Oh Sicherheit, oh Sicherheit - wo bist Du geblieben?!
Dr. Markus Schoor in Investoren Wissen
vom 22. Januar 2008 16:00 Uhr
ENL5454
Liebe Leser,
immer mehr von Ihnen stellen mir die Frage, wo man denn SICHER sei mit seinem Geld.
Das ist eine verdammt gute Frage!
Vielleicht wird diese Frage auch Sie und Ihre Familie in den nächsten Jahren direkt betreffen....
und deshalb habe ich mich dran gesetzt und gesucht.....
Das Abenteuer 1. Teil: Sind Pfandbriefe die Lösung?
Jeder von Ihnen hat sicher schon einmal darüber nachgedacht, was passiert, wenn das Finanzsystem mal einen Knacks bekommt und zur Zeit hören wir ja jeden Tag von "Rettungen" und "weißen Rittern aus dem Osten" usw.
Wir wissen aber auch, wenn der derzeitige Börsencrash mal vorbei ist, dass wir dann mit massiven Inflationsproblemen zu kämpfen haben, aber dazu in einer weiteren Folge.
Heute vergessen wir die Inflation und wollen nur unser Geld mal aus dem Zugriff unserer eigenen Bank bringen, so dass unser Geld noch da ist, falls unsere Bank zufällig diejenige sein sollte, die sich als "schwarzer Ritter" rausstellt.
Wir könnten Bundesanleihen oder Bundeschatzbriefe kaufen, aber irgendwie gibt es da immer die Möglichkeit für Schuldenmoratorien, Zinsaussetzungen, verspäteten Rückzahlungen - und mir ist einfach nicht wohl dabei, einem Staat Geld zu leihen, der ca. 40% seines Jahresbudgets für die Bedienung von Schulden und die Verwaltung seiner selbst ausgibt, ganz zu Schweigen von der Stützung der Rentenkasse, ......
Hier finden Sie den aktuellen Schuldenstand. Heute morgen waren es noch 1.500 Milliarden Euro. Sie können dort zuschauen, wie es mehr wird.
Jeder mit historischer Erfahrung sagt mir: Habe Grundstücke und Zeit.
Leider habe ich keine Zeit und will liquide bleiben.
Aber vielleicht kann man trotzdem an dem Grundstücksgedanken partizipieren. Da nennt man mir Pfandbriefe, denn diese (Hypthenkenpfandbriefe): "müssen jederzeit in voller Höhe durch (in der Regel) erstrangige Grundpfandrechte besichert (gedeckt) sein. Im Konkursfall des Emittenten (das wäre jetzt Ihre Bank oder die herausgebende Bank, Anm. d. Redaktion) steht den Pfandbriefgläubigern (also Ihnen! Anm. d. R.) an diesen Deckungswerten ein Befriedigungsvorrecht (Konkursvorrecht) vor allen anderne Gläubigern zu."
Zitat (bis auf die Anmerkungen der Redaktion) aus "Basisinformationen über Vermögensanlagen in Wertpapieren", in diesem Fall von Diba ausgegeben, S. 28, Bank-Verlag Köln 2002
Klingt sehr sexy. Nennen Sie mir irgendeine andere Situation in Ihrem Leben, wo Sie von einem "Befriedigungsvorrecht" träumen. Also ich finde, dass klingt so, als würde man an den sicheren erstrangigen Grundstücken und Gebäuden beteiligt und es kann nichts passieren.
„Seit Friedrich dem Großen ist noch kein Pfandbrief ausgefallen.“ lese ich zur Bestätigung auf der Website eines Emittenten.
Warum nicht auch gleich die Jumbo-Variante, die als besonders liquide gilt:
"Ein Jumbo-Pfandbrief ist ein Pfandbrief mit einem Emissionsvolumen von mindestens 1 Milliarde Euro. Kriterien, die ein Jumbo-Pfandbrief erfüllen muss:
- Das Mindestemissionsvolumen muss 500 Millionen Euro betragen, wobei Aufstockungen in einem geringen Volumen möglich sind.
- Es müssen festverzinsliche, endfällige Pfandbriefe mit jährlich nachträglicher Zinszahlung sein.
- Es sind mindestens drei Market-Maker zu bestimmen, die zu den üblichen Handelszeiten simultan Geld- und Briefkurse bis zu 15 Millionen Euro stellen. Der Emittent kann diese Funktion selbst wahrnehmen.
- Der Pfandbrief muss unverzüglich nach seiner Begebung in den Amtlichen Markt oder Geregelten Markt eingeführt werden."
zitiert von einer Website eines Emittenten.....
Ich war gerade dabei mir ein paar Wertpapierkennnummern rauszusuchen, als ich auf folgenden Abschnitt stieß:
"Der Krisenfall um die Allgemeine Hypothekenbank Rheinboden (AHBR) im Oktober 2005 hat das makellose Image des Pfandbriefs angekratzt. Keine Bank war mehr bereit, AHBR-Pfandbriefe von Anlegern anzukaufen. Anlass genug für viele Marktteilnehmer, kritisch zu hinterfragen: Ist der Pfandbrief wirklich so sicher, wie immer behauptet wird?"
Jetzt war ich alarmiert und eine neue Recherche begann:
Lesen Sie einmal was ich in der Zeit fand. ("Der Fluch der Derivate" von Robert von Heusinger, Zeit, 15.12.05)
Nach der Lektüre bin ich tiefes Grübeln verfallen, zumal der Artikel bereits 2005 geschrieben wurde: Wie ungeheuer gefährlich die Banken handeln!? - lange bevor der SubprimeKreditkrise beschrieben.
Am Ende ist die Frage vom Anfang noch dringlicher geworden: Wohin mit dem Geld? Wie schützen wir es vor der Dummheit der Banken, vor einem Derivatecrash, vor einer Krise im Finanzsystem?
Versuchen wir am Donnerstag eine andere Antwort - Pfandbriefe sind wohl keine.
Grüsse Doc