Opel: Es kommt so anders als man denkt...
Cindy Bach in Insider Daily
vom 21. September 2009, 14:30 Uhr
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tief im Westen, wo die Sonne verstaubt! Ist es besser, viel besser, als man glaubt," so sind die ersten Worte aus Herbert Grönemeyers Liebeslied an seine Heimatstadt Bochum. Im Augenblick ist es in der Ruhrpottstadt jedoch eher schlechter als man glaubt. Nach der Schließung des Nokia-Werkes und dem Verlust von 2.000 Arbeitsplätzen, folgt nun eine Welle von Stellenstreichungen im Bochumer Opel-Werk.
Das hatten sich die Opelaner und auch wir Steuerzahler uns ganz anders vorgestellt. Es klang ja auch zu verführerisch, was uns der österreichisch-kanadische Automobilzulieferer Magna im Vorfeld seiner Opel-Übernahme versprach. Keine Werksschließungen in Deutschland und nur minimaler Stellenabbau. Nun die traurige Wahrheit. Vor den ersten Verhandlungen über den Stellenabbau bei Opel sickerten nämlich bereits konkretere Informationen über die Pläne des vorgesehenen neuen Besitzers in der Presse durch.
Bochum - von wegen "Glück auf!"
Von den deutschen Werken solle das Werk in Bochum mit dem Abbau von 2.045 Jobs am härtesten betroffen sein, berichtete die "Welt am Sonntag" unter Berufung auf ranghohe Verhandlungskreise. Für heute seien in Rüsselsheim erste Gespräche über den geplanten Personalabbau angesetzt. Am Opel-Stammsitz in Rüsselsheim wolle Magna 1.817 Arbeitsplätze streichen, schrieb die Zeitung weiter. 1.100 Stellen davon entfielen auf die Verwaltung, der Rest auf die Produktion. Insgesamt sollen in Europa 10.560 Stellen wegfallen, davon 4.500 bei Opel in Deutschland.
Nur Opel-Werk Eisenach bleibt verschont
Das Werk Eisenach bleibe von Stellenstreichungen verschont, da Produktionskapazitäten aus dem spanischen Saragossa nach Thüringen verlagert würden. In Saragossa protestierten am Samstag mehrere tausend Menschen gegen den möglichen Stellenabbau in Spanien. Die Demonstranten forderten den Erhalt des Werkes im nahegelegenen Figueruelas und drohten mit einem Streik. Die Gewerkschaften befürchten, dass in Figueruelas rund 1.650 der insgesamt 7.500 Jobs gestrichen werden.
Auch in Deutschland reagieren die Opelaner mit Protest gegen die Pläne von Magna. Laut eines Berichts auf Spiegel.Online habe sich Opel-Betriebsratschef Klaus Franz im Vorfeld zwar mit großer Energie für Magna als neuen Investor eingesetzt. Doch wer sich bei dem österreichisch-kanadischen Zulieferer deshalb leichtes Spiel mit den Verhandlungen über die Sanierungspläne erwartet hat, sehe sich nun getäuscht: Die geplanten Stellenstreichungen wollen die Gewerkschafter auf keinen Fall hinnehmen. "Das sind Planzahlen, die wir so nicht akzeptieren. Wir machen solche Rechnungen nicht auf", sagte Franz, in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa über die konkreten Streichpläne.
Der Betriebsratschef habe vielmehr erneut für eine gesamteuropäische Lösung des notwendigen Kapazitätsabbaus geworben. "Die Produktionsvolumen und auch die zu tragenden Lasten müssen gerecht auf die europäischen Werke aufgeteilt werden."
Astra bald in St. Petersburg produziert
Wie sagte es Guido Westerwelle gestern Abend im Fernseh-Duell der Oppositionsführer so treffend: "Solche Dinge passieren eben, wenn die Regierung fälschlicherweise schon vorab einen Investor öffentlich favorisiert." Nun ja, im Nachhinein lässt es sich oppositionell immer leicht schimpfen. Nichtsdestotrotz bleibt die Frage: Hat man unsere Regierung getäuscht? Oder haben unsere Staatschefs mal eben einfach was übersehen, Hauptsache Opel verbleibt nicht bei General Motors?
Jetzt haben wir einen "selbstständigen" Opel-Konzern, der zu einem Viertel Magna gehört und zu einem weiteren Viertel der russischen Sberbank. Juhu, Ex Kreml-Chef Wladimir Putin hat bereits großzügig seine Hilfe angekündigt. "Wir sind uns unserer sozialen Verantwortung bewusst und werden zur Erhaltung eines der ältesten europäischen Autobauers beitragen", wurde Putin in der russischen Presse zitiert. Möglich sei eine Kooperation zwischen Opel und dem russischen Lada-Bauer Avtovaz. Konkrete Pläne hierfür gibt es auch schon. In einer Fabrik der bisherigen Opel-Mutter General Motors bei St. Petersburg sollten Astra-Modelle gebaut werden. Es kommt so anders als man denkt...
Ich wünsche Ihnen einen guten Start in die neue Börsenwoche.
Ihre
Cindy Bach
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Detlef Dechant (22.09. 2009 10:10 Uhr):
Was heißt hier in Hinblick auf Westerwelles Kommentar zur Magna-Ankündigung des Stellenabbaus "hinterher ist man immer klüger!". meines Wissens hat die FDP von Anfang an gewarnt, sich so festzulegen und von Anfang an Recht gehabt! ich sage heute schon: " in 1 - 2 Jahren ist New-Opel insolvent und der deutsche Steuerzahl ein paar Milliardchen los, die sind dann in Russland und Kanada - und auch bei GM!"
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