Öl ist nicht gleich Öl
Profit Radar
vom 1. Juli 2008, 19:00 Uhr
ENL5454
Aber ich bin der Meinung, dass die Wahrheit, wie so oft im Leben, in der Mitte liegt. Deshalb würde ich meine Position so beschreiben: Wir müssen unterscheiden zwischen leicht abbaubarem Öl (wie man es in Saudi Arabien etc. findet) und Ölvorkommen, die zwar vorhanden sind, aber z.B. im Meer in solchen Tiefen liegen, dass sie erst bei hohen bis sehr hohen Ölpreisen wirtschaftlich rentabel gefördert werden können.
Ich bin der Meinung, dass wir bei dem leicht abbaubarem Öl den Peak, den Höhepunkt, in der Tat gesehen haben. Als Beispiel möchte ich nur Mexiko anführen. Wussten Sie, dass Mexiko der sechsgrößte Ölexporteur der Welt ist?
Denn Mexiko besitzt das gewaltige Offshore-Ölfeld Cantarell, welches das zweitergiebigste Ölfeld der Welt ist. Und so sind in Mexiko die Einnahmen aus den Ölexporten im ersten Quartal 2008 um 16 Prozent angestiegen.
Also alles in bester Ordnung? Weit gefehlt: Denn dieser Anstieg basiert nicht auf gestiegenen Fördermengen, sondern auf dem hohen Ölpreis. In der Realtität ist die Ölförderung in Mexiko schon seit einigen Jahren rückläufig.
Laut der Dresdner Bank ist die mexikanische Ölproduktion von gut 3,4 Millionen Barrel pro Tag in 2007 auf aktuell nur noch 2,8 Millionen Barrel pro Tag gesunken. Keine Frage: Den Mexikanern gehen ihre aktuellen Ölressourcen aus. Und sie sind ja bekanntermassen nicht das einzige Land.
So hat der staatliche mexikanische Ölkonzern Petróleos Mexicanos, kurz Pemex genannt, kleinlaut veröffentlicht, dass die eigenen Ölreserven in den letzten fünf Jahren von 30,8 Milliarden Barrel in 2002 auf jetzt nur noch 15,5 Milliarden Barrel in 2007 geschrumpft sind. Das ist eine Halbierung in 5 Jahren. Aber das bedeutet noch nicht, dass wir kein Öl mehr haben. Mehr dazu in meinem nächsten Profit Radar.
Have a successful day,
Ihr
Daniel Wilhelmi