Ölaktien kaufen? Ja, aber wetten Sie nicht Ihr letztes Fass
Alex Green in Investoren Wissen
vom 25. Januar 2007 16:00 Uhr
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Lieber Leser,
bei einer Investmentkonferenz letztes Jahr stieß ich auf einen Teilnehmer, der mir erzählte, er habe sein gesamtes Vermögen in Ölaktien gesteckt. Leider war das gerade der Zeitpunkt, als das Öl die 75 Dollarmarke kreuzte.
„Haben Sie nichts von „Peak Oil“ gehört?“ fragte er und schaute ungläubig. „Laut der Association for the Study of Peak Oil"(ASPO) hat die weltweite Ölproduktion bereits ihr Maximum erreicht. Noch während unserer Lebzeiten werden unserem Planeten die fossilen Brennstoffe ausgehen.
Immer wenn jemand das Wort sicher in einer wirtschaftlichen Prognose erwähnt, neige ich dazu, unwillkürlich zu schaudern. Dieses Mal ist es keine Ausnahme. Die „Peak Oil“ Theorie lautet ungefähr so: Öl ist eine endliche Ressource. Die Produktionsspitze ist erreicht. Die wachsende Weltbevölkerung und die schnelle Industrialisierung von Schwellenländern – besonders China und Indien – macht es nur zu einer Frage der Zeit, wann die Nachfrage die Produktion übersteigt, was zu sehr hohen Ölpreisen führt. Das wiederum sollte auch die Ölaktien steigen lassen. Ergo, wir müssen uns nur auf die Energieaktien stürzen, so wie die Hunt- Brüder auf das Silber.
Ich hasse es, das "Stinktier" auf der Party zu sein, aber es gibt da ein paar Lücken in der sogenannten „Peak Oil“ Theorie. Jeder der sich mit dieser Idee angefreundet hat, sollte noch einmal nachdenken. Es folgt warum...
Neue Produktionsmethoden und neue Technologien: 1930 hatte die USA 13 Milliarden Barrel nachgewiesener Ölreserven. Mit diesen 13 Milliarden Barrel kämpfte das Land den Zweiten Weltkrieg, trieb die Wirtschaft in denökonomischen Boom der Nachkriegsära und legte den Grundstein für die neue Liebe der Amerikaner, das Auto. Sechzig Jahre später, wie viel, denken Sie, ist noch von der 13 Milliarden Barrel Reserve übrig?
Lassen wir Alaska außen vor, haben allein die 48 Staaten nachgewiesene Reserven von 17 Milliarden Barrel, 31 % mehr als 1930.
Das gleiche gilt für den Persischen Golf. 1975 schlossen offizielle Berichte, die Region hätte 74 Milliarden Barrel Öl. Das war während der Energiekrise. Den Amerikanern wurde erzählt, dass weltweit nur noch Öl für ein Dutzend weiterer Dekaden vorhanden wäre.
1993 wurde die offizielle Schätzung für die Ölreserven des Persischen Golfs auf 663 Milliarden Barrel erhöht, neun mal mehr als 20 Jahre zuvor.
„Dieses Mal ist es anders“, insistieren die Peak Oilers. Aber letztes Jahr wurden im Golf von Mexiko enorme neue Ölreserven entdeckt. Und vergessen wir nicht die in großem Maßstab betriebene Förderung des hoch qualitativen Rohöls aus den Ölsänden Albertas.
Einen weiteren Schatten auf die Peak-Oil-Parade wirft Ray Kurzweil. Der Wissenschaftler und Autor Kurzweil besteht darauf, dass die Nanotechnologie innerhalb der nächsten zwei Dekaden Öl verzichtbar machen wird. Das hört sich für Sie SPANISCH an, aber lassen Sie ihn erklären.
Erst kürzlich schrieb er: „Obwohl unser Bedürfnis an Energiequellen sich in den nächsten 20 Jahren verdreifachen soll, werden wir den .0003 Anteil des dafür nötigen Sonnenlichtes einfangen, um alle benötigte Energie ohne fossile Brennstoffe zur Verfügung zu stellen. Dies geschieht durch extrem billige, hoch effiziente, leichtgewichtige Nano-Solarzellen. Von dort wird die Energie in sicheren, weit verbreiteten Brennstoffzellen gespeichert."
Kurzweil besteht darauf: „Der Anteil der Solarenergie beträgt nur ein Tausendstel unserer Energieversorgung, aber er verdoppelt sich jede zwei Jahre, was bedeutet, dass er sich um ein Tausendfaches in den nächsten 20 Jahren vervielfältigen wird. Fast alle Diskussionen zum Thema Energie vergessen, zukünftige, auf Nanotechnologie basierende Lösungen für dieses Problem in Betracht zu ziehen. Diese Entwicklung wird nicht nur von dem Umweltbewusstsein der Unternehmen getrieben sein, sondern auch von den 2 Billionen Dollar, die wir jährlich für Energie ausgeben. Das ist jetzt schon ein großer Bereich für Venture Fonds.“
Ich räume ein – und meine Frau wird das gerne bestätigen – dass ich kein Nanotechnologe bin. Und sicherlich ist vieles von dem, was Kurzweil sagt, spekulativ. Aber viele Wissenschaftler, darunter ein Pioneer der Nanotechnolgie, Dr. Eric Drexler, stimmen Kurzweil zu. Aber selbst wenn er falsch liegt, höhere Ölpreise sind ein Anreiz für breitere Forschungen, effizienteres Fördern und für Verbesserungen in der Technologie und alternative Energien. Höhere Ölpreise ermutigen auch zu mehr Energieeinsparungen. Also, trotz Bevölkerungswachstum und zunehmender Industrialisierung, ist es nicht gerade vernünftig, auf einen Ölpreis, der in den Himmel steigt, zu wetten. Und das ist gut so.
Außer natürlich Sie sind zufällig ein Diktator im Mittleren Osten oder ein venezulanischer Sozialist... oder ein armer „Spekukant“, der sein letztes Hemd auf „Peak Oil“ setzt.
Viel Erfolg
Alex
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