Daniela Knauer legt großen Wert auf eine Streuung der Depotwerte und die strikte Einhaltung von Stopp-Kursen. Darauf weist sie ihre Leser regelmäßig hin.
Daniela Knauer in Nebenwerte Daily zum Thema Rohöl | Erdöl
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Während Norwegen als Fischer- und Forstland früher nur durch die Beutezüge der Wikinger zu größerem Reichtum gelangen konnte, änderte sich das in den 1960er Jahren grundlegend, als die reichen Öl- und Gasvorkommen vor der norwegischen Küste gefunden wurden. Heute ist das immer noch relativ dünn besiedelte Land eines der reichsten der Welt. Laut Human Development Index bietet Norwegen seit Jahren den höchsten Lebensstandard aller entwickelten Länder. Das Pro-Kopf-Einkommen liegt im obersten Feld weltweit. Der Sozialstaat bietet Leistungen, von denen die Bevölkerung in anderen Ländern nur träumen kann. Möglich machten das natürlich die hohen Einkünfte aus dem Öl- und Gasgeschäft, die in Norwegen sehr umsichtig angelegt wurden und werden.
Der staatliche Ölfonds soll vor der Holländischen Krankheit schützen
1990 wurde das Konzept eines staatlichen Ölfonds entwickelt, der den Reichtum des Landes auch für spätere Generationen sichern soll, wenn die Öl- und Gasvorkommen bereits wieder zur Neige gehen. Gut eine halbe Milliarde Euro schwer war dieser Fonds bereits Ende 2010. Mit ihm sollen Investitionen weltweit getätigt werden, um damit Norwegen vor der Holländischen Krankheit (die ich im Zusammenhang mit Australien zuletzt bereits erwähnt hatte) zu schützen. So soll die norwegische Krone vor zu starker Aufwertung bewahrt werden, was auch die Wettbewerbsfähigkeit der übrigen norwegischen Industrie und Exportwirtschaft erhalten soll. Bisher hat das relativ gut geklappt - die Krone ist zwar stark, aber nicht so stark, dass sie die Wirtschaft abwürgt.
Energie im Überfluss durch Wasserkraft
Dass Norwegen ebenfalls für andere Wirtschaftszwei ge als die Energiewirtschaft ein interessantes Investitionsland ist, liegt auch noch an einem anderen Energieträger, dem Wasser. Denn Norwegen benötigt nur rund vier Prozent der fossilen Energie selbst, der gesamte Rest kann exportiert werden. Das liegt daran, dass das Land aufgrund der vielen Wasserfälle seinen Strombedarf zu 98% mit Wasserkraft decken kann und zusätzlich unendliche Möglichkeiten für Pumpspeicher bietet. Hier kann der erzeugte Strom in Form von Wasser in höher gelegenen Becken gespeichert werden. Wird zusätzliche Energie benötigt, fließt es über Rohrsysteme zu Generatoren, die daraus Strom erzeugen. Steht überschüssiger Strom zur Verfügung, wird das Wasser wieder in die höher gelegenen Speicherbecken gepumpt und steht dann wieder für Engpässe zur Verfügung.
Günstiger Strom schafft gute Bedingungen für energiefressende Industriebereiche
Dieser besonders günstige Strom aus Wasserkraft hat dazu geführt, dass Norwegen ebenfalls eines der führenden Länder für die Aluminiumgewinnung und die Düngerherstellung mittels Ammoniaksynthese geworden ist. Gleichzeitig ist er aber auch dafür verantwortlich, dass die Norweger eines der Völker sind, die am verschwenderischsten mit Strom umgehen. Lange wurden schlecht gedämmte Häuser verschwenderisch mit Strom beheizt, das Licht selbst von Straßenbeleuchtungen brennt oft, ohne überhaupt benötigt zu werden. Doch auch hier setzt inzwischen ein Umdenken ein: Die Energiespar-Vorschriften sind erheblich verschärft worden, Häuser müssen nun gedämmt werden und sogar der Sprit gehört dank hoher Steuern zu den teuersten in ganz Europa. Ein Liter Super für zwei Euro finden Sie hier im normalen Straßenbild. Was bei uns zu Proteststürmen führen würde, schlucken die Norweger angesichts hoher Einkommen und guter Sozialleistungen allerdings relativ ungerührt.
Weitere Informationen zu Norwegens Wirtschaft und Bodenschätzen erhalten Sie in meinem nächsten Nebenwerte Daily am kommenden Freitag. Dann wird es auch darum gehen, was selbst in diesem reichen Land an Problemen zu bewältigen ist, die unter anderem vom Rohstoffboom selbst erzeugt wurden.
Herzliche Grüße aus dem hohen Norden
Ihre Daniela Knauer