Optionen für Fortgeschrittene 9 - Die Griechen (Teil II)
Alexander Hahn in Investoren Wissen zum Thema Derivate & Hebelprodukte
vom 19. April 2010, 16:00 Uhr
ENL5454
Das volatile Vega
Die implizite Volatilität, also die erwartete Schwankungsintensität eines Basiswertes, ist einer der wesentlichen Faktoren, die Einfluss auf die Preisentwicklung einer Option haben. Wie sehr dieser Einfluss bei einer Änderung der Volatilität zunimmt oder abnimmt, gibt die Kenngröße Vega an. Sie ist ein Gradmesser dafür, wie stark sich der Wert der Option ändert, wenn die implizite Volatilität des Basiswerts um einen Prozentpunkt steigt oder fällt.
Beispiel:
Eine Option hat ein Vega von 25. Die implizite Volatilität liegt bei 30%. Steigt die Volatilität auf 31%, steigt auch der Preis der Optionsprämie – und zwar um 25 Cent. Auch hier gilt: Das Vega ist eine dynamische Kennzahl, die sich im Laufe der Restlaufzeit und in Abhängigkeit vom Preis des Basiswertes ständig ändert. Gegen Ende der Restlaufzeit zum Beispiel wird der Einfluss der Volatilität auf die Optionsprämie immer geringer, somit sinkt auch die Bedeutung des Vega.
Auch Optionen, die weit im oder weit aus dem Geld liegen, reagieren weniger auf die Veränderung der Volatilität als Optionen, die am Geld liegen, der aktuelle Preis des Basiswertes also nahe am Ausübungspreis liegt.
Das verlustreiche Theta
Ich habe Ihnen bei IW schon öfters immer mal wieder etwas zum Zeitwert geschrieben. Die Erkenntnis: Jeder Tag hat seinen Preis. Das bedeutet, dass mit jedem Tag, der verstreicht, der Zeitwert sinkt – und damit ein Teil des Wertes der Option. Das Theta misst diesen Zeitwertverlust pro Tag in Cent. Da die Restlaufzeit in der Regel abnimmt, ist das Theta einer gekauften Option immer negativ. Bei leer verkauften Optionen ist das Theta dagegen immer positiv.
Beispiel:
Eine Option mit einem Theta von -0,30 verliert täglich 0,30 Cent an Wert. Da mit jedem Tag, der vergeht, auch die Wahrscheinlichkeit sinkt, dass sich der Preis des Basiswertes noch entscheidend in die eine oder andere Richtung bewegt, fällt mit abnehmender Restlaufzeit auch der Zeitwert der Option – und zwar immer schneller, je näher der Verfallstag rückt. Genauer: Während der ersten Hälfte der Laufzeit verliert eine Option nur etwa ein Drittel ihres Zeitwertes. In der zweiten Hälfte bis zum Laufzeitende beschleunigt sich die Verfallsrate entsprechend.
Auch das Theta entwickelt sich (wie fast alle „Griechen“) dynamisch. Dabei gilt folgende Faustregel: Je näher Ausübungspreis und aktueller Wert des Basispreises beieinander liegen, desto schneller verliert eine Option an Zeitwert – und desto höher ist entsprechend das Theta.
Das risikolose Rho
Wie bereits eingangs kurz erwähnt, hat auch der Marktzins eine Bedeutung für die Entwicklung der Optionsprämie, wenn auch einen recht geringen – denn vor allem in Europa werden Marktzins-Veränderungen erfahrungsgemäß nur sehr langsam und in kleinen Schritten vorgenommen. Das Rho einer Option beschreibt diesen Einfluss in einer Zahl. Das Rho gibt also an, wie stark sich der Wert einer Option ändert, wenn sich der risikofreie Zinssatz am Markt um einen Prozentpunkt ändert. Für Call-Optionen ist Rho positiv, weil der Wert eines Calls mit steigendem Zinsniveau ebenfalls zunimmt. Bei einer Put-Option dagegen ist das Rho immer negativ. Denn ein Put verliert mit steigenden Zinsen an Wert. Für uns bei USOE wird das Rho jedoch kaum von Bedeutung sein. Dieses habe ich hier nur der Vollständigkeit halber mit angeführt.
Fazit
Natuürlich müssen Sie diese Kennzahlen nicht alle auswendig wissen, jedoch werden diese gerade bei komplexeren Optionsstrategien immer wieder auftauchen. Doch selbst wenn Sie nur vor der Wahl stehen, welche Option/ welchen Optionsschein Sie denn nun kaufen sollen, ist es durchaus sinnvoll zu wissen, was es mit den „Griechen“ auf sich hat um damit die passende Option / den passenden schein zu finden, welcher Ihre Rendite maximiert und Ihre Verluste minimiert.
Beste Grüße
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