Ölpreise: Ein erster Lichtblick
Ronald Gehrt in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 15. August 2006 07:30 Uhr
ENL5462
Ja, das waren noch Zeiten, als ein Fass Rohöl noch 10 Dollar kostete. Die gefühlte Zeit, die seitdem verstrichen sein muss, würde ein überraschend danach gefragter Autofahrer, die Zapfpistole in der Hand, wohl auf Generationen schätzen.
Tatsächlich sind es gerade einmal siebeneinhalb Jahre. Seit Ende 1998, als das Barrel Rohöl kurzzeitig ein Tief von knapp unter 10 Dollar markierte, ist der Preis in der Spitze um 600% gestiegen. Das Einkommen der Bürger natürlich nicht. Und es hilft wenig zu wissen, dass der durchschnittliche Verbrauch der Pkw seitdem weiter leicht gefallen ist. Natürlich nehme ich jetzt einen Extrempunkt, um das Ausmaß und die Auswirkungen der gestiegenen Ölpreise zu beschreiben. In den fünf Jahren vor 2000 lag der Preis im groben Durchschnitt bei 20 US-Dollar.
Preisanstieg ist relativ ...
Darüber hinaus wurde der Kostenanstieg für uns Deutsche durch den sukzessive zum Euro abbröckelnden US-Dollar etwas abgefangen und – hurra – die prozentuale Steigerung haben wir sowieso nicht so extrem gespürt, weil der hohe Steueranteil ja nicht mitgestiegen ist. Wenn bei jedem Liter Benzin sowieso (inkl. MwSt) 70 Cent Steuern anfallen, spürt man die Explosion der Ölpreise nur gedämpft (mit einem dumpfen, schmerzhaften Hämmern im Kopf).
Da täte Rettung Not. Denn zusammen mit der Modifizierung der Entfernungspauschale fehlen den meisten Bundesbürgern dadurch drei-, oft sogar vierstellige Beträge pro Jahr im Portemonnaie (ich werde dieses Wort nicht freiwillig entsprechend den neuen Rechtschreibregeln schreiben!). Nun, es wäre verwegen zu hoffen, dass man uns unser altes Kilometergeld wiedergibt. Da kommt eher noch die D-Mark zurück. Aber:
Bislang fehlen die Hurrikans
Der Ölpreis selbst birgt plötzlich Hoffnung. Zum einen hat ein Abbau von Longpositionen eingesetzt, nachdem die vereitelten Terroraktionen in Großbritannien dem Öl keinen weiteren Kursschub verliehen haben. Zum anderen konnte BP, wie gestern gemeldet, einen Teil seines Förderumfangs in Alaska wieder aktivieren. Und, und das könnte der wichtigste Aspekt sein, bislang sind noch keine verheerenden Hurrikans auf die rostigen Ölplattformen im Golf von Mexiko getroffen.
Nach den Katastrophen des Jahres 2005 ging man davon aus, dass 2006 mindestens genau so schlimm werden würde. Aber hier schienen die Experten dem selben Fehler aufgesessen zu sein wie ihre Kollegen an den Börsen: Man neigt dazu, einen Trend einfach in die Zukunft zu verlängern. Bislang blieb es ruhig, und sollte es in den kommenden Wochen so bleiben, werden wir zumindest wieder Rohölpreise unter 70 US-Dollar sehen können:
Kursziel 66/67 US-Dollar ?
Der kurzfristige Chart zeigt, dass jetzt die psychologisch wichtige 75 Dollar-Linie deutlich unterboten wurde. Gleichzeitig ist damit der kurzfristige Aufwärtstrend unterschritten worden, so dass durchaus gute Chancen bestehen, dass der Kurs nun zügig in die Zone 66-67,50 US-Dollar durchsackt. Es fehlt eigentlich aus technischer Sicht nur noch ein weiterer Tag mit leichteren Kursen, dann wäre auch noch ein kleines Doppeltop vollendet (Nackenlinie ist die dickere Linie im Chart) und damit das „i-Tüpfelchen“ ebenfalls in trockenen Tüchern.
Nun sind Kurse um 67 Dollar in der langfristigen Betrachtung ein Tropfen auf den heißen Stein, keine Frage. Aber es ist ein erster Schritt. Und im Gegensatz zu den Metallen ist beim Öl kein solch gravierender Nachfrageüberhang als fundamentale Stütze der Kurse gegeben. Es wäre also durchaus möglich, dass wir auch – mittelfristig – noch tiefere Kurse bekommen. Aber darauf sollte man besser nicht setzen. Ich würde mal raten: Wem im Öltank der Rost entgegengähnt (wie bei mir), sollte im Falle von Kursen um 67 Dollar zumindest mal „halb voll“ machen. Der Winter soll nämlich kalt werden, wenn man den Experten glaubt (denen mit den Hurrikans ...).
Klappt es wirklich mit dem Rücksetzer, wäre dies auch für die Unternehmen eine Entlastung ... und somit gut für den Aktienmarkt. Doch der scheint momentan nicht motiviert, auf positive Impulse zu reagieren, ich sprach es gestern ja an. Ob sich das in Kürze ändert ... dazu morgen mehr.
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