money"-Option (ATM):
Im Gegensatz zu „In the money" und „out of the money"-Optionen, von denen es immer mehrere zur Auswahl gibt, gibt es immer nur eine ATM-Option (abgesehen von "Put oder Call"). Hierunter versteht man die Option, deren Strike-Preis (Basispreis) dem Kurswert am nächsten ist.
Beispiel:
Morgan Stanley (MS) notiert nach dem Handelsschluss vom Montag, dem 12.10.09 bei $31.76.
Die Option mit Basispreis $32 ist nun die ATM-Option, weil der Basispreis dieser Option dem aktuellen Kurs am nächsten ist.
- Wie berechnet sich der Wert einer ATM-Option?
ATM-Optionen besitzen damit (fast) keinen inneren Wert. Der Wert der Option bezieht sich alleine auf die Restlaufzeit der Option (die erwartete Volatilität des Basiswertes klammere ich in diesem Artikel aus Vereinfachungsgründen komplett aus), jedoch kann eine ATM-Option nach einer stärkeren Bewegung schnell „ins Geld laufen". Damit vergrößert sich das Delta der Option und diese gewinnt überproportional an Wert.
- Für welche Trading-Stile eignen sich ATM-Optionen?
Somit eignen sich ATM-Optionen vor allem, wenn Sie eine starke und schnelle Bewegung des Basiswertes in der nächsten Zeit (i.d.R. Tage, abhängig von der Restlaufzeit der Option) erwarten.
ATM-Optionen eignen sich nicht, wenn eine vorübergehende Konsolidierung des Basiswertes (z.B. in einer Trading-Range) wahrscheinlich ist, da hier der Zeitwertverlust (der äußere Wert der Option) zu groß wäre.
„In the Money"-Optionen (ITM):
Eine ITM-Option besitzt immer einen inneren Wert.
Das bedeutet für eine Call-Option, dass der Strikepreis der Option niedriger als der derzeitige Kurs des Basiswertes liegt. Im Umkehrschluss befindet sich eine Put-Option im Geld, wenn der Basispreis der Option höher als der Kurswert des Underlyings liegt.
Beispiel:
Bleiben wir bei unserem Morgan Stanley (MS) Beispiel:
Aktueller Kurs MS: $31.76
ITM-Call-Optionen: alle Optionen welche den Strikepreis $31 oder weniger haben
ITM-Put-Optionen: alle Optionen welche den Strikepreis $33 oder mehr haben.
Beachten Sie bitte, dass die ATM-Put-Option mit Basispreis $32 ebenfalls einen kleinen inneren Wert besitzt, wir diese jedoch nicht als ITM-Option sondern als ATM-Option berücksichtigen.
Wie berechnet sich der Wert einer ITM-Option?
Eine ITM-Option besitzt einer inneren und einen äußeren Wert. Diese lassen sich ganz einfach berechnen. Betrachten Sie die Options-Chain von MS im unteren Bild.
Abb.: Oktober Options-Chain für Morgan Stanley (MS) von www.bigcharts.com (vom 12.10.09)
Der Preis der Call-Option mit dem Basispreis $28 hat eine Handelsspanne (Bid-Ask Spanne) von $3.70 bis $3.90. Rechnen wir mit dem Mittelwert $3.80 weiter.
Der innere Wert der Option berechnet sich nun wie folgt:
Aktueller Kurs des Basiswertes minus Strikepreis der Option = innerer Wert
$31.76 - $28 = $3.76
Der äußere Wert (Zeitwert) der Option beträgt:
Preis der Option minus innerer Wert der Option = äußerer Wert
$3.80 - $3.76 = $0.04
Der äußere Wert dieser Option ist so gering, weil die Option im Oktober ausläuft und somit so gut wie keine Restlaufzeit mehr hat.
Für welche Trading-Stile eignen sich ITM-Optionen?
Da der innere Wert einer Option nicht dem Zeitwertverlust zum Opfer fallen kann, eignen sich ITM-Optionen vor allem für längerfristige Investments und als Ersatz von (Aktien)Positionen.
Kommenden Mittwoch werde ich im nächsten Teil dieser kleinen Optionsserie noch einmal speziell auf die Vorzüge von ITM-Optionen (im Englischen: „High Delta Options") eingehen und erklären, warum mit ITM-Optionen Ihr Gewinnpotential steigt und dabei gleichzeitig ihr Verlustrisiko sinkt.
