Öl und Versorger, ein neuer Hype?
Von Georg Pröbstl in Investoren Wissen
vom 06. September 2005 16:00 Uhr
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Haben Sie es bemerkt? Langsam kommt etwas in Bewegung an der Börse. Irgendwie entwickelt sich in einigen Bereichen eine richtige Hausse, ein neuer Boom. Nein, nicht Tech- und Internet-Aktien wie vor 5 oder 6 Jahren.
Diesmal geht es viel konservativer zu. Das Thema lautet: Öl und Energie. Starkes Wachstum der Weltwirtschaft verbunden mit einem hohen Energiebedarf, Naturkatastrophen und steigender Ölpreis oder Energiemonopol und hohe Strompreise beispielsweise in Deutschland: Die Aktien der Ölmultis und Versorger klettern von einem hoch zum nächsten.
E.ON beispielsweise legte auf Jahressicht 35 % zu, RWE schaffte ein Plus von 42 %. EnBW, ein anderer deutscher Versorger, schaffte gar einen Verdoppler.
Immer mehr Anleger wollen jetzt nichts verpassen und mit dabei sein. Viele springen auf den bereits fahrenden Zug auf.
Die Gefahr steigt, dass sie die gleichen Fehler, wie vor 5 Jahren im Techbereich jetzt bei Energieaktien machen.
Eins sollten Sie hier nicht vergessen: Die Börsenpsychologie oder Behavioral Finance. "90 % der Börse ist Psychologie", sagte hierzu beispielsweise Börsenguru André Kostolany immer wieder. Einige der beliebtesten Psychofallen im Jahrtausendboom vor 5 und 6 Jahren waren:
- Zu lange zugeschaut: Viele Anleger schauen einem Kursanstieg zu lange zu, kaufen erst zum Höchstkurs und laufen damit den Kursen hinterher. Dabei werden nach einer langen Hausse auch die Übervorsichtigen mutig. Sie haben Angst, einen Boom zu verpassen.
Problem: Wer hier noch einsteigt, tappt oft in die Bullenfalle. Abhilfe: Laufen Sie nicht der Masse hinterher.
- Falsche Verallgemeinerungen. Stand früher Tech und Internet für hohe Gewinne und tolle Perspektiven, so scheint das jetzt bei Öl und Energie zu sein. Viele Anleger scheren deshalb alle Aktien einer Branche über einen Kamm und sehen nicht mehr genau hin. Sie machen damit den selben Fehler. Dass führt oft zu Masseneuphorie oder im entgegengesetzten Fall zu Massenpanik.
Denken Sie deshalb an André Kostolany: "An der Börse ist alles möglich, auch das Gegenteil."
- Der Kontrollillusion verfallen: Steigen die Kurse über Wochen oder Monate von einem Hoch zum nächsten, haben die Anleger das Gefühl, alles im Griff zu haben. Das führt zur Selbstüberschätzung. Folge: Die Anleger werden unvorsichtig und riskieren zu viel.
Am besten arbeiten Sie deshalb immer mit einem Stopp-loss Limit, dass sie bei steigenden Kursen nachziehen.
- Stellen Sie sich vor: Sie kaufen einen neuen Fernseher oder ein neues Auto. Was machen Sie dann? Sicher sehen Sie sich vorher die einzelnen Produkte ganz genau an. Anders bei Aktien. Viele Anleger kaufen eine Aktie ohne ein Unternehmen überhaupt zu prüfen. Es werden dabei zusätzlich oft nur die Informationen verwertet, die der eigenen vorgefassten Meinung entsprechen.
Machen Sie Ihre Hausaufgaben. Sammeln Sie alle Informationen zu einer Aktie die Sie bekommen, werten Sie diese aus und entscheiden Sie erst dann. Kaufen Sie nicht auf bloße Gerüchte hin.
Tipp:
Sehen Sie sich einmal kurz die fundamentalen Daten einiger Versorgter und Ölaktien an. Die Zahlen sind Schätzungen und beziehen sich auf die erwarteten Ergebnisse für 2005.
1) RWE Vorzüge: KGV: 11,9, Dividendenrendite: 3,7 %, PEG: 0,71
2) E.ON: KGV: 12,9, Dividendenrendite: 3,5 %, PEG: 1,4
3) EnBW: KGV: 13, Dividendenrendite: 1,7 %, PEG: 0,3
4) Scottish Power: KGV: 12,8, Dividendenrendite: 4,6 %, PEG: 4,1
5) BP: KGV: 11,7, Dividendenrendite: 3,0 %, PEG: 0,5
6) Total: KGV: 11,2, Dividendenrendite: 2,8 %, PEG: 0,9
7) Exxon: KGV: 12,3, Dividendenrendite: 1,9 %, PEG: 0,75
Bezogen auf das KGV scheinen alle 7 Öl- und Versorgeraktien vergleichsweise günstig bewertet. Das KGV im DAX beispielsweise liegt im Bereich von 20. Auch die Dividendenrendite ist bei einigen der Aktien mit 3 % und mehr weit überdurchschnittlich.
PEG bedeutet Price-Earning-Growth und setzt das KGV ins Verhältnis zum Gewinnwachstum. Ein PEG < 1 ist ein Indiz für eine Unterbewertung.
Wenn Sie diese Kennziffern betrachten, scheinen Ölwerte und Versorger immer noch nicht zu teuer. Aber bevor Sie einsteigen, sollten Sie sich auch die Schätzungen für 2006 und die Historie, beispielsweise 2004 und 2003, ansehen. Reichlich Daten finden Sie hier zum Beispiel auf www.onvista.de