Oh wie gut, dass niemand weiß...
Axel Retz in DAX Daily
vom 07. November 2006 08:30 Uhr
ENL5454
Oh wie gut, dass niemand weiß…
Oh wie gut, dass niemand weiß, dass ich Rumpelstilzchen heiß. Das ist lange her. Das dass schrieb man noch als das daß. Und auch mit Feen, den kleinen GEISSLEIN und dem guten König DROSSELBART tat man sich damals leichter. Heute flüchtet sich die schreibende Zunft in GroSSbuchstaben, um das Problem zu umschiffen. DORNRÖSSCHEN habe ich noch nicht lesen müssen. Aber das Mädel kommt ja eh immer etwas verspäteter dran.
Zurück zum Rumpelstilzchen, das vermutlich bald als dendglisch verballhorntes „Little RoomperStyle" in die deutschen Kinderstuben einziehen wird: 1812 von den Gebrüdern Grimm gesponnen, erzählt das Märchen eine gar gruselige Geschichte:
Eine Müllerstochter, nach Angaben ihres Vaters in der Lage, aus Stroh Gold zu spinnen, gerät darob in die Klemme, bis ihr ein kleiner Gnom zur Hilfe kommt, der das chemisch eher fragwürdige Unterfangen wahr werden lässt.
Wie das im Märchen so ist, kommt die Sache schneller auf den Punkt als an der Börse:
Der Hokuspokus fliegt auf, der im Wald ums Feuer tanzende Gnom wird beim Namen genannt und „Rumpelstilzchen zerreißt sich vor Wut selbst", wie www.wikpedia.de schreibt.
Aus Stroh oder auch aus heißer Luft Gold zu spinnen, kam auch Ende der neunziger Jahre an den Börsen wieder in Mode. "Oh wie gut, dass niemand weiß, dass ich Thomas Haffa heiß".
EM-TV, Gigabell, CMGI, aber auch Unternehmen wie Infineon oder Deutsche Telekom schmissen ihre Webstühle in die Gegenrichtung an. Aus viel Geld wurde wenig Geld oder auch gar kein Geld mehr. Die ums Feuer tanzenden Gnome kamen, so ist das Leben, allerdings weit besser davon als unser Little RoomperStyle.
Die Wall Street-Indizes erinnern mich an dieses Treiben. Zugegeben: Die Trends laufen – und nur das zählt erst einmal. Sehe ich mir die US-Konjunkturdaten an und die Reaktion des Marktes, frage ich mich, wer zum Zeitpunkt X einmal den Kopf hinhalten muss. Ich denke, es wird das „Plunge Protection Team" sein.
Von Präsident Reagan (der nur in Hollywood der bessere Schauspieler war als Bush I und II) nach dem 1987er Crash ins Leben gerufen, operiert diese hochkarätige Truppe seitdem am erklärten Ziel, ein derartiges Ereignis künftig auszuschließen. Wenn sie hierzu weitere Informationen wünschen, finden Sie zwei Absätze weiter einen Link.
Die Zerreißprobe zwischen den Fundamentals und den Kursen, wie sie für noch lebende Börsianer wirklich nur im New Economy-Boom erlebbar war, erlebt eine Wiedergeburt. Was nicht heißt, dass die Kurse nicht weiter steigen können. Im Gegenteil: Bevor sich Rumpelstilzchen zerreißt, kann es dauern.
In meinem Börsendienst DAX PROFITS (mit dem ich in diesem Jahr wegen der zunehmenden fundamentalen US-Risiken viel zu defensiv war) will ich diese Situation „optimal" meistern. Mit Tradings auf den Dax, den MDax und den TecDax. Zwei neue Signale hierzu gab es gestern. Auf den Nägeln brennen mir natürlich auch hier die Aktivitäten des „Plunge Protection Teams", die ich in der kommenden Ausgabe einmal detailliert darlegen werde. Die Konsequenzen werden Sie überraschen!
Am Ende? Am Ende geht es so wie immer: Stroh ist kein Gold. Und es brennt wie Zunder.