Öl- und Benzinpreise - bald wieder Thema Nummer Eins?
Ronald Gehrt in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 18. Mai 2007 07:30 Uhr
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Guten Morgen, sehr geehrte Leserinnen und Leser!
Die am Mittwoch um 16:30 Uhr veröffentlichten wöchentlichen Öl-Lagerbestände der USA waren wenig spektakulär, die Rohöl-Vorräte selbst stiegen um gut eine Million Barrel an. Doch die Lage für Benzin bleibt angespannt, hier ist noch keine Trendwende nach unten in Sicht. Und gestern, am Donnerstag, legte der Ölpreis auf einmal wieder deutlich zu. WTI überwand 64 Dollar, Brent steht an der 70 Dollar-Marke.
Die Aktienmärkte registrierten diesen Anstieg bislang nicht, aber es fehlt nun nicht mehr viel, dann dürfte der Ölpreis wieder zu einem der dominanten Diskussionsthemen werden. Einerseits als Inflationstreiber, andererseits als Kostenfaktor für die Unternehmen. Sehen sie sich dazu mal die Charts der beiden wichtigen Ölsorten an:
Brent und WTI: Bullishe Perspektiven
Die Nordsee-Ölsorte Brent hat ihre Konsolidierungsformation in Form einer Flagge am Mittwoch nach oben verlassen und ist binnen zwei Tagen an die 70 Dollar-Marke herangelaufen. Damit sind die bisherigen Jahreshochs als Widerstand überwunden und der höchste Stand seit Ende August 2006 erreicht.
Die US-Ölsorte Western Texas Intermediate (WTI) notiert zwar noch unterhalb der bisherigen Jahreshochs, doch auch hier ist die erneute Aufwärtstendenz nicht zu übersehen. Der Kurs hatte die Januar-Aufwärtstrendlinie einige Tage lang erfolgreich getestet und zieht jetzt wieder dynamisch an. Sobald die Widerstände um 66,40 Dollar pro Barrel überwunden sind, dürfte WTI schnell in den Bereich 68 bis 70 Dollar vorstoßen.
Benzinpreis-Rallye in den USA
Was aber besonders problematisch ist, spiegelt sich an den Preistafeln der US-Tankstellen wieder. Während wir hierzulande bis jetzt noch einigermaßen glimpflich davongekommen sind, weil der fallende Dollar einen Teil des Benzinpreisanstiegs auffing (Öl wird immer in Dollar berechnet und bezahlt), bleibt für die Amerikaner natürlich ein Dollar ein Dollar ... und damit schlägt der Preisanstieg des Benzins dort 1:1 durch.
Leider kann ich Ihnen keinen Chart anbieten, aber zumindest eine Tabelle, welche die Preisveränderungen für Normalbenzin in den USA über die letzten zwei Monate zeigt (Quelle: Energy Information Administration EIA):
Sie sehen, das ist ein Anstieg von satten 19% alleine in den vergangenen acht Wochen (von 2,61 auf 3,10 Dollar pro Gallone). Gerade in den USA ist die Saisonalität beim Benzinpreis besonders dominant. Kaum geht es in Richtung Urlaubssaison, steigen die Preise. Doch das Niveau ist diesmal höher. In 2006 beispielsweise stieg der Preis für Normalbenzin von Februar bis Juli von 2,28 auf in der Spitze 2,98 Dollar. Doch dieses letztjährige Hoch haben wir bereits klar überboten – und es ist erst Mai!
Da kommt noch was auf die Märkte zu. Wenn die Rohölkurse nun nach oben ausbrechen sollten, ist deren Auswirkung auf die Inflation, von deren erhofftem Rückgang in den USA ja die laufende Rallye der Aktien lebt, nicht zu unterschätzen. Und der Druck, den weiter steigende Öl- und Benzinpreise auf die ohnehin fußkranke US-Wirtschaft ausüben würde, dürfte dann auf einmal Tagesgespräch sein. Noch ist der letzte Schritt in Richtung Öl-Rallye nicht vollzogen ... aber man sollte sich tunlichst schon mal darauf vorbereiten, um am Aktienmarkt ggf. schnell genug den Kopf (bzw. das Depot) aus der Schusslinie nehmen zu können, wenn das Öl weiter steigen sollte.
Ich wünsche Ihnen ein angenehmes Wochenende – bis Montag!
Ronald Gehrt
The Daily Observer


