Öl und Äpfel oder: Der Apfel fällt weit weg vom Stamm
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 16. August 2005 18:00 Uhr
ENL5454
"Was auch immer passieren wird, es wird passieren", sagt unser Korrespondent Byron King aus Pittsburgh.
Und was passieren wird, ist: die Welt wird eine ganze Menge mehr für Öl bezahlen.
Das sind die vier großen 'Trends' der Geschichte, fährt Byron fort. Verschuldung, Erschöpfung, Rückgang und Demographie.
Die Schulden kennen Sie schon gut, liebe Leser. Ich habe über den Schuldenanstieg gejammert und geklagt, seit ich vor sechs Jahren angefangen habe, diese Seiten zu schreiben. Erschöpfung ist Ihnen vielleicht weniger bekannt. Es ist das, was gerade mit den weltweiten Vorräten an Ressourcen passiert – Öl, Wasser oder ganz einfach Dreck.
"Machen Sie sich keine Sorgen", sagte Byron gestern vor einer Versammlung, "uns wird das Öl nicht ausgehen. Uns wird das Öl niemals ausgehen. Selbst die ersten Ölfelder, die jemals entdeckt wurden, in Titusville in Pennsylvania, geben immer noch etwas Öl. Man fördert dort immer noch jeden Tag ein oder zwei Barrel. Das einzige Problem ist, dass die Welt jeden Tag 80 Millionen Barrel verbraucht. Es wird aber nicht mehr von dem Zeug erzeugt. Die Ölproduktion hat in Amerika in den Siebzigern ihren Höchstwert erreicht, genau wie Hubbert es vorausgesehen hatte. Heute sagen die Experten, dass die weltweite Produktion wahrscheinlich 2010 ihren Höhepunkt erreicht haben wird. Danach wird es abwärts gehen."
Ein Abwärts für die Produktion bedeutet ein Aufwärts für die Preise. Das bedeutet, dass die leichtgängige Welt der billigen und reichlichen Energie der Vergangenheit angehören wird.
"Wissen Sie, wenn ich in meinem Supermarkt in Pittsburgh einen Apfel kaufe, dann kommt der vielleicht aus Chile. Dort haben sie den Baum mit der Hilfe von Maschinen gepflanzt, die mit Öl betrieben werden. Dann haben sie mit Düngern gedüngt, die auch auf Öl basieren. Dann haben sie die Äpfel mit Maschinen eingesammelt, die Öl verbrennen ... sie mit Trucks auf die Märkte gebracht ... sie auf Schiffe verladen ... und durch den Panamakanal nach Baltimore gebracht, sie dort entladen und in meinen Laden transportiert."
Diese gesamte Wirtschaft basiert auf Öl – auf bezahlbarem Öl. Aber mit einem Rückgang der Ölproduktion ... bei steigendem Ölverbrauch in der ganzen Welt ... wird Öl bald weniger leicht bezahlbar sein als heute. Und das wird die gesamte Wirtschaft verändern."
"Wir wissen schon heute, in wieweit es die Welt betreffen wird. Wir haben erlebt, was Ende der Siebziger Jahre passiert ist. Öl wurde für 11 Dollar pro Barrel gehandelt. Dann wurde der Schah im Iran gestürzt. Und seine Kumpel haben die Ölindustrie am Laufen gehalten. Innerhalb weniger Wochen waren die Ingenieure und die Manager, die man braucht, um das Öl aus der Erde und auf den Markt zu kriegen, aus dem Land geflohen. Die Ölproduktion im Irak brach zusammen. Von fast sechs Millionen Barrel am Tag auf nur noch fast zwei Millionen Barrel am Tag. Dieser Unterschied von vier Millionen Barrel hat den Ölpreis auf fünfzig Dollar steigen lassen und zur schlimmsten Rezession in Amerika seit der großen Depression geführt. Und das war zu einer Zeit, als die Welt noch wesentlich weniger Öl verbrauchte als heute."