Öl und China - worauf Sie jetzt besonders achten müssen!
Ronald Gehrt in DAX Daily zum Thema Global Anlegen
vom 05. Juni 2007 08:30 Uhr
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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser!
Hoppla ... es ist Montag und der Dax steigt nicht? Tja, es lag ein entsetzlicher Mangel an über das Wochenende ausbaldowerten Übernahmen vor ... des Börsianers Lieblingsthema am „Merger-Monday“ hatte somit Pause. Und wenngleich das Minus im Dax minimal war, zeitweise plötzliche Kursrücksetzer um 30-50 Punkte im Handelsverlauf unterstrichen, wie schnell sich das Blatt wenden kann, wenn entgegen den allgemeinen Parolen doch so ziemlich alle drin sind, die sich nach einer solchen Rallye auf diesem Niveau neu hineintrauen – und dann mal eine größere Adresse etwas verkauft. Aber:
Eigentlich ist es verblüffend genug, dass der Dax überhaupt nur so marginal abgegeben hat. Denn gleich zwei negative Einflüsse winkten mit ihren Hausse-Sensen, ohne dass sie jemand zur Kenntnis nahm. Doch ich denke – ohne bislang hinreichende Erfahrung darin zu haben – dass man dem Sensenmann im wahren Leben nicht allzu oft ohne Konsequenzen gelassen zuwinken kann. Daher sollte man wirklich damit rechnen, dass das auch an der Börse auf Dauer nicht hinhauen wird.
Faktor eins war die Börse Shanghai. Erneut fast acht Prozent Minus. Hierzulande kommt ein Verhalten wie bei einem Neuronalen Netz auf, das gelernt hat: Wenn die Börsen in China fallen, macht das nichts – eventuelle Verluste werden dort wie hier schnell aufgeholt. Also spart man sich gleich die nervöse Reaktion – was soll schon passieren? Nur kommen mir diese Verkaufswellen in China doch langsam zu oft und in kürzeren Abständen. Daraus könnte ganz schnell mehr werden. Und wenngleich die Börse Shanghai nicht wichtig genug ist, um weltwirtschaftlich selbst bei einem Crash relevante Auswirkungen zu zeigen, so kann sie doch die Angst nähren.
Die Angst, von der wir am deutschen Markt im Moment zu wenig haben. Momentan starrt alles begeistert auf die 8.000er-Marke und freut sich über weitere Gewinne schon mal im Voraus. Aber ein Aufwärtstrend lebt aus Skepsis und Vorsicht, in der Euphorie geht er zu Grunde. Und vor allem, weil Angst ganz überraschend aufkommen kann ... und ansteckend ist!
Ein zweiter, gestern sorglos beiseite geschobener Aspekt, sich Sorgen zu machen, ist der Ölpreis. Alle wissen (oder sollten es): Jetzt nahen Urlaubssaison und die Hurrikans. Alle wissen, dass das in den vergangenen Jahren zumindest bis August fast immer noch stärker steigende Öl- und Benzinpreise bedeutete. Jeder weiß, dass das Kostenbelastungen sind, die diesmal ein Ausmaß erreichen können, um die erhoffte Erholung des fußkranken US-Wirtschaftswachstums über den Kostendruck auf die Unternehmen und auf die Portemonnaies der Bürger zu torpedieren. Und jeder tut so, als wäre nichts.
Aber wie lange noch? Gestern hüpfte der Ölpreis – ob Nordsee-Brent oder US-WTI – mal eben binnen ein paar Stunden wieder nahe an die bisherigen Jahreshochs heran. Die Konsolidierung der Tage zuvor wurde ruckzuck egalisiert und die Erwartung, dass die kurzfristige Chance auf eine Beruhigung in Nigeria die Kurse konsolidieren würde, ist dahin.
Ich würde mich sehr wundern, wenn die Aktienmärkte diese faktische Bedrohung des Konsums und der Industrie dauerhaft ignorieren können. Gestern noch tat jeder so, als habe er weder das Öl noch die Börse Shanghai bemerkt. Das Pfeifen im Walde, scheint mir. Und ich würde mich zudem sehr wundern, wenn die Ölpreise nicht binnen der kommenden Tage und Wochen ordentlich zulegen.
Und gerade in Phasen wie diesen, in denen es scheinbar nur den Weg nach oben gibt, schlägt die Stimmung dann oft schnell von einem Extrem ins andere um!