Opfer von den Reichen
Mr N. N. in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 31. Januar 2012, 07:30 Uhr
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In der jüngsten Ausgabe der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FASZ) war ein interessantes Interview mit dem Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Post AG, Frank Appel, zu lesen, welches anlässlich des Weltwirtschaftsforums in Davos geführt wurde.
Schlimmstes der Krise überstanden?
Jedenfalls reiste Herr Appel mit dem Gefühl, dass das Schlimmste der Krise bereits überstanden sei, aus Davos wieder ab. Diese Zuversicht hörte der Post-Chef aus vielen Gesprächen heraus. Dennoch sei die Deutsche Post für Unsicherheiten gewappnet. Es werde permanent auf die Kosten geachtet; aus der letzten Krise sei noch ein Bündel an Maßnahmen in der Schublade, die im Notfall reaktiviert werden könnten.
Kritik am ausufernden Finanzkapitalismus
In dem Interview mit der FASZ kritisierte der Post-Chef den aus seiner Sicht ausufernden Finanzkapitalismus. Dieser generiere an sich keinen Nutzen und entziehe der sozialen Marktwirtschaft das Fundament. Eine wenige würden exorbitante Gehälter kassieren; vom breiten Rest werde Lohnzurückhaltung verlangt. Für Herrn Appel sei Geld ein Mittel, um Geschäfte zu ermöglichen. Geld sei kein Wert an sich, sondern ein Tauschmittel.
Opfer von den Reichen
Laut Dr. Appel müsse nun ein Weg gefunden werden, um von den Altlasten, den Schulden des Staates, wieder runterzukommen. Dies könne nicht der einfache Mann auf der Strasse schultern, sondern die Besserverdiener. Viele Spitzenverdiener wie er hätten nichts dagegen, mehr Steuern oder eine Vermögensabgabe zu zahlen, wenn sichergestellt werde, dass damit die Schulden auf ein Maß abgesenkt werden, welches die nachfolgenden Generationen auch noch in 30 Jahren tragen können. Dem Post-Chef zufolge teile ein nicht unwesentlicher Teil der Wirtschaftselite seine Ansicht. Es müsse allerdings garantiert werden, dass sich der Staat mit den Mehreinnahmen keine neuen Wohltaten oder Transferleistungen ausdenke.
Freiheitliche, demokratische Position"
Es sei eine freiheitliche, demokratische Position, wenn Leute mit breiteren Schultern mehr tragen würden. Denn was nütze der Reichtum, wenn es keine Freiheit und Sicherheit mehr gebe? Er wolle Deutschland als tolles Land mit hoher sozialer Gerechtigkeit erhalten. Als Spitzenverdiener hätte er nichts davon, wenn er sich hinter hohen Zäunen verstecken müsste und seine Kinder sich nicht frei bewegen könnten.
Lage bedrohlicher als 2008
Zum Abschluss noch ein deutlicher Warnschuss für alle Konjunktur-Optimisten. Der Chef des Duisburger Stahlhändlers Klöckner & Co, Gisbert Rühl, bezeichnete in einem Interview mit der Financial Times Deutschland vom gestrigen Montag die gegenwärtige Lage gar als bedrohlicher als 2008. Für Europa gehe das Unternehmen nur von einem kurzen Aufschwung aus. Insgesamt richtet sich der Stahlhändler auf eine Schrumpfung der Stahlnachfrage in Europa in Höhe von fünf Prozent in 2012 ein.
Es könne aber Rühl zufolge durchaus schlimmer kommen. Er sei davon überzeugt, dass auch Branchen, die im vierten Quartal noch gute Auftragseingänge hatten, nun deutlich spürbare Rückgänge sehen würden. Dies sei vor allem eine Folge der Staatsschuldenkrise. Die Unsicherheit an den Kapitalmärkten sei aktuell vermutlich größer als 2008. Im Rahmen eines Sparprogramms würden bei Klöckner & Co nun sechs Prozent der 11577 Arbeitsplätze gestrichen, wobei die Zentrale in Duisburg mit einem Stellenaderlass von 20 Prozent besonders hart betroffen sein werde. Am Montag brach die Klöckner & Co Aktie um mehr als sieben Prozent auf 10,85 Euro ein.
Zum zweiten Teil von: Wenn Nationen den Rückwärtsgang einlegenähnliche Beiträge:
Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Bernd Vetter (31.01. 2012 08:01 Uhr):
Jetzt begreifen diese "Hindermänner" wohl langsam, was geschehen wird, wenn das ganze "Gebilde" zusammenbrechen würde. Chaos, Revolution, marodierende Banden etc. würden diesen Superreichen das Leben vergälen. Der Ausweg wird jedoch wahrscheinlich wieder ein "Weltbrand" werden, der vielleicht noch gigantischer wird, wie der 2.Weltkrieg. Denn das die "oberen Zehntausend" ihr Vermögen sich beschneiden lassen, glaubt doch wohl niemand ernstlich. Da müssten ja auch die üppigen Pensionen und Gehälter der Politiker und hohen Beamten auf den Prüfstand und das wird hinausgezögert bis dann wirklich kein Ausweg mehr möglich ist. Egoismus : Kapitalismus
Antworten - Kommentar von Wilhelm Schwermann (31.01. 2012 09:27 Uhr):
der Postchef u. einige haben die Zeichen der Zeit erkannt! Einige - u. wie viele nicht? Schaffen es die "einigen/wenigen" die anderen zur Vernunft zu bewegen u. Politiker nicht mit Visionen, sondern Einsichten zu etablieren? Es ist nicht 5 vor 12 - Explosionen ereignen sich meistens dann, wenn sie nicht erwartet werden.
Antworten - Kommentar von Manfred Schneider (31.01. 2012 09:30 Uhr):
Da kann ich seit 35 Jahren Herrn Apel nur zustimmen, wenn er den ausufernden Finanzkapitalismus kritisiert. In meinem Wirtschaftswissenschaftlichen Studium bin ich bereits mit den Binsenweisheiten eines funktionierenden Wirtschaftkreislaufes konfrontiert worden, der da hieß: Freiwirtschaft, konzipiert von Silvio Gesell. Diese Freigeldtheorie hat jedoch aufgrund der starken Lobby der Finanzbesitzenden - nicht des Unternehmertums ! - keine reale Chance gehabt, außer der kurzen Zeit in den 20ern in Wörgl.
Antworten- Antwort von Monetenmann (31.01. 2012 11:11 Uhr):
Das Märchen von Wörgl. Überall dort wo Notgeld oder Schuldscheine gedruckt und verteilt wurden, wurde dadurch die lokale Wirtschaft angekurbelt. Das hat gar nichts mit Freigeld zu tun. Der Begriff "natürliche Wirtschaftsordnung" und "Freigeld" sind purer Betrug, genauso wie "Federal Reserve Bank" - gleich drei Lügen in einem Wort. Gesell war ein staatsgläubiger Schafkopf. Ich habe seine Werke gelesen. Diese kann man auf 4 Din A4-Seiten zusammenfassen. Er will alles unter staatlichen Zwang stellen statt unter die Kräfte des freien Marktes. Herrgott behüte uns vor diesem Irrsinn. Wichtig ist, dass man im Freigeld-System Gold kaufen kann, dann erledigt sich das System schnelll von selbst... ;-)
- Antwort von Monetenmann (31.01. 2012 11:11 Uhr):
- Kommentar von Albert Karl (31.01. 2012 09:33 Uhr):
Endlich einmals klare Worte - von einem Mann der Wirtschaft - die das Wesentliche unserer Probleme erfasst haben. Gratulation - zu diesem Mut!
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