Ölpreis: Mehr als nur eine Konsolidierung
Andreas Wolf in DAX Daily zum Thema Rohöl als Geldanlage
vom 24. Juli 2008, 08:00 Uhr
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Liebe DaxDaily Leser,
vor ziemlich genau vier Wochen habe ich in einer Analyse zum Ölpreis auf die technischen Andeutungen einer größeren Abwärtsbewegung hingewiesen. Damals stand der Ölpreis bei 138 US-Dollar und startete mit dem Anstieg bis auf sein Jahreshoch bei 148 US-Dollar einen vorläufig letzten Versuch, seine Rallye weiter fortzusetzen. Anschließend setzten sich die geschaffenen Fakten aus der Charttechnik durch, da die Trendfolger-Indikatoren bereits die vorangegangene Aufwärtsbewegung nicht mehr nachvollzogen hatten. Am Ende folgte der Kursverlauf, wie so häufig, seinen Indikatoren. Anders als viele Investoren glauben mögen, handelt es sich bei der eingeleiteten Abwärtsbewegung nicht nur um eine einfache Konsolidierung wie sie bisher in der laufenden Aufwärtsbewegung zu beobachten war. Die Vollendung einer Doppel-Top-Formation lässt vielmehr vermuten, dass der Ölmarkt vor einer längeren Korrektur steht, deren Verlauf noch deutlich tiefere Kurse sehen wird als bisher.
Die erste Abwärtswelle hat das schwarze Gold nahezu abgeschlossen. Der Bereich um 124 US-Dollar dürfte in den nächsten Tagen Ausgangspunkt einer kleineren Erholung sein. Diese kann problemlos wieder Kurse von 135 US-Dollar erreichen. Ein Anlaß für die Öl-Bullen zu frohlocken wird dies aber gewiß nicht sein, denn nicht nur der MACD hat ein klares Verkaufssignal geliefert. Auch der Bruch der 38-Tage-Linie ist ein gewichtiges Argument für die Bären. Das bisher in der Rallye oft vorgebrachte Argument knapper Verarbeitungskapazitäten ist zwar nach wie vor gültig, findet aber wegen der größer werdenden Sorgen um ein intaktes weltweites Wirtschaftswachstum kaum noch Beachtung. Daraus ist ein Stimmungswechsel herauszulesen, der den Ölmarkt mindestens bis in den Herbst hinein belasten wird.
Der kurzfristigen Erholung folgt mit sehr großer Wahrscheinlichkeit ein Bruch des mittelfristigen Aufwärtstrends bei 124 US-Dollar und ein weiterer Rückgang der Notierung bis auf den längerfristigen Aufwärtstrend bei zurzeit 107 US-Dollar. Die starke Unterstützungszone 100 bis 110 US-Dollar könnte dann von den Bullen dazu genutzt werden, einen Boden zu bilden und einen erneuten Trendwechsel vorzubereiten. Das setzt jedoch voraus, dass das makroökonomische Umfeld sich wieder verbessert. Ohne ein klares Signal bezüglich eines Endes der Wachstumsschwäche in den USA wird es den Öl-Optimisten schwer fallen, die Notierung in den alten Aufwärtstrend zurückkehren zu lassen. Immerhin: Der Inflationsrate und damit dem Geldbeutel vieler Bürger wird diese Entwicklung gut tun.
