OPEC – bellende Hunde beißen nicht!?

in Rohstoff Daily zum Thema Rohöl | Erdöl
vom


Liebe Leser,

es ist fast schon traurig zu sehen, wie wenig Einfluss die OPEC auf die Ölpreisentwicklung in Krisenzeiten nehmen kann. Arme zahnlose Organisation!!

Früher war das alles anders, allerdings ist das auch schon über 20 Jahre her. Seitdem ist die OPEC scheinbar immer nur dann eine Institution auf deren Worte man acht gibt wenn es dem Markt sowieso gerade in den Kram passt. Also immer nur in sonnigen und wohl gelaunten Zeiten.


Doch der Markt ist nicht wohl gelaunt. Das ganze Jahr über schon nicht und jetzt erst Recht nicht mehr.

Genauso wenig wie es die OPEC vermocht hat die massive Übertreibung im Ölpreis in der ersten Jahreshälfte (als der Ölpreis noch die 150 USD anstrebte - alte Zeiten!) zu unterbinden, vermag sie es auch jetzt ganz offenbar nicht den massiven Fall der Ölpreise aufzuhalten.

Obwohl die OPEC gestern eine substanzielle Förderkürzung um 2,46 Millionen Barrel pro Tag angekündigt ist der Preis pro Barrel WTI mittlerweile unter die 40 USD-Marke gefallen.

Was macht die arme alte OPEC bloß immer falsch?

Fehler Nummer 1 Verlust der Glaubwürdigkeit

Seit mehr als 20 Jahren hat die OPEC um ihre Glaubwürdigkeit zu kämpfen wenn es um beschlossene Förderkürzungen geht. Warum? Ganz einfach, sie werden meist nicht in vollem Umfang und von allen Mitgliedern umgesetzt. Tatsächlich zeigt die Geschichte, dass sich gerade im Umfeld niedriger Ölpreise einige Mitglieder immer wieder dazu verleiten lassen die Kürzungen nicht umzusetzen und stattdessen auf Kosten der anderen zu profitieren. (so geschehen in den 80er und 90er Jahren)

So etwas scheint der Markt auch jetzt anzunehmen - großes Vertrauen hat jedenfalls niemand so Recht in die Handlungsdisziplin der OPEC-Mitglieder.

Fehler Nummer 2 Der Zeitfaktor

Die OPEC gab gestern an, die Förderung um 2,46 Millionen Barrel pro Tag zu senken - ab Januar. Nun fördert die OPEC allerdings jetzt schon mehr, als es ihrer eigentlichen selbst auferlegten Quote entspricht. Obwohl ich davon ausgehe, dass sich die einzelnen Mitglieder inzwischen mehr Mühe geben, schätze ich dass gegenwärtig höchstens 75% der Ziele erfüllt sind.

Im September jedenfalls förderte die OPEC noch über 29 Millionen Barrel pro Tag. Eine Kürzung um 2,46 Millionen Barrel vom Quotenziel aus betrachtet käme folglich einer effektiven Kürzung um 4,2 Millionen Barrel von der Fördermenge im September gleich.

Es stellt sich also die Frage, ob die OPEC ihr angestrebtes Ziel überhaupt in der kurzen Zeit erreichen kann.

Fehler Nummer 3 Pulver verschossen?

Eigentlich ist die gestern beschlossene Senkung schon deutlich massiv. Man fragt sich jetzt nicht nur wie die OPEC dieses Ziel erreichen will, sondern ob nun überhaupt noch Potenzial für weitere Kürzungen vorhanden ist.

Mit diesen Überlegungen verliert der Markt mehr und mehr das Gefühl, dass die OPEC überhaupt die Macht hat den Markt zu manipulieren.

Fazit

Nach wie vor gehe ich davon aus, dass wenn die Förderkürzungen über die kommenden Monate umgesetzt werden, dies die Preise wieder deutlich stabilisieren sollte. Doch offensichtlich pflastert der Markt den Weg bis dahin mit Steinen.

Kurz- bis mittelfristig dürften die Ölpreise weiter unter Druck stehen, insbesondere wenn man bedenkt wie viel Öl gegenwärtig gehortet wird. Die Ölfirmen haben mittlerweile 25 Supertanker gemietet um Rohöl zu lagern. Das entspricht 5 % der weltweiten Flotte. Die gelagerte Menge dürfte wohl ausreichen um ganz Frankreich für 1 Monat zu versorgen.

Natürlich horten die Ölfirmen Öl weil sie auf steigende Preise hoffen. Meine Befürchtung ist nur: sobald die Preise wieder anziehen, könnte plötzlich eine Menge Öl angeboten werden. Sofern die Nachfrage dann nicht massiv angezogen hat, könnte dieses hohe Angebot die Preise wieder drücken.

von
Miriam Kraus
Miriam Kraus

Miriam Kraus ist eine gesuchte freiberufliche Finanzanalystin, deren besondere Kennzeichen die hartnäckige Recherche und ein Gespür für wesentliche Aspekte sind.

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