Ominöse 1-Stück-Umsätze?
Michael Vaupel in Traders Daily
vom 27. September 2007 12:00 Uhr
ENL5454
Eine Frage von Trader´s Daily-Leser Siegfried S.:
“Wieder einmal wurde bei mir ein Stopp Los ausgelöst, welches offensichtlich durch den Kauf, oder Verkauf eines (einzigen Scheins) herbeigeführt wurde; beim Schein mit der WKN AA0GN2 (Call auf den DAX) . Wie Sie auf der beigefügten Übersicht erkennen können, wurde um 10:49:24 Uhr dieser eine Optionsschein dazu benutzt. Bei einem ähnlichen Fall wurde mir auf Anfrage in Stuttgart 2 Tage später mitgeteilt, dass alles in Ordnung sei. Können Sie mit Ihren Verbindungen klären, was von dieser Vorgehensweise zu halten ist und über die tägliche Information von Ihnen die Investor Verlagsgemeinde unterrichten?“
Fragen dieser Art (zu 1-Stück-Umsätzen, die das Auslösen von Stoppkursen herbeiführen) erhalte ich öfters.
Und ich habe dieses Thema auch schon hier im Trader´s Daily besprochen. Wenn Sie also "alter Hase" in der Trader´s Daily-Gemeinde sind, dann können Sie diesen Beitrag getrost überspringen. Falls nicht, rate ich Ihnen zur Lektüre, denn es handelt sich um ein für Zertifikate-Trader durchaus wichtiges Thema. Also:
Was hat es mit diesen "1-Stück-Umsätzen" auf sich?
Zur Antwort dieser Frage muss ich etwas ausholen ... Thema "Stoppkurse":
Sie wissen, dass ein Stoppkurs an den Aktienbörsen nur dann ausgelöst wird, wenn ein Umsatz unter Stopp zustande kam. Dann wird ihr Verkaufsauftrag zum "bestens"-Verkaufsauftrag, und zum NÄCHSTEN festgestellten Kurs wird verkauft. Das ist wichtig zu wissen; denn der nächste festgestellte Kurs kann sehr deutlich unter Ihrem Stoppkurs liegen.
Das ist übrigens ein Hauptgrund dafür, warum ich dem Aktienmarkt weitgehend den Rücken gekehrt habe. Gerade bei kleineren Werten gibt es doch immer große Diskrepanzen zwischen gesetztem Stoppkurs und Verkaufskurs.
Jetzt zur Stuttgarter Zertifikatebörse Euwax: Dort sind zur Auslösung des Stopps keine tatsächlich stattgefundenen Umsätze notwendig! Ich zitiere die Angaben der Börse Stuttgart, wie Stop-Loss und Stop-Buy an der Euwax gehandhabt werden:
"Ist im Falle der Stop-Loss Order der Briefkurs des Emittenten bzw. Market-Makers gleich oder niedriger als das Stop-Limit oder ist bei der Stop-Buy-Order der Geldkurs des Emittenten bzw. Market-Makers gleich oder höher als das Stop-Limit, so kann der Personal Order Guide die Stop-Order aktiv auslösen."
Das bedeutet, dass Ihre Order dann umgehend abgewickelt wird. (Technisch gesehen bedeutet das meist, dass ein Kursmakler durch Selbsteintritt mit einem Umsatz von einem Stück Stop-Loss oder Stop-Buy auslöst – das erklärt also die Umsätze von einem Stück.)
Und da die Market Maker gewöhnlich fortlaufend Geld-/Brief-Kurse stellen, ist gewährleistet, dass Sie auch wirklich ziemlich schnell draußen sind, wenn Ihr Stop-Loss Limit erreicht ist. Oder dass Sie ziemlich schnell kaufen, wenn Ihr Stop-Buy Limit erreicht wird.
Die Börse Stuttgart stellt deshalb völlig zu Recht fest: "Damit ist sichergestellt, dass der Stop-Auftrag auch ohne vorhergehende umsatzunterlegte Preisstellung zur Ausführung gelangt."
Fazit: Dieser Umsatz von genau einem Stück ist kein ominöser Betrug, sondern es handelt sich um einen Makler der Euwax, der durch Selbsteintritt einen Umsatz generiert. Zu dem Zweck, dass ein Stoppkurs kursnah ausgelöst werden kann (und nicht etwa auf einen Umsatz gewartet werden muss.)
Ein so zustande gekommener 1-Stück-Umsatz wird übrigens mit dem Buchstaben „C“ gekennzeichnet. Siehe die Grafik oben!
Also, wenn Sie in Zukunft bei den Umsätzen ein „C“ sehen, dann wissen Sie, was das bedeutet.
Beste Grüße,
Michael Vaupel
