Ölpreis – zwischen Quoten und Lagerbeständen
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohöl als Geldanlage
vom 21. April 2009, 20:00 Uhr
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Liebe Leser,
eigentlich hat er sich in den letzten Wochen ja schön stabil gehalten der Ölpreis (und ich beziehe mich nicht nur auf den Preis für Brent Crude, sondern auch auf den Preis für WTI-Crude).
50 US-Dollar heißt die magische Grenze um die es sich nun handelt! Mal drunter, mal drüber - wie es eben so geht!
Im Wochenrückblick vom vergangenen Freitag schrieb ich, dass ich davon ausginge, dass sich die Ölpreise in etwa um 5 US-Dollar nach oben oder unten um die 50er Marke herum bewegen würden. Sicher, der Maikontrakt auf WTI fiel heute kurzzeitig sogar unter die 44 US-Dollar - aber der Kontrakt läuft heute ja auch schließlich aus. Aktuell notiert der Maikontrakt übrigens wieder bei über 46 US-Dollar pro Barrel.
Der Juni-Kontrakt, ab morgen dann der Nearby, notiert gegenwärtig bei 48,63 US-Dollar. Und der sowieso etwas verlässlichere Brent Kontrakt zur Lieferung im Juni notiert noch immer brav über 50 US-Dollar pro Barrel.
Viele Faktoren bestimmen die Preisentwicklung...
...da ist als erstes die enge Korrelation zu den Aktienmärkten zu nennen, deren Entwicklung nicht nur ein wenig, sondern ziemlich stark von Glauben, Hoffnung, man möchte fast meinen Spiritualität abhängig ist. Nun, zumindest ist es immer eine bestimmte Erwartungshaltung die zu einer bestimmten Handlung veranlasst. Nur teilen natürlich nicht alle Marktteilnehmer die gleiche Erwartungshaltung, so dass die Märkte nach wie vor verunsichert und unschlüssig wirken.
Es ist aber auch gar nicht so einfach im Angesicht der vielen unterschiedlichen Faktoren die auf den durchschnittlichen Marktteilnehmer so einströmen eine klare Linie zu behalten.
US-Lagerbestände und Nachfrageprognosen
Da sind zum einen die ewig steigenden US-Rohöllagerbestände. Für heute wird erwartet, dass von einem weiteren Anstieg von rund 2,5 Millionen Barrel berichtet wird.
Hinzu kommen die weiterhin wenig ermutigenden Prognosen hinsichtlich der weltweiten Ölnachfrage für dieses Jahr. Die IEA erwartet beispielsweise einen Rückgang der Nachfrage um 2,4 Millionen Barrel für 2009 und eine Erholung dann frühestens im nächsten Jahr. Aber, nun ja, was sind schon Prognosen?!
OPEC und der grundlegende Optimismus
Auf der anderen Seite stehen dann die OPEC-Förderkürzungen. Ja, die OPEC wird ihre selbst auferlegten Quoten erfreulicherweise erfüllen. Und auch in vielen Nicht-OPEC-Förderländern ist die Produktion weiterhin rückläufig bzw. stagniert.
Und nun fehlt noch eine gehörige Portion an neuem Optimismus - vielleicht angeheizt durch einen Timothy Geithner, der versichert, dass die große Mehrheit der US-Banken mehr Kapital als notwenig hat - und schon erhält auch der Ölpreis wieder Unterstützung.
Sich allerdings allein auf die Interpretation der durchschnittlichen Gefühlslage vieler unterschiedlicher Individuen einzulassen, kann aber durchaus eine wacklige Angelegenheit sein. Und dennoch klebt der Ölpreis wie ein sich ziehender Kaugummi um seine 50er Marke als Mittellinie herum.
Im meinen Augen ein Zeichen dafür, dass im Moment eben doch eine gewisse Grundhaltung oder besser gesagt grundlegende Erwartungshaltung da ist und den Einzelnen so schnell nicht wieder verlassen wird. In etwa: "Bis zum Jahresende müssen wir schon erste Anzeichen einer weltweiten konjunkturellen Erholung sehen. Darüber wollen wir jetzt gar nicht diskutieren, denn wenn es nicht klappt müssten wir drastisch umdenken."
Und nun addieren Sie fundamentale Faktoren hinzu: wenn die Nachfrage wieder anzieht, weil die Konjunktur zur Erholung ansetzt, dann kann das runtergedrosselte Angebot so nicht mehr mithalten. Hinzu kommen noch die auf Eis gelegten Förderprojekte, die bei aktuellen Preisen nicht rentabel sind und spätestens bis zum Ende des Jahres sehen wir um 20-30 US-Dollar höhere Preise.
Aber ich möchte Sie nun nicht mit meinem heute, zugegeben fast schon philosophischen, Geschwafel stehen lassen. Lesen Sie deshalb im zweiten Teil von meinen, etwas fundierter aufbereiteten, Überlegungen zur Entwicklung des Ölmarktes vom 13.11.2008.