„Out of the Money"-Optionen (OTM):
Eine OTM-Option hat, wie der Name schon sagt, keinen inneren Wert.
Eine Option befindet sich „außerhalb des Geldes", wenn bei einer Call-Option der Strikepreis höher als der aktuelle Kurs des Basiswertes (und bei einem Put der Basispreis der Option niedriger als der Kurswert des Underlyings) liegt.
Beispiel:
Alle Puts auf Morgan Stanley (MS: $31.76), deren Basispreis gleich oder niedriger $31 beträgt, liegen außerhalb des Geldes.
Alle Call-Optionen auf MS mit Strikepreis $32 oder höher liegen außerhalb des Geldes.
Wie berechnet sich der Wert einer OTM-Option?
Der Preis einer OTM-Option wird alleine durch die Restlaufzeit der Option bestimmt.
Ich liste nun als Beispiel die Preise für die OTM-Puts auf MS mit Strikepreis $28 und unterschiedlichen Restlaufzeiten auf:
MS-Put, $28 (Basispreis), Laufzeit bis..
· Oktober 2009: $0.05
· November 2009 $0.75
· Januar 2010: $1.60
· April 2010: $2.70
Für welche Trading-Stile eignen sich OTM-Optionen?
OTM-Optionen eignen sich kaum für das herkömmliche, direktionale Trading. Das bedeutet, dass Optionen welche sich außerhalb des Geldes befinden, sich nicht als Ersatz für (Aktien)Positionen eignen. Die hängt einerseits mit dem geringen Delta dieser Optionen und andererseits mit dem hohen Zeitwertverlust zusammen.
OTM-Optionen eignen sich jedoch hervorragend für Absicherungspositionen (sog. Protective Puts), auf welche ich in einem extra Artikel gesondert eingehen werde.
Weiterhin kann man mit kurzlaufenden OTM-Calls sich selbst eine Art „Discountzertifikat" basteln und ständig einen kleinen Cash Flow generieren.
Erfahrene Trader streichen auch über den Verkauf von OTM-Optionen die Optionsprämie (=Zeitwert der Option) ein. Voraussetzung für den Gewinn bei dieser Art von Trading ist jedoch, dass die Option am Laufzeitende immer noch außerhalb des Geldes notiert.
Und abschließend eignen sich OTM-Optionen natürlich auch für das berühmte „Alles-oder Nichts-Trading". Beispielsweise decken sich „Insider" gerne mit kurzlaufenden OTM-Optionen ein, wenn sie ein kursbewegendes Ereignis „vorausahnen" (Auch an 9/11 wurden z.B. kurz vor den Attentaten eine weit über dem gewöhnlichen Durchschnitt liegende Anzahl von OTM-Puts auf Fluglinien gehandelt. Diese Puts vervielfachten sich in Folge der Anschläge im Preis. Fragt sich nur, wer diese Insider waren?).
Zusammenfassung und Ausblick:
Egal für welche Art des Options(schein)handels Sie sich entscheiden. Das richtige Werkzeug in Form der richtigen Option ist zwingend notwendig. Somit setzt der eigenständige, erfolgreiche Handel von Optionen und Optionsscheinen eine gewisse Menge an theoretischem Wissen über die Materie voraus.
Um Sie hier jedoch nicht alleine im Regen stehen zu lassen, setze ich die Optionsserie für Fortgeschrittene in den nächsten Mittwochs-Ausgaben fort. Sie werden sehen: Das Thema ist gar nicht so schwer, wie Ihnen manch ein "Experte" vielleicht gerne erzählen möchte.
Beste Grüße
Alexander Hahn
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Heike Birn (10.11. 2009 16:25 Uhr):
Sehr geehrter Herr Hahn, als Anfänger, was Optionen betrifft, drängt sich mir bei diesem Artikel eine Frage auf. Wenn ich die Option ausübe (ich meine, wieder verkaufe), benötige ich dann wirklich das Geld, um die Aktien zu kaufen oder wird nur die Option verkauft? Wenn nur die Option verkauft wird, wird dann so getan, als würde ich die Aktien kaufen oder wird die Option zu ihrem Wert zu diesem Zeitpunkt verkauft? Viele Grüße und vielen Dank für Ihre sehr gut verständlichen Artikel Heike Birn
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