Opel: Krisenkarussell dreht sich munter weiter

in Insider Daily
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Liebe Leserinnen, liebe Leser,

das Krisenkarussell der Ungewissheit um die General Motors-Tochter Opel dreht sich weiter und hat sogar aktuell noch einmal an Fahrt aufgenommen. Es hat den Anschein, als würde diese Fahrt nie ein Ende nehmen - zumindest kein wirklich gutes.

Wie ich heute auf dem Internetportal der "Zeit" lese, hat sich nun scheinbar auch Fiat als möglicher Investor beim deutschen Autobauer verabschiedet. Nachdem man in der Nacht zum Donnerstag in Berlin stundenlang gemeinsam getagt hatte und trotzdem zu keinem Entschluss kam, sollten heute nach Wochen langem hin und her endlich die Würfel fallen.


Fiat hat keine Lust mehr auf GMs "riskante Spielchen"

Doch Fiat-Boss Sergio Marchionne hat angeblich das für heute von der Bundesregierung anberaumte Treffen zur Opel-Rettung abgesagt. Damit drohen die Verhandlungen über das Schicksal des angeschlagenen Autobauers vor dem neuen Krisengipfel geradewegs in eine Sackgasse zu geraten. Aus Verhandlungskreisen soll laut Aussage der Zeit zu hören sein, dass der Mutterkonzern General Motors (GM) gar keine Einigung wolle. Denn auch mit dem letzten verbleibenden Interessenten Magna sollen die Verhandlungen ins Stocken geraten sein.

So schwer hatte sich die Bundesregierung die Rettung von Opel ganz sicher nicht vorgestellt. Jedem Zugeständnis der Kaufinteressenten begegnen die GM-Manager mit einer neuen Forderung. Und so ist es meiner Ansicht nach auch nur allzu verständlich, dass Fiat diese "dummen Spielchen" zu blöd geworden sind. Fiat-Chef Marchionne jedenfalls sagte, sein Konzern könne nicht wegen einer Notlage außerordentliche Risiken eingehen. Grundsätzlich sei man aber offen für weitere Gespräche mit allen Beteiligten.

Opel hat seinen Favoriten längst

Ob das jedoch überhaupt noch mal notwendig wird, bleibt abzuwarten. Denn angeblich soll der Favorit - zumindest im Hause Opel - schon feststehen. Offenbar ohne dass er von der Absage Marchionnes wusste, hatte Opel-Aufsichtsratsmitglied Armin Schild nämlich bereits heute Morgen Magna zum Favoriten erklärt. Das Konzept sei am tragfähigsten, sagte der Bezirksleiter der IG Metall Frankfurt im Bayerischen Rundfunk. Weil die Insolvenz von GM "unmittelbar bevorsteht", plädiere er dafür, "jetzt die Brückenfinanzierung rechtzeitig vor der Insolvenz auf die Beine zu stellen, sich aber noch nicht endgültig festzulegen auf einen der beiden Investoren".

Und auch die Option einer geordneten Insolvenz ist ja laut Bundeswirtschaftsminister von Guttenberg noch immer nicht vom Tisch. Es bleibt also spannend. Während wir heute Nachmittag in unser wohl verdientes Wochenende starten, will die Bundesregierung also einen weiteren Anlauf zur Rettung von Opel starten. Der Ausgang ist ungewiss, nur eins ist sicher: Die an den Verhandlungen im Kanzleramt Teilnehmenden wie Bundeskanzlerin Angela Merkel, die zuständigen Bundesminister, Vertreter von General Motors und des US-Finanzministeriums werden wieder jede Menge Sitzfleisch und einige Tassen Kaffee benötigen.

Ich wünsche Ihnen ein erholsames und sonniges Pfingstwochenende. Wir lesen uns wieder am kommenden Dienstag.

Ihre

Cindy Bach

P.S.: Ich habe mal gegoogelt um herauszufinden, was mit dem Begriff geordnete Insolvenz eigentlich gemeint ist. Denn der von Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg im Zusammenhang mit der Opel-Krise verwendete Begriff der "geordneten Insolvenz" existiert im deutschen Recht eigentlich nicht.

Expertenmeinungen zufolge - so lese ich bei Spiegel Wissen - meinte Guttenberg mit diesem Ausdruck, dass alle Möglichkeiten, die eine Sanierung des Konzerns vorsehen vor einer Insolvenz in Betracht gezogen werden sollten. Schließlich lässt die vor gut zehn Jahren eingeführte Insolvenzordnung, die das Konkursrecht abgelöst hat, mehr Spielräume für die Konzerne: Seitdem können Unternehmen die eigene Insolvenz mithilfe eines gerichtlich eingereichten Sanierungsplanes gestalten, um den Schaden zu begrenzen. Stimmt das zuständige Insolvenzgericht zu, darf das alte Management die Firma weiter verwalten, wodurch sich die Gefahr einer Zerschlagung oder Abwicklung in der Regel deutlich verringert.

Im Falle einer Insolvenz von Opel muss allerdings ein neuer Investor gefunden werden, dem die Gläubiger und der Opel-Mutterkonzern General Motors , zustimmen. Dass dies nicht leicht ist, zeigen die Insolvenzen ehemaliger Konkurrenten wie Saab oder Chrysler , die nach der Insolvenz Verkaufseinbrüche von 30 bis 40 Prozent verzeichneten.

von
Cindy Ullmann
Cindy Ullmann

Cindy Ullmann nimmt regelmäßig Insidergeschäfte unter die Lupe. Sie stellt „Directors’ Dealings“ vor - zum Vorteil ihrer Leser.

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